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09.01.2020

Deutschlands Banken verbrennen im Firmenkundengeschäft Geld

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© kevers/fotolia.com

Der Verdrängungswettbewerb im Corporate-Banking in Deutschland nimmt bedrohliche Züge an. Erstmals seit der Finanzkrise ist es den Instituten im ersten Halbjahr 2019 nicht gelungen, ihre Eigenkapitalkosten von derzeit 7 bis 10% zu verdienen, so der Corporate-Banking-Index von Bain. Die Eigenkapitalrendite sank innerhalb von zwölf Monaten um 4 Prozentpunkte auf 7%.

Die Entwicklung des Corporate-Banking-Index im ersten Halbjahr 2019 untermauert die angespannte Situation. Während die Erträge auf niedrigem Niveau verharren, gab die Profitabilität deutlich nach – so wie auch in den letzten fünf Jahren. Viele Banken versuchen schon seit geraumer Zeit, ihre Marktposition im traditionell profitablen Firmenkundengeschäft aggressiv auszubauen und nehmen dafür immer niedrigere Margen in Kauf, stellen die Studienautoren fest. Nun sei die Branche an einem Punkt angekommen, an dem sie Geld zu verbrennen beginnt.

Kreditvolumen auf Rekordhöhe, Kreditmarge nahe Tiefstständen

Nach Aussage der Studie sind die Banken in jüngster Zeit bemüht, unter anderem mit einer Ausweitung der Kreditvolumina der rückläufigen Profitabilität entgegenzuwirken und ihren Zinsüberschuss zu stabilisieren. Im ersten Halbjahr 2019 stieg das Kreditvolumen im Vergleich zum Vorjahr um 6% auf den historischen Rekordwert von 1,2 Billionen €. Zwischen 2013 und 2018 lag die durchschnittliche Wachstumsrate noch bei jährlich 3%. Insbesondere die Sparkassen und die privaten Kreditbanken würden ihre Marktposition ausbauen. Die Landesbanken hingegen verzeichnen leichte Marktanteilsverluste, auch bedingt durch die laufende Konsolidierung und Restrukturierung, so der Corporate-Banking-Index.

Trotz der wachsenden Volumina bewege sich die Kreditmarge weiterhin nahe den historischen Tiefstständen des Jahres 2008. Den Banken falle es immer schwerer, Kundenbeziehungen nachhaltig profitabel zu gestalten. Dazu trage auch der Trend hin zu Plattformlösungen bei sowie die Automatisierung vieler Cross-Selling-Produkte wie Devisengeschäfte. Für die Kreditinstitute wird es zunehmend wichtiger, sich auf ihre Wettbewerbsvorteile zu konzentrieren und mit Partnern zusammenzuarbeiten, stellen die Studienautoren fest.

Ein weiterer Grund für die rückläufige Profitabilität sei der zuletzt wieder deutlich gestiegene Verwaltungsaufwand. Die unumgänglichen Investitionen der Banken in die Digitalisierung, in ihre IT sowie in die Umsetzung neuer Regelwerke würden die positiven Effekte der laufenden Kostensenkungsprogramme konterkarieren.

Steigende Kreditrisikovorsorge belastet Profitabilität zusätzlich

Anders als in den vergangenen Jahren verspricht die Kreditrisikovorsorge keine Entlastung. Im Gegenteil: Von einem niedrigen Niveau aus stieg sie laut der Untersuchung in den ersten sechs Monaten 2019 gemessen am Vorjahreswert um 17%. Die schwächere Konjunktur hinterlasse erste Spuren in den Büchern der Banken. Die Risikovorsorge dürfte in den kommenden Quartalen weiter steigen und die Profitabilität zusätzlich belasten, erwarten die Studienautoren. Hinzu kämen höhere Aufwendungen durch die Umsetzung von Basel IV.

Steigende Kosten bei rückläufigen Erträgen würden die Branche zwingen zu handeln. Jede Bank müsse ihr Firmenkundengeschäft jetzt wetterfest machen. Vorreiter könnten gegen den Branchentrend schon heute ihre Erträge steigern. Ihr Erfolg beruhe unter anderem auf einer systematischen Vertriebssteuerung, einer klaren Produkt- und Kundenstrategie sowie dem konsequenten Einsatz neuer Technologien. Corporate-Banking lässt sich in Deutschland nach wie vor ertragsstark und rentabel betreiben, betonen die Studienautoren. Doch das werde nicht jedem Haus gelingen. Im Markt wird es zu einer noch stärkeren Differenzierung kommen, und Gewinnern mit nachhaltigen profitablen Geschäftsmodellen werden unrentable Verlierer gegenüberstehen, so das Fazit der Studienautoren.

(Pressemitteilung Bain & Company vom 08.01.2020)


Redaktion

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