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15.04.2024

Es kommt wieder Bewegung in den deutschen IPO-Markt

Zwei Börsengänge sorgen für solides erstes IPO-Quartal. Die PwC-Analyse „Emissionsmarkt Deutschland“ prognostiziert eine zweistellige Anzahl der Erstnotizen im Gesamtjahr 2024.

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Nach einem schwachen IPO-Jahr 2023 kommt wieder Bewegung in den deutschen Emissionsmarkt: Im ersten Quartal wagten zwei Emittenten den Sprung an die Börse und spielten dabei 1.389 Millionen Euro ein. Das ist der beste Start in ein IPO-Jahr seit 2021. Das Emissionsvolumen lag Ende März bereits bei über 70 % der Gesamterlöse, die deutsche Börsengänge im Gesamtjahr 2023 einbrachten: Im Vorjahr waren es insgesamt 1.929 Millionen Euro – bei lediglich drei IPOs.

Zu diesen Ergebnissen kommt die Analyse „Emissionsmarkt Deutschland“, für die das Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen PwC Deutschland vierteljährlich die Aktienneuemissionen sowie Kapitalerhöhungen von Unternehmen mit Primary Listing an der Börse Frankfurt erfasst.

Gute Bedingungen, aber kein „Blue-Sky-Szenario“

„Auch wenn es nach wie vor zahlreiche wirtschaftliche und politische Unsicherheiten gibt, haben sich die Bedingungen für Börsengänge im Vergleich zum Vorjahr deutlich verbessert: Der DAX liegt auf Rekordkurs, die Gefahr einer Rezession scheint vorerst abgewendet, die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich stabilisiert und schon in 2024 dürften Zinssenkungen anstehen. Wir sehen zwar kein ‚Blue-Sky-Szenario‘, in dem jeder Börsengang zum Selbstläufer wird, aber ein solides Umfeld, in dem IPOs bei entsprechender Vorbereitung gut möglich sind“, sagt Stephan Wyrobisch, PwC-Experte für Kapitalmarkttransaktionen.

Dieses stabile Umfeld nutzten der Rüstungszulieferer Renk und die Parfümeriekette Douglas im ersten Quartal für sich: Die RENK Group AG setzte ihren lange geplanten Börsengang nun im zweiten Anlauf um. Die Transaktion spülte 500 Millionen Euro in die Kassen des Unternehmens. Der Aktienpreis hat sich seit der Erstnotiz fast verdoppelt.

Die Parfümeriekette Douglas AG spielte mit ihrem Schritt zurück an die Börse rund 889 Millionen Euro ein, die für den Schuldenabbau eingesetzt werden sollen. Die Sekundärmarkt-Performance war allerdings bislang enttäuschend: Die Aktie brach in den ersten zwei Handelstagen um rund 15 % ein, nachdem der Emissionspreis bereits am unteren Ende der Bookbuilding-Spanne gelegen hatte.

Kapitalerhöhungen: Anzahl wächst, Volumen stagniert

Die Entwicklung bei den Kapitalerhöhungen verlief stabil: Zwischen Anfang Januar und Ende März besorgten sich insgesamt sieben Unternehmen auf diesem Weg frisches Kapital an der Börse. Im Vorjahresquartal waren es acht; im Schlussquartal 2023 fünf. Das Volumen lag mit 379 Millionen Euro allerdings auf vergleichsweise niedrigem Niveau (Q1 2023: 1.858 Millionen Euro // Q4 2023: 397 Millionen Euro).

Aufschwung bei den Fremdkapitalemissionen

Auch bei den Fremdkapitalemissionen verlief das Auftaktquartal vielversprechend: Nach einem schwachen Schlussquartal 2023 mit nur 16 Emissionen im Investment-Grade-Segment hat sich die Anzahl der Platzierungen im ersten Quartal 2024 deutlich erhöht – auf 25. Das Gesamtemissionsvolumen hat sich gegenüber dem Vorquartal auf rund 27,3 Milliarden Euro mehr als verdoppelt. Das ist der höchste Stand seit dem ersten Quartal 2021.

Auch im High-Yield-Bereich ist der Aufschwung zu spüren: Nachdem dieses Marktsegment im Schlussquartal 2023 nahezu verstummt war, ist die Anzahl der Platzierungen im ersten Quartal 2024 sprunghaft angestiegen: von zwei im vierten Quartal 2023 auf 11 – der höchste Stand seit dem zweiten Quartal 2021. „Die positive Entwicklung bei den Fremdkapitalemissionen dürfte sich im Jahresverlauf fortsetzen. Das gilt insbesondere, sobald es zu den von Expert:innen erwarteten Zinssenkungen kommt“, so Wyrobisch.

Prognose: Anzahl der IPOs im Gesamtjahr zweistellig

Für den weiteren Verlauf des IPO-Jahres ist Stephan Wyrobisch ebenfalls zuversichtlich: „Die Pipeline an Börsenaspiranten ist gut gefüllt und die Marktbedingungen sind solide. Wir halten deshalb an unserer Prognose fest, dass die Zahl der Börsengänge in Deutschland 2024 zweistellig ausfallen könnte, sofern keine unvorhergesehenen Ereignisse eintreten.“

Er sieht den Schwerpunkt auf dem zweiten Quartal und dem Zeitfenster nach der Sommerpause, bevor die Investoren im Spätherbst wieder zurückhaltender werden dürften: „Mit den Präsidentschaftswahlen in den USA steht im November ein Großereignis an, das weitreichende politische und wirtschaftliche Auswirkungen haben könnte und damit einen großen Unsicherheitsfaktor darstellt“, so das Fazit des PwC-Experten.

(PwC vom 09.04.2024 / RES JURA Redaktionsbüro)


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