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05.12.2023

Familienunternehmen sind offen wie nie für Private Equity-Beteiligungen

Private Equity-Gesellschaften und Familienunternehmen sind in der Theorie ein gutes Gespann – trotzdem finden in der Praxis nur wenige Transaktionen statt.

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© alexlmx/fotolia.com

Private Equity-Gesellschaften und Familienunternehmen sind ein gutes Gespann: Auf beiden Seiten ist das Interesse an einer Beteiligung in der Theorie sehr hoch. Bei den Investoren liegt es bei nahezu 100 %, bei den Familienunternehmen bei 90 %. Die Praxis scheitert jedoch an unterschiedlichen Vorstellungen – über die Art der Beteiligung, den Preis, die realisierbaren Potenziale im Hinblick auf den Gewinn und andere KPIs. Aber es gibt auch nicht-finanzielle Vorbehalte: Unternehmen befürchten zum Beispiel Defizite bei der Sozialkompetenz von Finanzinvestoren – diese wiederum eine zu geringe Veränderungsbereitschaft auf Unternehmensseite.

Können diese Hürden jedoch überwunden werden, wird der Weg frei für sehr erfolgreiche Partnerschaften. Das zeigen die Ergebnisse der Studie „Private Equity-Gesellschaften und Familienunternehmen: Ziemlich beste Freunde?“ der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC Deutschland, für die 200 Familienunternehmen und 55 Private-Equity-Gesellschaften befragt wurden – letztere gemeinsam mit dem Bundesverband Beteiligungskapital (BVK).

Familienunternehmen zunehmend offen für (Teil-)Verkauf

Während für viele Familienunternehmer ein (Teil-) Verkauf lange Zeit ausgeschlossen war, ist er heute zumindest denkbar: Für 90 % der Befragten ist die Beteiligung eines Private-Equity-Investors eine mögliche Option. Vor zehn Jahren lag die Bereitschaft dafür nur bei 61 % – im Jahr 2011 sogar nur bei 18 %.

„Das Image von Private-Equity-Gesellschaften ist deutlich besser geworden und damit sind sie durchaus eine unternehmerische Option. Das liegt teilweise auch an dem Wunsch, nicht mehr alle Eier in einem Korb zu haben“, erklärt Uwe Rittmann, Leiter Familienunternehmen und Mittelstand bei PwC Deutschland, die Situation. „Hinzu kommen Umstände wie ungeklärte Nachfolgeregelungen, der Fachkräftemangel, erschwerte Finanzierungsbedingungen, notwendige Investitionen bei der Digitalisierung sowie der Nachhaltigkeit und natürlich die geopolitische Instabilität und die aktuelle Standortdebatte. Partnerschaften mit Private Equity-Unternehmen bieten hier Chancen, Kapital und Know-how.“

Theoretisch sehen Familienunternehmen das genauso: 92 % erhoffen sich von einem Investor eine solidere Kapitalausstattung, 90 % höhere Erträge und Gewinnsteigerungen und 88 % einen besseren Marktzugang. Zudem sind Familienunternehmen überzeugt, dass eine Private-Equity-Beteiligung ihnen hilft, Fortschritte in der Digitalisierung (83 %) zu erreichen, internationaler (84 %), wettbewerbsfähiger und innovativer (beide 81 %) zu werden.

Private Equity-Gesellschaften setzen auf agile Unternehmen

Auch die Private-Equity-Gesellschaften haben ein hohes Interesse daran, in Familienunternehmen zu investieren und viele tun das bereits: 98 % der befragten Unternehmen sind seit Jahren an Familienunternehmen und Mittelstand beteiligt. „Bei den Beteiligungen an Familienunternehmen schätzen die Investoren ganz besonders das unternehmerische Denken, kurze Entscheidungswege und die Flexibilität“, so Steve Roberts, Private Equity Leader Deutschland & EMEA bei PwC.

Sie setzen dabei überwiegend auf agile Unternehmen mit einem hohen Wertschöpfungspotenzial und skalierbaren Geschäftsmodellen sowie auf Zukunftsbranchen wie Technologie, Business Services oder Gesundheit. Im Mittelstand werden sie dabei häufig fündig. Als „Retter“ in der wirtschaftlichen Not treten sie allerdings selten in Erscheinung: Nur ein Viertel der Befragten ist bereit, in Restrukturierungen von unprofitablen Familienunternehmen zu investieren.

Eine Partnerschaft fußt auf Vertrauen

In der Praxis gibt es allerdings nur wenige Transaktionen zwischen Private- Equity-Gesellschaften und Familienunternehmen. Einer der Hauptgründe: Familienunternehmen wollen die Kontrolle und damit nicht nur die Mitsprache, sondern auch „das letzte Wort“ behalten, weshalb die Mehrheit – 54 % der Befragten – eine Minderheitsbeteiligung vorziehen. Dies steht im Widerspruch zu den Zielen von Private-Equity-Gesellschaften, die nach einer Mehrheitsbeteiligung streben (85 %), um alle wesentlichen Entscheidungen treffen zu können. Die Meinungen divergieren auch bei Gewinn- und Wachstumszielen. Hinzu kommen unterschiedliche Vorstellungen über den Unternehmenswert und die realisierbaren Potenziale.

„Um es etwas salopp zu sagen: Man mag sich – aber das Bett will man lieber doch nicht teilen. Finanzinvestoren müssen weiterhin Aufklärung betreiben über ihre Ziele und Arbeitsweisen transparent kommunizieren. Wenn das Wertegerüst passt, können beide Seiten profitieren und das volle Potential einer Zusammenarbeit ausschöpfen“, so Rittmann. Steve Roberts sieht das ähnlich: „It takes two to tango: Private-Equity-Gesellschaften und Familienunternehmen müssen sich aufeinander einlassen, wenn sie eine profitable Verbindung eingehen wollen. Dazu gehört, die Stärken des jeweils anderen zu nutzen, um eine Win-Win-Situation zu erreichen.“

Grundsätzlicher Unterschied in der Unternehmens-DNA

Aber ein gravierender Unterschied lässt sich nicht wegdiskutieren und wegverhandeln: Private-Equity-Beteiligungen sind immer Partnerschaften auf Zeit. Zwar werden Mittelstandsbeteiligungen meist länger als die üblichen fünf Jahre im Portfolio gehalten. Trotzdem steht irgendwann der Exit an, in Form eines Verkaufs an einen strategischen oder einen weiteren Finanzinvestor. Für Familienunternehmen, zu deren DNA das generationenübergreifende Denken gehört, steht aber auch bei einem Investor die strategische und langfristige Partnerschaft im Mittelpunkt. Mit dem Anlagehorizont von Private-Equity-Investoren passt das nicht immer zusammen.

(pwc vom 05.12.2023 / Viola C. Didier, RES JURA Redaktionsbüro)


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