Digitalisierung gehört für CFOs zu den wichtigsten Aufgaben. Doch zwischen Anspruch und Realität klafft eine deutliche Lücke. Das zeigt die Studie „Digital CFO 2026“ der WHU – Otto Beisheim School of Management und PwC Deutschland, für die 207 Finanzchefinnen und Finanzchefs aus Deutschland, Österreich und der Schweiz befragt wurden.
Zwar bewerten CFOs die Bedeutung der Digitalisierung im Schnitt mit 5,9 von 7 Punkten. Gleichzeitig bezeichnen nur gut 20 % ihre Finanzfunktion als stark oder sehr stark digitalisiert. Rund ein Fünftel sieht den eigenen Digitalisierungsgrad dagegen noch auf niedrigem Niveau.
Hohe Priorität, wenig Strategie
Viele Unternehmen investieren bereits in Digitalisierungsprojekte. Doch klare Strategien und belastbare Roadmaps fehlen häufig noch. Die Zustimmungswerte für definierte Digitalisierungsstrategien liegen mit 4,6 Punkten für das Gesamtunternehmen und 4,8 Punkten für die Finanzfunktion deutlich unter der hohen Priorität des Themas. PwC-Partner Gori von Hirschhausen sieht deshalb vor allem ein Umsetzungsproblem: Vorhandene Technologien würden noch nicht konsequent genug genutzt, etwa bei der Automatisierung von Standardprozessen oder bei datengetriebener Analytik.
KI bleibt oft Experiment
Auch bei konkreten Technologien ist der Reifegrad niedrig. Predictive Analytics, Prozessautomatisierung oder Process Mining werden in der Praxis meist nur schwach genutzt. Bei acht von neun abgefragten Technologien war die häufigste Antwort sogar: gar keine Nutzung.
Besonders deutlich zeigt sich die Lücke bei künstlicher Intelligenz und Large Language Models. In Unternehmen insgesamt liegt die Nutzungsintensität von LLM-Anwendungen bei 4,1 von 7 Punkten, in den Finanzfunktionen nur bei 3,8. Häufig bleiben die Anwendungen punktuell; eine systematische Einbindung in Forecasting, Reporting oder Working Capital Management ist noch selten.
Fachkräfte werden zum Engpass
Ein zentrales Hindernis ist der Kompetenzaufbau. In den untersuchten Finanzbereichen arbeiten durchschnittlich 413 Mitarbeitende. Doch nur 6,9 % verfügen über vertiefte Fähigkeiten in IT, Digitalisierung oder Data Science. Gleichzeitig berichten viele CFOs, dass entsprechendes Fachpersonal schwer zu gewinnen ist.
Finanziell rechnen viele Unternehmen mit Rückenwind: Knapp 70 % der Befragten erwarten künftig höhere Budgets für die Digitalisierung ihrer Finanzfunktion. Die Mitarbeiterzahlen dürften dagegen meist stabil bleiben oder leicht sinken.
Fazit
Der nächste Produktivitätsschub wird daher vor allem davon abhängen, ob CFOs Technologien gezielt skalieren und digitale Kompetenzen aufbauen. Wer Einzelprojekte bündelt und KI systematisch in Kernprozesse integriert, kann die Finanzfunktion vom Zahlenlieferanten zum Treiber moderner Unternehmenssteuerung entwickeln.
(PwC vom 26.05.2026 / RES JURA Redaktionsbüro – vcd)

