08.06.2026

Europas M&A-Markt zieht wieder an

Es gibt zwar keinen M&A-Boom, allerdings einen Markt, in dem Kapital sehr gezielt in hochwertige Assets, strategische Technologien und bestehende Plattformen fließt.

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Europas M&A- und Private-Equity-Markt startet mit deutlich größeren und selektiveren Transaktionen ins Jahr 2026 und gewinnt wieder an Dynamik. Nach mehreren Jahren hoher Zinsen, geopolitischer Unsicherheiten und zurückhaltender Finanzierungsmärkte mehren sich die Anzeichen für eine Belebung. Gleichzeitig zeigt sich: Die aktuelle Erholung verläuft deutlich selektiver und komplexer als frühere Marktzyklen.

Zu diesem Ergebnis kommt der neue gemeinsame Report „Executing in an Era of Market Complexities: European M&A and PE Trends and the Technology Imperative“. Drooms, eine führende europäische Plattform für sichere digitale Due Diligence und virtuelle Datenräume, und PitchBook, ein führender Anbieter von Finanzmarktdaten sowie Analysen für die Private-Capital- und M&A-Branche, haben dafür die wichtigsten europäischen M&A- und PE-Märkte der vergangenen zehn Jahre analysiert.

PE-Transaktionen auf Dekaden-Hoch

Demnach erreichte die Zahl europäischer PE-Transaktionen 2025 mit 8.187 Deals nahezu ein Dekaden-Hoch. Auch die M&A-Aktivität blieb mit 18.485 Transaktionen auf hohem Niveau. Im laufenden Jahr zeigt der Markt bereits deutlich größere und selektivere Transaktionen: Die durchschnittliche PE-Dealgröße in Europa liegt 2026 YTD bereits bei 359,7 Millionen Euro – nach 289 Millionen Euro im Gesamtjahr 2025; die durchschnittliche M&A-Dealgröße liegt aktuell sogar bei 546,3 Millionen Euro gegenüber 289 Millionen Euro in 2025. Treiber sind vor allem große Technologie-, Infrastruktur- und KI-nahe Transaktionen.

Gleichzeitig wird klar: Während einzelne Großtransaktionen die Schlagzeilen bestimmen und die durchschnittlichen Dealgrößen steigen, setzen viele Finanzinvestoren zunehmend auf risikoärmere Add-on-Akquisitionen. Der Anteil dieser kleineren strategischen Zukäufe stieg zuletzt auf über 58 Prozent aller europäischen PE-Transaktionen.

„Die Marktstimmung verbessert sich, aber Investoren agieren weiterhin äußerst diszipliniert“, sagt Alexandre Grellier, Co-Gründer und CEO von Drooms. „Wir sehen aktuell keinen flächendeckenden M&A-Boom, sondern einen Markt, in dem Kapital sehr gezielt in hochwertige Assets, strategische Technologien und bestehende Plattformen fließt.“

DACH-Region bleibt Premium-Markt für Investoren

Die deutschsprachige Region entwickelt sich laut Report zunehmend zum Premium-Segment des europäischen Markts. Mit 2.858 M&A-Transaktionen im Jahr 2025 gehörte die Region erneut zu den aktivsten Europas und belegt nun Rang zwei hinter Großbritannien (4.545 M&A-Deals).

Traditionell ist der Mittelstand das Zugpferd der Region. Doch auch bei großvolumigen Deals bleibt DACH im Fokus internationaler Investoren. So zählt etwa die 7-Milliarden-Euro-Übernahme von STADA Arzneimittel durch CapVest Partners zu den größten europäischen PE-Exit-Transaktionen des Jahres.

Gleichzeitig zahlen Investoren hier besonders hohe Preise: Mit medianen M&A-Multiples von bis zu 13,5x EBITDA – vor allem in technologiegetriebenen Branchen, Software, Industrie- und KI-nahen Geschäftsmodellen – verzeichnet DACH die höchsten Bewertungen aller untersuchten europäischen Regionen.

Im Gegensatz zu stärker global verflochtenen Märkten wie Großbritannien oder Irland bleibt die DACH-Region vergleichsweise deutlicher innerhalb europäischer Kapitalstrukturen verankert. Das reduziert regulatorische Komplexität bei grenzüberschreitenden Transaktionen und stärkt die Attraktivität der Region für langfristig orientierte Investoren zusätzlich.

Die hohen Bewertungen zeigen zugleich, wie selektiv der europäische Markt inzwischen geworden ist. Kapital konzentriert sich zunehmend auf Unternehmen mit resilienten Geschäftsmodellen, technologischer Differenzierung und klarer Wertschöpfungsperspektive. Entsprechend steigen auch die Anforderungen an Käufer und Berater: Höhere Bewertungen, komplexere regulatorische Vorgaben und der zunehmende Einsatz künstlicher Intelligenz verändern Due Diligence und Deal Execution grundlegend.

„Unter der Oberfläche der großen Mega-Deals zeigt sich ein Markt, der zunehmend von Konsolidierung, Buy-and-Build-Strategien und operativer Komplexität geprägt ist“, sagt Dorothy Chan, Analystin bei PitchBook und Co-Autorin des Reports. „Viele Investoren verfügen weiterhin über erheblichen Dry Powder, investieren aber deutlich selektiver als noch während der Niedrigzinsphase.“

KI und digitale Souveränität verändern den europäischen Dealmarkt

Ein weiteres zentrales Ergebnis des Reports: Der europäische M&A-Markt wird zunehmend von Themen wie KI-Infrastruktur, Datensouveränität und regulatorischer Kontrolle geprägt. Es wächst der Druck, kritische Daten, Cloud-Infrastrukturen und KI-Anwendungen stärker innerhalb europäischer Rechtsräume und technologischer Ökosysteme zu kontrollieren. Diese Entwicklung beeinflusst nicht nur Investitionsentscheidungen, sondern zunehmend auch operative Prozesse im Dealmaking selbst.

„Digitale Souveränität entwickelt sich von einem regulatorischen Thema zu einem operativen Faktor im Transaktionsgeschäft“, erklärt Grellier. „Gerade bei sensiblen Due Diligence Prozessen und KI-gestützten Workflows achten Finanzinvestoren und Strategen stärker darauf, wo Daten verarbeitet werden, welche Plattformen eingesetzt werden und wie regulatorische Anforderungen eingehalten werden können.“

Laut Report steigen dadurch auch die Anforderungen an digitale Deal-Infrastrukturen. Moderne Datenraum- und Deal-Plattformen müssten heute nicht nur effizient und KI-fähig sein, sondern zugleich höchste Anforderungen an Datensicherheit, Compliance und europäische Datenhoheit erfüllen.

Trotz wachsender Marktaktivität bleibt der europäische Dealmarkt damit von einem Spannungsfeld geprägt: Einerseits sorgen sinkende Zinsen, hoher Investitionsdruck und KI-getriebene Wachstumsfantasien für neue Dynamik. Andererseits bleiben geopolitische Unsicherheiten, Finanzierungskosten und regulatorische Anforderungen zentrale Herausforderungen für Investoren und Unternehmen.

(Drooms vom 08.06.2026 / RES JURA Redaktionsbüro – vcd)


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