04.09.2023

Energiekosten werden zur Produktionsbremse

Insgesamt erwarten die deutschen Betriebe von der Energiewende unter dem Strich deutlich mehr Risiken als Chancen für die eigene Wettbewerbsfähigkeit.

Beitrag mit Bild

DIHK-Energiewende-Barometer 2023

Immer mehr Unternehmen sehen die hohen Energiepreise und das unsichere energiepolitische Umfeld als Belastung für die praktische Umsetzung der Energiewende. Teilweise müssen sie ihre Produktion am Standort Deutschland einschränken oder an ausländische Standorte verlagern. Das ist das zentrale Ergebnis des Energiewende-Barometers 2023 der IHK-Organisation, an dem sich 3.572 Unternehmen quer durch alle Branchen und Regionen in Deutschland beteiligt haben.

Deutlich zeigt die Umfrage, dass die Energiewende immer mehr Betriebe in ihrer Wettbewerbsfähigkeit beeinträchtigt. Das Barometer fällt drastisch auf den schlechtesten Wert in der Geschichte seit der ersten Erhebung im Jahr 2012. Das Vertrauen in die Energiepolitik ist in der gesamten Breite der deutschen Wirtschaft auf einem Tiefpunkt angelangt.

Mehr Risiken als Chancen

Insgesamt erwarten die deutschen Betriebe von der Energiewende unter dem Strich deutlich mehr Risiken als Chancen für die eigene Wettbewerbsfähigkeit. Auf einer Skala von minus 100 („sehr negativ“) bis plus 100 („sehr positiv“) ergibt sich ein Barometerwert von rund minus 27 – nach minus 7 in den letzten beiden Jahren.

Die Gründe für die zutiefst besorgte Einschätzung der Betriebe sind auch in den Folgen des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine zu suchen. Die daraus resultierenden hohen Preise und Versorgungsrisiken erschweren die Umsetzung der Energiewende für die Unternehmen und führen zur­ Verunsicherung. Der Politik ist es nur teilweise gelungen, erfolgreich gegenzusteuern, wie die Umfrage zeigt.

Keine Verlässlichkeit in der Energiepolitik

Fehlende Planbarkeit und Verlässlichkeit in der Energiepolitik rücken aus Sicht der Betriebe an die erste Stelle der Transformationshemmnisse. Fast zwei Drittel der Unternehmen fühlen sich hierdurch ausgebremst. Sie sehen sich wie beim Energieeffizienzgesetz mit Vorgaben und Zielen konfrontiert, die in der Praxis kaum umsetzbar sind. Auch Fördermaßnahmen sind zwar im Zweifel gut gemeint, ihre Umsetzung ist aber oft äußerst bürokratisch.

Drei Viertel der Betriebe fahren laut Barometer ihre Investitionstätigkeiten zurück. Das geht nicht nur zu Lasten von Investitionen in den Klimaschutz, sondern auch Forschung und Innovation sowie Ersatzbeschaffung sind betroffen. Das ist das Gegenteil von dem Investitionsaufschwung, der zur Bewältigung der aktuellen Krisen nötig wäre.

Energiewende verstärkt Abwanderung

Die Unternehmen haben vor dem Hintergrund zunehmender Kosten und Regulierungen immer mehr Schwierigkeiten, sich am Standort Deutschland zu halten. Fast ein Drittel der Industriebetriebe (32 %) plant oder realisiert bereits die Verlagerung von Kapazitäten ins Ausland beziehungsweise die Einschränkung ihrer Produktion im Inland. Dies ist fast eine Verdopplung gegenüber dem letzten Jahr. Am stärksten ausgeprägt sind die Abwanderungstendenzen bei den großen Industrieunternehmen (ab 500 Beschäftigten): Dort gilt bereits für fast die Hälfte (43 %) der Betriebe, dass sie Produktionsprozesse verlagern oder dies beabsichtigen.

Bessere Rahmenbedingungen und Steuer- sowie Abgabensenkung

Ein Gegensteuern der Politik ist möglich und äußerst notwendig – nicht nur bei Planbarkeit und Bürokratieabbau. 86 % der Unternehmen stimmen zu, dass die Rahmenbedingungen für Energie-Eigenversorgung und -Direktlieferverträge verbessert werden sollen. Außerdem wäre es dringend erforderlich, Steuern und Abgaben auf den Strompreis zu senken (73 % der Befragten). Dabei sollten energiepolitische Maßnahmen grundsätzlich von den Prinzipien der Wirtschaftlichkeit, Freiwilligkeit und Technologieoffenheit geleitet sein (80 % der Befragten).

(DIHK vom 31.08.2023 / Viola C. Didier, RES JURA Redaktionsbüro)


Weitere Meldungen


Meldung

©Alexander Limbach/fotolia.com

15.01.2026

Unternehmen verdoppeln KI-Investitionen

Weltweit planen Unternehmen, 2026 ihre Investitionen in Künstliche Intelligenz gegenüber dem Vorjahr auf rund 1,7 % des jährlichen Umsatzes zu verdoppeln. 39 % der Unternehmen planen für 2026 KI-Investitionen in Höhe von mindestens 50 Millionen US-Dollar. Deutschland liegt mit 52 % über dem globalen Durchschnitt und belegt damit innerhalb der Europäischen Union (EU-Durchschnitt: 38 %) den Spitzenplatz. Das

Unternehmen verdoppeln KI-Investitionen
Meldung

©garagestock/123rf.com

14.01.2026

Nachhaltigkeit gewinnt bei Kreditverhandlungen mit größeren Mittelständlern an Bedeutung

Die deutschen Banken beachten klimabedingte Risiken aus regulatorischen Gründen immer stärker bei ihrer Kreditvergabe an Unternehmen. Im deutschen Mittelstand bekommen das vor allem größere Unternehmen mit 50 und mehr Beschäftigten zu spüren. So berichteten 37 % der großen Mittelständler, die 2024 in Kreditverhandlungen waren, dass Nachhaltigkeit in den Gesprächen mit Banken und Sparkassen thematisiert wurde. Das

Nachhaltigkeit gewinnt bei Kreditverhandlungen mit größeren Mittelständlern an Bedeutung
Meldung

© alexlmx/fotolia.com

13.01.2026

Restrukturierungen 2026: Unternehmen setzen auf Transformation

Der wirtschaftliche Druck auf Unternehmen in Deutschland bleibt hoch. Inmitten umfassender Transformations- und Restrukturierungsprozesse stehen viele Organisationen vor der Herausforderung, einen Stellenabbau professionell, fair und zugleich wirksam umzusetzen, häufig unter erheblichem Zeit- und Kostendruck sowie mit begrenzten Vergleichswerten. Gleichzeitig wird über Restrukturierungen in der Praxis noch immer selten offen gesprochen. Um hier Transparenz zu schaffen,

Restrukturierungen 2026: Unternehmen setzen auf Transformation
CORPORATE FINANCE Beratermodul

Haben wir Ihr Interesse für CORPORATE FINANCE geweckt?

Sichern Sie sich das Beratermodul CORPORATE FINANCE im 3 Monate Start-Abo (1 Monat gratis)