• Home
  • /
  • Meldungen
  • /
  • EU-Status Großbritanniens auch bei Brexit-Mehrheit offen

23.06.2016

EU-Status Großbritanniens auch bei Brexit-Mehrheit offen

Beitrag mit Bild

Corporate Finance

Auch eine Brexit-Mehrheit im Referendum würde den Status Großbritanniens in der Europäischen Union nicht klären. Denn auch dann existiert eine reelle Chance von gut 40%, dass diese Entscheidung später korrigiert wird. Dies belegt eine aktuelle Umfrage des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), Mannheim, unter gut 200 Finanzmarktexperten. Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Brexit-Mehrheit im Referendum auch tatsächlich zu einem EU-Austritt führt, geben die Experten im Durchschnitt mit 58,5% an.

Zudem dominiert die Sichtweise, dass die Briten auch bei einer Brexit-Mehrheit den Europäischen Binnenmarkt nicht verlassen werden. Im Durchschnitt wird die Wahrscheinlichkeit für ein Ausscheiden aus dem Binnenmarkt nur auf gut ein Drittel geschätzt. „Auf Großbritannien käme mit einer Brexit-Mehrheit eine jahrelange Phase fundamentaler Unsicherheit über die Zukunft des Landes in Europa zu“, warnt Prof. Dr. Friedrich Heinemann, Leiter des ZEW-Forschungsbereichs Unternehmensbesteuerung und Öffentliche Finanzwirtschaft, angesichts dieser Umfrageergebnisse.

Ein Sieg für die Gegner Europas im britischen Referendum bleibt der ZEW-Umfrage zufolge eine realistische Möglichkeit. Die Befragten beziffern diese Wahrscheinlichkeit mit durchschnittlich 44,1%. Im zeitlichen Verlauf der Antworten bestätigt sich nicht, dass die Ermordung der Labour-Abgeordneten Jo Cox eine starke Trendwende ausgelöst haben könnte: Im Schnitt der Antworten nach dem tödlichen Angriff wurde die Wahrscheinlichkeit eines Brexit-Sieges mit 45,3% sogar geringfügig höher bewertet als vorher (42,7%).

Großbritannien droht Wirtschaftskrise im Brexit-Fall

Während der britische Status in der EU auch mit Brexit-Sieg wohl noch lange ungeklärt bliebe, besteht größere Klarheit über die unmittelbaren konjunkturellen Effekte. Die britische Wirtschaft, die in den vergangenen beiden Jahren die Wirtschaft der Eurozone klar geschlagen hat, würde dann in akute Rezessionsgefahr geraten: Um 44,9% höher veranschlagen die Teilnehmer die Wahrscheinlichkeit einer Rezession im Vereinigten Königreich in den nächsten zwölf Monaten für den Fall einer Brexit-Mehrheit. „Hinter dem Brexit-Konjunkturpessimismus steckt die Erwartung, dass heimische und ausländische Investoren in großem Umfang Investitionspläne für den britischen Standort zurückstellen werden“, so Friedrich Heinemann.

Finanzplatz London der große Verlierer

Deutlich gelassener bewerten die Experten die konjunkturellen Folgen einer Anti-EU-Mehrheit für Deutschland und die Eurozone. Für beide Wirtschaftsräume sehen die Befragungsteilnehmer nur einen geringen Anstieg der Rezessionsgefahr. Bei aller Unsicherheit über die Folgen einer Brexit-Mehrheit steht für diesen Fall mit dem Finanzplatz London ein Verlierer eindeutig fest: 90,3% der befragten Finanzmarktexperten rechnen mit negativen oder sogar sehr negativen Folgen für die City.

Weitere Informationen finden Sie hier.

(Pressemitteilung ZEW vom 21.06.2016)


Redaktion

Weitere Meldungen


Meldung

©ra2 studio/fotolia.com

27.01.2026

Deutsche Innovationsausgaben so hoch wie nie

Die Innovationsausgaben der deutschen Wirtschaft sind im Jahr 2024 auf 213,3 Milliarden Euro gestiegen. Das entspricht einem Plus von 4,9 % im Vergleich zum Vorjahr. Angesichts einer Inflationsrate von 3,1 % bedeutet dies einen leichten realen Zuwachs. Die Innovationsplanung für die kommenden Jahre bleibt auf einem konstanten Niveau, wie der neue Bericht zur Innovationserhebung 2025 des ZEW

Deutsche Innovationsausgaben so hoch wie nie
Meldung

©DenysRudyi/fotolia.com

26.01.2026

Topmanager warnen: Ohne Kurswechsel droht Standortverlust

96 % der europäischen Topmanager und 85 % der Bürger halten daher den Schutz der europäischen Wirtschaftsinteressen für zwingend notwendig. Das ist eines der Ergebnisse des aktuellen „European Competitiveness Barometer“ der Boston Consulting Group (BCG), für das 850 Topmanager und 6.400 Bürger in 30 europäischen Ländern befragt wurden. Vier von fünf der befragten Führungskräfte und Bürger fordern

Topmanager warnen: Ohne Kurswechsel droht Standortverlust
Meldung

© Kara / fotolia.com

26.01.2026

Wirtschaftliche Rahmenbedingungen bremsen Offshore-Ausbau

Der Ausbau der Offshore-Windenergie in der Nordsee kommt langsamer voran als politisch geplant. Das zeigt eine neue Studie der Boston Consulting Group (BCG). Zwar haben sich die neun Anrainerstaaten auf ein gemeinsames Ziel von 120 Gigawatt (GW) Offshore-Windleistung bis 2030 verständigt, doch aktuell sind erst rund 34 GW installiert. Um das Ziel zu erreichen, müsste

Wirtschaftliche Rahmenbedingungen bremsen Offshore-Ausbau
CORPORATE FINANCE Beratermodul

Haben wir Ihr Interesse für CORPORATE FINANCE geweckt?

Sichern Sie sich das Beratermodul CORPORATE FINANCE im 3 Monate Start-Abo (1 Monat gratis)