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30.09.2019

Emissionsmarkt Deutschland: Börsengang von TeamViewer setzt Akzent in schwachem 3. Quartal

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Corporate Finance

Das dritte Quartal 2019 endet mit einem Paukenschlag auf dem deutschen Emissionsmarkt: Das Softwareunternehmen TeamViewer wagt sich aufs Parkett und spielt dabei rund 1,97 Mrd. € ein – der größte Börsengang eines Technologieunternehmens in Deutschland seit dem Platzen der Dotcom-Blase. Damit stellt TeamViewer auch das Erstlisting von Traton, der LKW-Sparte von VW, in den Schatten, die Ende des zweiten Quartals mit 1,35 Mrd. € debütierte. Zu diesen Ergebnissen kommt die Analyse „Emissionsmarkt Deutschland“, für die das Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen PwC vierteljährlich die Aktienneuemissionen sowie Kapitalerhöhungen an der Börse Frankfurt erfasst.

Abgesehen von diesen beiden Groß-Transaktionen herrscht Flaute auf dem deutschen IPO-Markt: In den ersten neun Monaten des Jahres gingen nur vier Unternehmen an die Frankfurter Börse und spielten dabei rund 3,5 Mrd. € ein. Das Emissionsvolumen liegt 46% niedriger als im Vorjahreszeitraum, als bis Ende September 14 deutsche Unternehmen debütiert hatten.

Geschäftserwartungen der Unternehmen auf Tiefstand

Das wirtschaftliche und politische Umfeld belastet den Kapitalmarkt laut der Experten von PwC nach wie vor: Die Sorgen um die Weltkonjunktur und den Ausgang des Brexits halten an. Die Geschäftserwartungen deutscher Unternehmen sind auf den niedrigsten Stand seit 2009 gefallen und auch die Gewinnschätzungen der Analysten gehen deutlich zurück. In diesem Umfeld würden sich verständlicherweise nur wenige Unternehmen an den Kapitalmarkt wagen, stellen die IPO-Experten fest. Da helfe es auch nicht, dass die Indizes der schwachen Konjunkturlage trotzen und sich in etwa auf Vorjahresniveau bewegen.

Der Anlagenotstand sei enorm. Wenn eine 30-jährige Bundesanleihe mit minus 14 Basispunkten rentiert, würden sich viele Investoren fragen, ob über einen solch langen Zeitraum mit Aktien nicht mehr zu erwirtschaften ist. Das halte die Märkte oben – trotz aktuell einbrechender Gewinnaussichten und schwindender Hoffnung auf ein nahes Ende des Handelsstreits.

Kapitalerhöhungen deutlich unter dem Vorjahr

Auch in puncto Kapitalerhöhungen fiel das dritte Quartal laut der PwC-Analyse schwach aus. Nur fünf Unternehmen erhöhten zwischen Juli und September 2019 ihr Kapital. Im ersten Quartal taten dies noch 14 Unternehmen, im 2. Quartal immerhin elf. Das Volumen der Kapitalerhöhungen erreichte im dritten Quartal 645 Mio. €, wobei der Immobilienkonzern Aroundtown mit seiner Kapitalerhöhung für 93% des Gesamtvolumens verantwortlich war. Für die ersten neun Monate des Jahres liegt das Volumen der Kapitalerhöhungen nach Angaben der Experten rund 65% unter dem Wert des Vorjahres.

Lichtblick bei den Fremdkapitalemissionen

Einen Lichtblick bieten nach Einschätzung von PwC die Fremdkapitalemissionen. Insbesondere für Investment-Grade-Anleihen verliefen die vergangenen drei Monate erfreulich stark. Das Emissionsvolumen lag bei 33,3 Mrd. € und damit 157% über dem zweiten Quartal 2019 und 72% über dem vergleichbaren Vorjahresquartal. Auch der Markt für High-Yield-Anleihen zeigt sich stabil: Das Emissionsvolumen lag mit 2,4 Mrd. € im dritten Quartal zwar rund ein Drittel unter dem Vorquartal, aber deutlich über dem dritten Quartal 2018.

Der sehr hohe Anteil an Staatsanleihen mit negativer Rendite treibe Bond-Investoren zunehmend in Unternehmensanleihen, die mit ihren, wenn auch sehr geringen, Kupons immerhin noch etwas Ertrag versprechen, stellt die Analyse fest. Vor allem nach der Sommerpause hätten Unternehmen die hohe Nachfrage genutzt und durch Neuemissionen ihre ausstehenden Verbindlichkeiten refinanziert sowie ihre Zinsbelastung gesenkt.

Keine großen Börsengänge im Schlussquartal

2018 war ein starkes Jahr für den deutschen Emissionsmarkt, daran wird 2019 nicht annähernd anknüpfen können, so die Einschätzung der PwC-Experten. Die Studienautoren zeigen sich für das Schlussquartal eher skeptisch: Für das letzte Quartal des Jahres sehen sie keine mit dem Vorjahr vergleichbar großen Börsengänge, auch wenn mit Congatec und Logistrial zuletzt zwei weitere Unternehmen ihre Börsenpläne publik gemacht hätten.

Die Erwartung, dass das Debüt von TeamViewer für neuen Schwung im deutschen Emissionsmarkt sorgen wird, dämpft der IPO-Experte. Denn das Unternehmen, das mit einer Fernwartungssoftware sehr erfolgreich ist, sei ein ganz besonderes Asset – ein wachstumsstarker Tech-Konzern mit hohen Margen, der sich genau in dem „Sweet Spot“ befinde, den Investoren derzeit für ihre Anlagen suchen. Die Hoffnungen für mehr Bewegung im deutschen IPO-Markt ruhen laut der Studienautoren auf 2020. Ein belebender Faktor sei, dass einige große Konzerne für das kommende Jahr die Börsengänge ihrer Spin-Offs angekündigt haben.

Die Analyse „Emissionsmarkt Deutschland Q3 2019“ finden Sie hier zum Download.

(Pressemitteilung PwC vom 27.09.2019)


Redaktion

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