• Home
  • /
  • Meldungen
  • /
  • Familienunternehmen fürchten Vertrauensverlust unter Stakeholdern

24.07.2023

Familienunternehmen fürchten Vertrauensverlust unter Stakeholdern

Der Blick in die Zukunft fällt angesichts der Gefahr einer globalen Rezession spürbar pessimistisch aus. Für die kommenden zwei Jahre rechnen nur noch 66 % der Familienunternehmen mit einem Wachstum.

Beitrag mit Bild

© Warakorn/fotolia.com

Familienunternehmen in der DACH-Region fürchten eine Vertrauenskrise – ausgerechnet bei den zwei Stakeholder-Gruppen, von deren Vertrauen sie am stärksten abhängig sind. Besonders hoch ist der „Trust Gap“ bei den Mitarbeitenden: 95 % der Unternehmen im deutschsprachigen Raum sagen, dass sie das Vertrauen dieser Gruppe brauchen, doch lediglich 49 % sind sich dessen sicher. Eine hohe Diskrepanz zeigt sich ebenso bei den Konsument:innen: 96 % der Unternehmen wissen, wie wichtig das Vertrauen dieser Zielgruppe ist, aber nur 54 % glauben, es zu besitzen. Das sind zentrale Ergebnisse des elften Global Family Business Survey unter dem Titel „Transform to build trust“. Für die Studie hat die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC rund 2.000 Familienunternehmen aus 82 Ländern befragt, darunter 172 aus der DACH-Region (aus Deutschland: 115 Teilnehmende).

Vertrauenslücke liegt bei fast 50 %

„Die Vertrauenslücke liegt bei fast 50 % – dieses Ergebnis muss Familienunternehmen aufrütteln, denn gerade sie gelten eigentlich als äußerst vertrauenswürdig im Vergleich zu börsennotierten oder privat geführten Unternehmen. Das belegt jedenfalls das alljährliche Edelman Trust Barometer. Wenn Familienunternehmen Vertrauen wiedergewinnen möchten, müssen sie dringend gesellschaftliche Verantwortung übernehmen, gerade in Zeiten, in denen viele Organisationen an Vertrauen verlieren. Damit stärken sie auch ihre Profitabilität, denn Glaubwürdigkeit ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor“, so Uwe Rittmann, Leiter Familienunternehmen und Mittelstand bei PwC Deutschland.

Top-Ziele: Kundenzufriedenheit und Mitarbeitergewinnung

Offenbar sehen die Unternehmen durchaus den Handlungsbedarf: Sie haben die Kundenzufriedenheit und die Gewinnung sowie Bindung von Talenten zu ihren Top-Zielen erklärt – noch vor der langfristigen Wertgenerierung für Gesellschafter:innen oder der kurzfristigen Gewinnmaximierung. Doch die Unternehmen ziehen nicht die richtigen Schlussfolgerungen, um diese Ziele auch zu erreichen.

Unternehmen vernachlässigen wichtige Zukunftsthemen wie ESG

Gerade bei den wichtigsten Zukunftsthemen haben Familienunternehmen in der DACH-Region großen Nachholbedarf. Insbesondere die Schwerpunkte Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung gewinnen unter den Stakeholdern – vor allem unter den jüngeren Konsument:innen und Mitarbeitenden – an Bedeutung, haben in den Unternehmen aber noch nicht die nötige Priorität. Das Thema ESG (Environmental Social Governance) haben lediglich 6 % der Unternehmen im deutschsprachigen Raum zur Top-Priorität erklärt, während es weltweit immerhin 10 % sind. Dazu passt auch, dass nur 14 % der Befragten im DACH-Raum über eine klare ESG-Strategie verfügen. Dieses Ergebnis ist umso überraschender, als 66 % der DACH-Familienunternehmen davon überzeugt sind, dass sie bei ESG-Themen eine Vorreiterrolle einnehmen können.

Familienunternehmen müssen stärker Stellung beziehen

Um das Vertrauen ihrer Kunden wie Mitarbeitenden zu stärken, sollten sich die Unternehmen stärker auf Zukunftsthemen wie Nachhaltigkeit und gesellschaftliche Verantwortung konzentrieren und ihre Aktivitäten offensiver nach außen kommunizieren. Auch bei wichtigen gesellschaftlichen Themen sind die Unternehmen zu zurückhaltend: Lediglich 15 % beziehen öffentlich Stellung. „Den Grundsatz ,Tue Gutes und rede darüber‘ haben Familienunternehmen noch immer nicht verinnerlicht“, mahnt Rittmann. „Von Unternehmern wird mittlerweile auch erwartet, sich zu gesellschaftlich wichtigen Themen klar zu positionieren. Und zwar offensiv. So leisten sie ihren Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt und wirken dem Verlust von Glaubwürdigkeit entgegen, der momentan auch andere Institutionen wie die Politik betrifft. Das ist aus meiner Sicht der Weg aus der Vertrauenskrise. Hidden war gestern.“

Drei Viertel verzeichnen ein Wachstum für 2022

Aus wirtschaftlicher Sicht blicken die Unternehmen durchaus zufrieden auf das vergangene Geschäftsjahr: 77 % der Familienunternehmen in der DACH-Region können ein Wachstum verzeichnen – davon 39 % sogar im zweistelligen Bereich – und liegen damit über dem globalen Schnitt (71 %). Besonders erfolgreich waren die deutschen Familienunternehmen, von denen 81 % gewachsen sind.

Der Blick in die Zukunft fällt allerdings angesichts der Gefahr einer globalen Rezession spürbar pessimistischer aus. Für die kommenden zwei Jahre rechnen nur noch 66 % mit einem Wachstum und 33 % mit einer Konsolidierung.

(pwc vom 19.07.2023 / Viola C. Didier, RES JURA Redaktionsbüro)


Weitere Meldungen


Meldung

Matthias Töke

12.03.2026

KI, Regulierung, Private Equity: Finanzinstitute am Wendepunkt

Der Finanzsektor steht vor einem tiefgreifenden Umbruch: Künstliche Intelligenz, veränderte regulatorische Rahmenbedingungen und neue Akteure wie Private-Equity-Investoren verschieben etablierte Spielregeln. Im Interview ordnet Matthias Töke von Baker McKenzie ein, warum Finanzinstitute jetzt grundlegende Weichenstellungen vornehmen müssen und welche Entscheidungen über ihre Zukunftsfähigkeit entscheiden werden. CF: Herr Töke, viele sprechen von einem Wendepunkt für Finanzinstitute. Worin

KI, Regulierung, Private Equity: Finanzinstitute am Wendepunkt
Meldung

©vizafoto/fotolia.com

12.03.2026

Höchste Ausfallrate seit Finanzkrise erwartet

Die Ausfallrisiken deutscher Unternehmen steigen spürbar. Wie die aktuelle Default Study 2026 von Creditreform Rating zeigt, erhöhte sich die empirische Ausfallrate im Jahr 2025 auf 1,88 %. Für das Jahr 2026 erwartet die Ratingagentur einen weiteren Anstieg auf 2,08 %. Damit würde die Zwei-Prozent-Marke erstmals seit der globalen Finanzkrise wieder überschritten. Die Entwicklung spiegelt die weiterhin schwache

Höchste Ausfallrate seit Finanzkrise erwartet
Meldung

©Alexander Limbach/fotolia.com

11.03.2026

Fehlende KI-Strukturen bremsen Effizienz

Trotz breiter Nutzung von Künstlicher Intelligenz gelingt es vielen Unternehmen nicht, messbare Vorteile damit zu realisieren. Denn die organisatorische Reife bleibt weit hinter der technologischen Nutzung zurück. Die Folge sind geringe Effizienzgewinne und wachsende kulturelle Spannungen innerhalb der Organisationen. Dies zeigt der aktuelle Global Human Capital Trends Report 2026 von Deloitte. Der Großteil der befragten

Fehlende KI-Strukturen bremsen Effizienz
CORPORATE FINANCE Beratermodul

Haben wir Ihr Interesse für CORPORATE FINANCE geweckt?

Sichern Sie sich das Beratermodul CORPORATE FINANCE im 3 Monate Start-Abo (1 Monat gratis)