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18.06.2026

Deutschland wird zum Wachstumsmotor der Vermögensverwaltung

Deutschlands Vermögensverwaltung steht vor großen Chancen, wenn Anbieter Vertrieb, Technologie und Produkte richtig ausrichten.

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pitinan/123rf.com

Die deutsche Asset- und Wealth-Management-Branche (AWM) befindet sich an einem Wendepunkt. Mit 3,7 Billionen US-Dollar1 an verwaltetem Vermögen zählt Deutschland bereits zu den größten Märkten Europas. Das Land verbindet eine ausgeprägte institutionelle Expertise mit einer dynamischen Retail-Entwicklung und einem regulatorischen Umfeld, das zunehmend darauf ausgerichtet ist, private Ersparnisse in langfristige Anlageprodukte zu lenken.

Europaweit wird ein Wachstum des verwalteten Vermögens von 35 Billionen US-Dollar im Jahr 2024 auf 48,5 Billionen US-Dollar im Jahr 2030 erwartet (CAGR: 5,6 %). Daraus ergeben sich bis Ende des Jahrzehnts zusätzliche Ertragspotenziale von bis zu 67 Milliarden US-Dollar. In Deutschland wird diese Entwicklung insbesondere durch die starke institutionelle Investorenbasis, strukturelle Veränderungen im Sparverhalten sowie die Schlüsselrolle des Landes im Rahmen der Spar- und Investitionsunion (SIU) getrieben.

Gleichzeitig bleibt der Handlungsdruck hoch: 93 % der europäischen Asset Manager berichten von gestiegener Rentabilitätsbelastung in den letzten fünf Jahren. Größe und AuM-Wachstum sichern kein profitables Wachstum mehr. Erfolg beruht auf Kontrolle von Vertrieb, Kundenbeziehungen und Investorenzugang. In Deutschland erschwert die bankdominierte Vertriebslandschaft teilweise weiterhin den direkten Zugang zu Retail- und vermögenden Privatkunden. Organisationen, die ihre Vertriebsstrukturen diversifizieren, Kompetenzen in Private Markets ausbauen und digitale Infrastrukturen stärken, verfügen über die besten Voraussetzungen, von der Mobilisierung privater Ersparnisse zu profitieren.

Deutschland im Fokus: institutionelle Stärke trifft auf Retail-Potenzial

Der deutsche Markt ist durch zwei parallel verlaufende Entwicklungen geprägt: einen etablierten institutionellen Sektor mit zudem wachsender Allokation in Private Markets sowie einen Retail-Markt, der zunehmend von kurzfristigem Sparen zu langfristiger Kapitalanlage übergeht.

Institutionelle Investoren wie Pensionsfonds, Versicherungen und Versorgungswerke zählen zu den wichtigsten Kapitalgebern für Private Markets in Europa. PwC erwartet, dass die Erträge in diesem Segment bis 2030 auf 105,2 Milliarden US-Dollar steigen werden. Anbieter mit starker Positionierung in Private Credit, Infrastruktur und Real Assets sind hier besonders gut aufgestellt.

Die Transformation des privaten Spar- und Anlageverhaltens

Deutschland zählt zu den Ländern mit den höchsten Sparquoten privater Haushalte in Europa. Gleichzeitig bleibt die Beteiligung an Aktienfonds deutlich unter dem europäischen Durchschnitt und liegt weit unter der US-Quote von 55 %. Die politische Agenda zur Stärkung der Aktienkultur, insbesondere die Reformen rund um das Altersvorsorgedepot, zielt darauf ab, einen Teil dieses erheblichen Sparvermögens in langfristige Anlageprodukte zu lenken. Asset Manager, die zugängliche und steuerlich effiziente Lösungen für Retail-Anleger entwickeln, können daraus substanzielle und langfristig stabile Geldflüsse generieren.

ELTIF 2.0 und Spezialfonds als struktureller Vorteil

Die etablierte Spezialfonds-Struktur gehört weiterhin zu den effizientesten Vehikeln für institutionelle Private-Markets-Investitionen in Europa. In Kombination mit dem ELTIF-2.0-Rahmen, der den Zugang für Retail-Investoren erweitert, entsteht eine leistungsfähige zweigleisige Infrastruktur für den Vertrieb von Private Markets an institutionelle und private Anleger. Asset Manager, die diese Strukturen frühzeitig nutzen, sichern sich nachhaltige Vorteile.

Den Vertriebsengpass überwinden

In Deutschland, wie in weiten Teilen Kontinentaleuropas, liegt nach wie vor über die Hälfte des Fondsvertriebs in der Hand von Banken. Gleichzeitig bewerten 93 % der europäischen Asset Manager Vertriebspartnerschaften als kritisch, während 69 % den Ausbau direkter Investorenzugänge priorisieren. Das wachsende Ökosystem aus Neo-Brokern und digitalen Plattformen bietet außerhalb klassischer Banknetze den vielversprechendsten Zugang zur nächsten Generation von Anlegern.

Die europäische Chance — in Zahlen

  • 48,5 Billionen US-Dollar prognostiziertes verwaltetes Vermögen in Europa bis 2030 (2024: 35 Billionen US-Dollar; CAGR: 5,6 %)
  • 67 Milliarden US-Dollar zusätzliche Erträge bis 2030 (Anstieg von 163,9 Mrd. auf 230,6 Mrd. US-Dollar)
  • 105,2 Milliarden US-Dollar erwartete Erträge in Private Markets bis 2030 – annähernd auf Niveau aktiver Investments (113,5 Mrd. US-Dollar)
  • 13,1 % CAGR Wachstum europäischer ETFs bis 2030 – mehr als viermal so hoch wie bei aktiven Investments (3,1 %)
  • 10 Billionen Euro Bankeinlagen privater Haushalte in Europa mit erheblichem Mobilisierungspotenzial warten
  • 18 % Beteiligung privater Anleger an Aktienfonds in Europa gegenüber 55 % in den USA zeigt deutliches Nachfragepotenzial
  • 93 % der europäischen Asset Manager berichten von Rentabilitätsdruck in den vergangenen fünf Jahren
  • 68 % der institutionellen Investoren in Europa bevorzugen technologiegestützte Anbieter

Europas Aufbruch: vier strukturelle Chancen

Die Studie identifiziert vier zentrale Kräfte, die das attraktivste Wachstumsumfeld für das europäische Asset- und Wealth-Management seit über einem Jahrzehnt schaffen. Sie stehen gleichermaßen für kurzfristige kommerzielle Potenziale wie für strukturelle Verschiebungen im Wettbewerb.

  1. Mobilisierung von 10 Billionen Euro Sparvermögen: Europa hat mit 15 % eine der höchsten Sparquoten privater Haushalte weltweit und dennoch liegt die Beteiligung privater Anleger an Aktienfonds bei nur 18 %, verglichen mit 55 % in den USA. Bereits die teilweise Umschichtung der rund 10 Billionen Euro, die aktuell in niedrig verzinsten Bankeinlagen liegen, würde eine erhebliche Wachstumschance darstellen. Mit Initiativen wie der Spar- und Investitionsunion (SIU) schafft die Europäische Kommission zusätzliche Anreize durch steuerliche Maßnahmen und Finanzbildung. Das weiterentwickelte paneuropäische Altersvorsorgeprodukt (PEPP) bietet Asset Managern mit bestehender UCITS- und AIF-Infrastruktur einen skalierbaren Zugang zu langfristigen Sparflüssen.
  2. Private Markets für neue Anlegergruppen öffnen: 43 % der europäischen Asset Manager sehen die Öffnung von Private Markets für neue Anlegergruppen als zentralen Wachstumstreiber. Regulatorische Initiativen fördern gezielt Fondsstrukturen, die den Zugang für Retail-Investoren erleichtern. Bis 2030 werden die Erträge aus Private Markets (105,2 Mrd. US-Dollar) nahezu das Niveau aktiver Investments (113,5 Mrd. US-Dollar) erreichen und sich als zentrales strategisches Wachstumsfeld etablieren.
  3. Vom Vermögenstransfer im Wealth Management profitieren: Das Wealth-Segment ist bereits heute der wichtigste Wachstumstreiber des europäischen Asset- und Wealthmanagements und wird bis 2030 mehr als zwei Drittel der verwalteten Vermögen ausmachen. Der anstehende Vermögenstransfer verstärkt diese Dynamik zusätzlich. Neue Anlegergenerationen erwarten digitale, benutzerzentrierte Angebote, nachhaltige Anlagelösungen und direkten Zugang zu Private Markets. 68 % der Asset Manager reagieren bereits mit einer entsprechenden Diversifikation ihres Produktangebots.
  4. Technologie gezielt als Ertragshebel einsetzen: Technologie entwickelt sich zunehmend vom Effizienztreiber zum Differenzierungsfaktor im Wettbewerb. 68 % der institutionellen Investoren bevorzugen Anbieter mit technologiegestützten Produkten und Services im Rahmen der Mandatsvergabe. Gleichzeitig setzen über 80 % der europäischen Asset Manager auf KI und Automatisierung zur Steigerung der Effizienz. 45 % priorisieren darüber hinaus tokenisierte Assets als zukünftige Wachstumsquelle.

Fazit

Die Mehrheit der Marktteilnehmer verzeichnet inzwischen sinkende Erträge pro verwaltetem Euro. Strategien, die über viele Jahre erfolgreich waren, müssen daher grundlegend überprüft und weiterentwickelt werden. Nachhaltig profitables Wachstum – im Unterschied zu einem bloßen Wachstum des verwalteten Vermögens – setzt einen klaren, konsequent verfolgten strategischen Fokus sowie den gezielten Ausbau der erforderlichen Kompetenzen entlang der genannten Strukturelemente voraus. Die Voraussetzungen dafür sind geschaffen, und die Rahmenbedingungen sind günstig.

(PwC vom 18.06.2026 / RES JURA Redaktionsbüro – vcd)


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