• Home
  • /
  • Meldungen
  • /
  • Ein zweischneidiges Schwert: Wie nah sollte ein Spin-Out am Muttermarkt bleiben?

24.01.2023

Ein zweischneidiges Schwert: Wie nah sollte ein Spin-Out am Muttermarkt bleiben?

Nach einer Studie der Bayes Business School müssen Mitarbeiter-Start-ups konkurrierende Kräfte ausgleichen, um nicht zu scheitern. Die Studie legt nahe, dass Spin-Outs bei ihrem Versuch, sich auf dem Markt zu etablieren, zugleich eindeutige Vorteile und erhebliche Kosten haben können. Im Gegensatz zu Spin-Offs entstehen Spin-Outs durch die unabhängigen Entscheidungen von Mitarbeitern, die das Mutterunternehmen verlassen, um neue Unternehmen zu gründen.

Beitrag mit Bild

Corporate Finance

Die Studie, die 117 Spin-Outs von 103 etablierten Unternehmen untersuchte, kommt zu dem Ergebnis, dass das Ausmaß, in dem sich die operativen Märkte von Spin-Outs, mit denen ihrer Muttergesellschaften überschneiden, sowohl positive als auch negative Auswirkungen auf ihre Überlebenswahrscheinlichkeit hat.

Nähe zur Muttergesellschaft ist für Spin-Outs ein Vorteil aber auch ein Risiko

Die Nähe zur Muttergesellschaft ist für Spin-Outs von Vorteil, da sie dadurch von dem Know-how und den Ressourcen der Gründer profitieren können. Ein hohes Maß an Überschneidungen mit den Marktbereichen der Muttergesellschaften kann jedoch feindselige Handlungen auslösen und so zu einem störenden Wettbewerb führen, der seinerseits die Überlebenschancen der Spin-Outs schmälern könnte.

Auf der anderen Seite profitieren die von hochrangigen Mitarbeitern ins Leben gerufene Spin-Outs vom hohem Maß an Wissens und Ressourcen, die von den Mutterunternehmen geerbt wurden. Außerdem verfügen hochrangige Mitarbeiter über eine größere Verhandlungsmacht, die es ihnen ermöglicht, zum Zeitpunkt des Ausscheidens günstigere Ausstiegsbedingungen auszuhandeln. Andererseits besteht für diese Ausgründungen ein höheres Risiko, in Kompetenzfallen zu geraten, die sie in der alten Logik gefangen halten und somit ihre Fähigkeit behindern, neue Ressourcen zu erwerben oder neue Methoden zu entwickeln, die für ihre Zielmärkte besser geeignet sind.

Darüber hinaus könnte das Überleben von Mitarbeiter-Neugründungen von der früheren Position ihrer Gründer in etablierten Unternehmen abhängen.

Die Mitarbeiter, die über die Gründung eines eigenen Unternehmens nachdenken, müssen sich laut der Studienautoren dieser gegensätzlichen Kräfte bewusst sein. Es handele sich um das richtige Gleichgewicht zwischen der Ungewissheit, die mit dem Eintritt in neue Marktbereiche einhergehe, und dem Risiko, mit den feindseligen Handlungen der Muttergesellschaft konfrontiert zu werden.

Es gibt viele Beispiele für erfolgreiche Ausgründungen. Bei dem berühmtesten handelt es sich um die acht Mitarbeiter von Shockley Semiconductor, die das Unternehmen verließen, um Fairchild zu gründen – das erste Billionen-USD-Start-up in der Halbleiterindustrie. Fairchild selbst brachte später so viele erfolgreiche unternehmerische Unternehmungen hervor, dass sie als Fairchildren bezeichnet werden. Zu den bekanntesten gehören die US-Tech-Giganten Intel und AMD.

Spin-Outs können durch feindliche Maßnahmen der Mutterunternehmen jedoch auch scheitern. Ein Beispiel: 2014 reichte das Unternehmen für biowissenschaftliche Forschung und klinische Diagnostik Bio-Rad Laboratories eine Klage gegen 10x Genomics ein, das von drei seiner ehemaligen Mitarbeiter gegründet worden war. In dieser Klage behauptete Bio-Rad Laboratories, dass die drei Mitarbeiter gegen ihre Verpflichtungen verstoßen und mehrere Patente verletzt hätten, die exklusiv an Bio-Rad lizenziert waren. Infolge dieser Klage wurde 10x Genomics zur Zahlung einer 15-prozentigen Umsatzbeteiligung und von 24 Mio. USD Schadenersatz an Bio-Rad verurteilt.

Spin-Outs sind eine ernsthafte Wettbewerbsbedrohung für die Muttergesellschaften

Aus Sicht der Muttergesellschaften kann der Übergang von Mitarbeitern in die Selbständigkeit Anlass zu ernster Sorge sein, erklären die Studienautoren. Denn neben dem Verlust von wichtigem Humankapital könnten Spin-Outs eine ernsthafte Wettbewerbsbedrohung darstellen. Um ihre Wettbewerbsposition auf dem Markt zu schützen, könnten Mutterunternehmen Vergeltung üben und eine feindliche Haltung gegenüber Neugründungen von Mitarbeitern einnehmen, die ihre wichtigen Märkte angreifen.

Die Studie deutet darauf hin, dass Spin-Outs durch die Minimierung der Marktangleichung ihre Sichtbarkeit verschleiern und ihre Wettbewerbsbedrohung in den Augen der Mutterunternehmen abschwächen können. Dies könne eine wichtige Rolle dabei spielen, die Motivation der Muttergesellschaften für aggressive Maßnahmen zu verringern.

Die Studie „When do spinouts benefit from market overlap with parent firms?“ ist hier zu finden.

(Pressemitteilung Bayes Business School vom 19.01.2023)


Weitere Meldungen


Meldung

© kevers/fotolia.com

20.05.2026

Immer weniger Mittelständler suchen eine Bankfiliale auf

Mittelständische Unternehmerinnen und Unternehmer in Deutschland suchen immer seltener eine Bankfiliale auf. Im Jahr 2024 nahmen erstmals weniger als die Hälfte der Unternehmen, nämlich 47 %, mindestens einen Geschäftstermin in einer Bank- oder Sparkassenfiliale wahr. Drei Jahre zuvor waren es 50 %, im Jahr 2017 noch 65 %. Der Rückgang der Filialbesuche geht somit weiter, die Dynamik hat

Immer weniger Mittelständler suchen eine Bankfiliale auf
Meldung

© pichetw/fotolia.com

19.05.2026

Stimmung der Finanzverantwortlichen verdüstert sich weiter

Die Folgen der anhaltenden geopolitischen Konflikte werden für Unternehmen immer spürbarer, wie der aktuelle CFO Survey zeigt. So sind geopolitische Risiken der stärkste Risikofaktor für das eigene Unternehmen – fast zwei Drittel (63 %) der CFOs sehen dies so (+ 11 Prozentpunkte). Finanzvorstände nehmen zudem Rohstoff- und Energiekosten als deutlich bedrohlicher wahr als noch vor

Stimmung der Finanzverantwortlichen verdüstert sich weiter
Meldung

©interstid/fotolia.com

19.05.2026

DAX-Konzerne: Umsatz und Beschäftigung sinken

Die DAX-Konzerne sind mit deutlichen Umsatzeinbußen in das Jahr 2026 gestartet: Der Gesamtumsatz der 40 Unternehmen schrumpfte gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 3,7 %. Der Gesamtgewinn stieg hingegen um 4,4 %, was vor allem auf die starke Entwicklung der Finanzbranche zurückzuführen ist, deren Gewinn sogar um 15,9 % stieg und einen neuen Rekordwert für ein erstes Quartal erreichte. Die

DAX-Konzerne: Umsatz und Beschäftigung sinken
CORPORATE FINANCE Beratermodul

Haben wir Ihr Interesse für CORPORATE FINANCE geweckt?

Sichern Sie sich das Beratermodul CORPORATE FINANCE im 3 Monate Start-Abo (1 Monat gratis)