• Home
  • /
  • Meldungen
  • /
  • Deutschland deutlich weniger von Unternehmensgewinnen aus China abhängig als angenommen

24.04.2023

Deutschland deutlich weniger von Unternehmensgewinnen aus China abhängig als angenommen

Deutschlands Abhängigkeit von russischem Gas hat gezeigt, wie kritisch wirtschaftliche Verflechtungen im Konfliktfall sein können. Auch die Milliardeninvestitionen deutscher Unternehmen in China lösen daher Besorgnis aus.

Beitrag mit Bild

© vege/fotolia.com

Einer aktuellen Studie zufolge sind die Gewinne aus Investitionen in China und damit verbundene Abhängigkeiten kleiner als angenommen. Die EU ist hier sehr viel wichtiger.

Aus den Investitionen deutscher Unternehmen in China flossen zwischen 2017 und 2021 jährlich Gewinne in Höhe von sieben bis elf Milliarden Euro nach Deutschland zurück. Damit hat China im internationalen Vergleich eine relevante Größenordnung erreicht und liegt mit 12 bis 16 % der Gewinnrückflüsse aus dem gesamten Ausland in etwa gleichauf mit den USA. Der Anteil der EU ist mit durchschnittlich 56 % im Betrachtungszeitraum allerdings deutlich höher.

Deutsche Verflechtung mit EU-Binnenmarkt am wichtigsten

Das zeigt eine Studie von Bertelsmann Stiftung, IW, MERICS und BDI, die die Gewinnsituation deutscher Unternehmen in China mit Sonderauswertungen von Bundesbank-Daten zum ersten Mal untersucht hat. Die Autoren schlussfolgern, dass China im Vergleich zur EU damit für die deutsche Wirtschaft bei Direktinvestitionen im Ausland (foreign direct investment, FDI) und den Gewinnrückflüssen weiterhin eine untergeordnete Rolle spielt. Wie beim Handel ist auch in dieser Hinsicht die deutsche Verflechtung mit dem europäischen Binnenmarkt am wichtigsten.

China-Investitionen sind besonders lukrativ

Die Investitionen in China werden zum weit überwiegenden Teil von Unternehmen aus der produzierenden deutschen Industrie getätigt: Im Jahr 2020 entfielen 69 % der deutschen China-Investitionen auf die Industrie. Im Vergleich zu anderen Märkten sind Investitionen in China besonders lukrativ: Knapp 7 % der deutschen FDI-Bestände entfallen auf China, aber etwa 12 bis 16 % der Gewinnrückflüsse aus FDI stammen aus China. Für den BDI ist die Studie ein Signal der Entwarnung in der Diskussion um eine zu große China-Abhängigkeit: „Die Investitionen der Industrie in den vergangenen vier Jahren in China finanzieren sich in der Summe aus den dort erzielten Gewinnen. Kapital fließt also nicht im großen Stil von Deutschland nach China“, so Friedolin Strack, Leiter der Abteilung Internationale Märkte im BDI.

Die Gewinnrückflüsse aus China erzeugen nach Ansicht der Autoren in gesamtwirtschaftlicher Sicht keine kritische Abhängigkeit. Bei einzelnen Großunternehmen ist das anders, wobei die Autoren kritisieren, dass die Informationslage über solche firmenspezifischen geopolitischen Klumpenrisiken zu dünn ist. „Hier braucht es mehr Transparenz, auch auf der Ebene besonders in China exponierter deutscher Firmen. Investoren und Anleger sollten ein Interesse haben, mehr über solche Klumpenrisiken zu erfahren. Das Gleiche gilt für die Politik, um die tatsächliche Bedeutung deutscher Investitionen in China für den Standort Deutschland ein-schätzen zu können“, sagt Jürgen Matthes, Leiter der Abteilung Globale und regionale Märkte am IW.

Deutsche Exportperspektiven könnten geschwächt werden

Auch die Ergebnisse einer nicht repräsentativen Umfrage unter rund drei Dutzend großen deutschen Firmen mit einem relevanten China-Engagement lassen mehr Transparenz im China-Geschäft sinnvoll erscheinen. Eine deutliche Mehrheit der befragten Firmen will bis 2030 Exporte aus Deutschland durch Produktion vor Ort ersetzen. Auch soll China zunehmend als Forschungsstandort und für den Export in Nachbarländer genutzt werden.

Daher warnt Max Zenglein, Chefökonom beim europäischen China-Thinktank MERICS: „Diese Vorhaben drohen die zukünftigen deutschen Exportperspektiven zu schwächen. Mittelfristig könnte das zulasten des Standorts Deutschland und der am Export nach China und Asien hängenden Arbeitsplätze gehen. Noch vor einigen Jahren war die gängige These, dass Investitionen in China automatisch auch dem Standort Deutschland nutzen. Heute müssen wir feststellen, dass der Trend zur Lokalisierung von Produktion nicht nur in China, sondern auch in anderen Weltregionen, mittel- und langfristig zulasten des Exports aus Deutschland heraus gehen wird.“

(IW Köln vom 20.04.2023 / Viola C. Didier, RES JURA Redaktionsbüro)


Weitere Meldungen


Meldung

© kevers/fotolia.com

20.05.2026

Immer weniger Mittelständler suchen eine Bankfiliale auf

Mittelständische Unternehmerinnen und Unternehmer in Deutschland suchen immer seltener eine Bankfiliale auf. Im Jahr 2024 nahmen erstmals weniger als die Hälfte der Unternehmen, nämlich 47 %, mindestens einen Geschäftstermin in einer Bank- oder Sparkassenfiliale wahr. Drei Jahre zuvor waren es 50 %, im Jahr 2017 noch 65 %. Der Rückgang der Filialbesuche geht somit weiter, die Dynamik hat

Immer weniger Mittelständler suchen eine Bankfiliale auf
Meldung

© pichetw/fotolia.com

19.05.2026

Stimmung der Finanzverantwortlichen verdüstert sich weiter

Die Folgen der anhaltenden geopolitischen Konflikte werden für Unternehmen immer spürbarer, wie der aktuelle CFO Survey zeigt. So sind geopolitische Risiken der stärkste Risikofaktor für das eigene Unternehmen – fast zwei Drittel (63 %) der CFOs sehen dies so (+ 11 Prozentpunkte). Finanzvorstände nehmen zudem Rohstoff- und Energiekosten als deutlich bedrohlicher wahr als noch vor

Stimmung der Finanzverantwortlichen verdüstert sich weiter
Meldung

©interstid/fotolia.com

19.05.2026

DAX-Konzerne: Umsatz und Beschäftigung sinken

Die DAX-Konzerne sind mit deutlichen Umsatzeinbußen in das Jahr 2026 gestartet: Der Gesamtumsatz der 40 Unternehmen schrumpfte gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 3,7 %. Der Gesamtgewinn stieg hingegen um 4,4 %, was vor allem auf die starke Entwicklung der Finanzbranche zurückzuführen ist, deren Gewinn sogar um 15,9 % stieg und einen neuen Rekordwert für ein erstes Quartal erreichte. Die

DAX-Konzerne: Umsatz und Beschäftigung sinken
CORPORATE FINANCE Beratermodul

Haben wir Ihr Interesse für CORPORATE FINANCE geweckt?

Sichern Sie sich das Beratermodul CORPORATE FINANCE im 3 Monate Start-Abo (1 Monat gratis)