• Home
  • /
  • Meldungen
  • /
  • Emissionsmarkt Deutschland: Stärkstes erstes Halbjahr für IPOs seit 2000

29.06.2021

Emissionsmarkt Deutschland: Stärkstes erstes Halbjahr für IPOs seit 2000

Beitrag mit Bild

© moomsabuy/fotolia.com

Nach dem Flaute-Jahr 2020 befindet sich der deutsche Emissionsmarkt aktuell auf Rekordkurs: In den ersten sechs Monaten des Jahres gelang 14 Unternehmen der Sprung auf das Frankfurter Börsenparkett. Allein zehn IPOs fanden zwischen April und Juni statt – so viele Börsengänge in einem Quartal gab es in Frankfurt zuletzt vor 20 Jahren. Das erzielte Emissionsvolumen liegt Ende Juni bei 8,8 Milliarden Euro – und damit ebenfalls auf Rekordniveau. Seit dem Boom-Jahr 2000 wurde in keinem Halbjahr ein solch hohes Emissionsvolumen erreicht wie in der ersten Jahreshälfte 2021. Zum Vergleich: Im starken IPO-Jahr 2018 spielten die 18 Erst-Listings in Frankfurt insgesamt 11,3 Milliarden Euro ein.

Zu diesen Ergebnissen kommt die Analyse „Emissionsmarkt Deutschland“, für die das Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen PwC vierteljährlich die Aktienneuemissionen sowie die Kapitalerhöhungen an der Börse Frankfurt erfasst.

Das Marktumfeld könnte wieder schwieriger werden

„Wegen der Corona-Pandemie hatten zahlreiche Börsenaspiranten ihre IPO-Pläne im vergangenen Jahr auf Eis gelegt. In der ersten Jahreshälfte 2021 profitierten die Märkte dann von der sich entspannenden Corona-Lage in Deutschland, die Konjunkturaussichten hellten sich auf und die Aktienmärkte schossen nach oben. Um von diesem hohen Bewertungsniveau zu profitieren, setzten viele Unternehmen ihre Börsenpläne in der ersten Jahreshälfte in die Tat um“, kommentiert Nadja Picard, PwC Europe Capital Markets Leader bei PwC Deutschland.

„Die Indizes notieren derzeit auf oder nahe ihrer Allzeithochs. Die deutliche Erholung der Wirtschaft und die starken Gewinnzuwächse der Unternehmen sind in den hohen Bewertungen allerdings bereits eingepreist“, ergänzt Carsten Stäcker, Leiter Equity Advisory bei PwC Deutschland. Aus seiner Sicht zeichne sich bereits ab, dass das Umfeld wieder schwieriger werde. Neben einem nach wie vor unsicheren Pandemieverlauf drohen weitere Herausforderungen die Märkte in den kommenden Monaten zu belasten: „Insbesondere die steigende Inflation, die Diskussionen um eine Reduktion der Anleihekäufe durch die Notenbanken, wachsender Margendruck und eine höhere Besteuerung der Unternehmen dürften für Unsicherheit an den Märkten sorgen“, so die Einschätzung von Carsten Stäcker.

Kursentwicklung der Börsenneulinge ist durchwachsen

Auch PwC-Expertin Nadja Picard geht davon aus, dass „die Investoren im Jahresverlauf deutlich zurückhaltender und selektiver werden angesichts der Flut von IPOs in Europa und der insgesamt eher enttäuschenden IPO-Performance.“ Der Blick auf die Kursentwicklung der Börsenneulinge zeigt ein gemischtes Bild. Dazu kommt: Der Emissionspreis lag bei allen IPOs am unteren Ende der Bookbuilding-Spanne. Auch das spiegelt das schwierige Marktumfeld wider – trotz voller Pipeline.

Das größte IPO im zweiten Quartal war der Börsengang des Software-Anbieters SUSE, der mit seinem Sprung aufs Parkett knapp 1,1 Milliarden Euro einspielte. Aber auch die Börsengänge der Laborkette Synlab und des Online-Modehändlers AboutYou spülten jeweils über 700 Millionen Euro in die Kassen. Demgegenüber verschob mit MeinAuto Group ein größeres IPO (Volumen rund EUR 460 Mio.) seine Pläne am letzten Tag der Bookbuildingphase.

Im zweiten Quartal setzte sich zudem der aus den USA kommende Trend zu Börsengängen von „Special Purpose Acquisition Companies“ (SPAC) fort, von Mantelgesellschaften also, die über den Börsengang Geld einsammeln, um damit in der Folge ein oder mehrere Unternehmen zu übernehmen. Im zweiten Quartal debütierten mit 468 SPAC I und OboTech Acquisition gleich zwei SPAC-Unternehmen. Im ersten Quartal 2021 hatte die Frankfurter Börse mit Lakestar erstmals ein SPAC-IPO seit 2010 verzeichnet.

Kapitalerhöhungen: Durchschnittliches Volumen bricht ein

Im Bereich der Kapitalerhöhungen scheint der Höhenflug dagegen vorerst beendet: Das durchschnittliche Volumen der Kapitalerhöhungen fiel von 242 Millionen Euro im ersten Quartal auf 30 Millionen im zweiten. Das Gesamtvolumen erreichte im zweiten Quartal nur 420 Millionen Euro (Q1 2021: 3,9 Milliarden Euro), wobei die Anzahl der Kapitalerhöhungen mit 14 in etwa auf dem Niveau des Vorquartals (16) verharrte. Das Gesamtvolumen für die Kapitalerhöhungen im ersten Halbjahr 2021 lag bei 4,3 Milliarden Euro und damit bereits auf dem Niveau von 2019. Im Vergleich zu den starken Jahren 2017 und 2018 ist das Volumen jedoch noch weit entfernt.

Geprägt waren die Kapitalerhöhungen im zweiten Quartal von fünf Unternehmen, die sich auf diesem Weg frisches Kapital an der Börse besorgten: dem Glasfasernetzbetreiber Tele Columbus, der Deutschen Beteiligungs AG, dem Bau- und Maschinenbaukonzern Bauer, dem Ladesäulenhersteller Compleo Charging Solutions und dem RegTech-Anbieter EQS Group. Das Volumen dieser Transaktionen machte ca. 90 Prozent des Gesamtvolumens der Kapitalerhöhungen im zweiten Quartal aus.

Emissionsniveau bei den Fremdkapitalemissionen rückläufig

Bei den Fremdkapitalemissionen ist das Emissionsvolumen im zweiten Quartal 2021 ebenfalls rückläufig: Im Investment Grade brach das Volumen im Vergleich zum Auftaktquartal gar um rund 67 Prozent ein. Aber auch im High-Yield-Bereich sank das Emissionsvolumen im Vergleich zum ersten Quartal 2021 leicht. Carsten Stäcker zu den Gründen: „Im ersten Quartal konnten signifikante Volumina eingesammelt werden, denn die Investoren wollten die Investitionschancen im Rahmen der wirtschaftlichen Erholung nutzen und von den Wachstumsperspektiven profitieren.“ Ein Trend setzte sich jedoch bei den Fremdkapitalemissionen im 2. Quartal fort: Instrumente mit Bezug zu Umwelt, Soziales und Governance (ESG) bleiben beliebt.

Ausblick: Zehn weitere Börsengänge im Jahresverlauf realistisch

„Die IPO-Pipeline in Deutschland ist weiterhin gut gefüllt. Mit dem Online-Optiker Mister Spex und dem Wind- und Solarparkbetreiber Blue Elephant Energy stehen bereits zwei weitere Kandidaten in den Startlöchern, die ihre Pläne noch im Juli realisieren könnten. Zudem arbeiten mindestens zehn weitere Börsenaspiranten daran, ihr Erst-Listing noch 2021 umzusetzen“, resümiert Carsten Stäcker.

„Sofern die Märkte stabil bleiben und die möglichen Herausforderungen des zweiten Halbjahrs gut meistern, gehe ich davon aus, dass 2021 das stärkste Jahr für den deutschen IPO Markt seit 2000 wird“, prognostiziert Nadja Picard.

(Pressemitteilung PwC vom 29.06.2021)


Redaktion

Weitere Meldungen


Meldung

© kevers/fotolia.com

20.05.2026

Immer weniger Mittelständler suchen eine Bankfiliale auf

Mittelständische Unternehmerinnen und Unternehmer in Deutschland suchen immer seltener eine Bankfiliale auf. Im Jahr 2024 nahmen erstmals weniger als die Hälfte der Unternehmen, nämlich 47 %, mindestens einen Geschäftstermin in einer Bank- oder Sparkassenfiliale wahr. Drei Jahre zuvor waren es 50 %, im Jahr 2017 noch 65 %. Der Rückgang der Filialbesuche geht somit weiter, die Dynamik hat

Immer weniger Mittelständler suchen eine Bankfiliale auf
Meldung

© pichetw/fotolia.com

19.05.2026

Stimmung der Finanzverantwortlichen verdüstert sich weiter

Die Folgen der anhaltenden geopolitischen Konflikte werden für Unternehmen immer spürbarer, wie der aktuelle CFO Survey zeigt. So sind geopolitische Risiken der stärkste Risikofaktor für das eigene Unternehmen – fast zwei Drittel (63 %) der CFOs sehen dies so (+ 11 Prozentpunkte). Finanzvorstände nehmen zudem Rohstoff- und Energiekosten als deutlich bedrohlicher wahr als noch vor

Stimmung der Finanzverantwortlichen verdüstert sich weiter
Meldung

©interstid/fotolia.com

19.05.2026

DAX-Konzerne: Umsatz und Beschäftigung sinken

Die DAX-Konzerne sind mit deutlichen Umsatzeinbußen in das Jahr 2026 gestartet: Der Gesamtumsatz der 40 Unternehmen schrumpfte gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 3,7 %. Der Gesamtgewinn stieg hingegen um 4,4 %, was vor allem auf die starke Entwicklung der Finanzbranche zurückzuführen ist, deren Gewinn sogar um 15,9 % stieg und einen neuen Rekordwert für ein erstes Quartal erreichte. Die

DAX-Konzerne: Umsatz und Beschäftigung sinken
CORPORATE FINANCE Beratermodul

Haben wir Ihr Interesse für CORPORATE FINANCE geweckt?

Sichern Sie sich das Beratermodul CORPORATE FINANCE im 3 Monate Start-Abo (1 Monat gratis)