• Home
  • /
  • Meldungen
  • /
  • Finanzierungsbedarf deutscher Stromnetzbetreiber steigt durch erneuerbare Energien massiv an

08.03.2019

Finanzierungsbedarf deutscher Stromnetzbetreiber steigt durch erneuerbare Energien massiv an

Beitrag mit Bild

© Style-Photography/fotolia.com

Bis zum Jahr 2030 rechnen die vier deutschen Stromnetzbetreiber mit Investitionen in Höhe von 52 Mrd. Euro, um den Herausforderungen der Energiewende gerecht zu werden. Ein Großteil dieser Investitionen wird durch Green Bonds finanziert.

Auf die deutschen Stromnetzbetreiber kommen deutlich höhere Investitionen zu als erwartet, um die Energieinfrastruktur des Landes auf den weiteren Ausbau regenerativer Energien vorzubereiten. Die jüngste Schätzung der vier großen Netzbetreiber für den Ausbau des deutschen Stromnetzes bis 2030 beläuft sich auf 52 Mrd. Euro. Erforderliche Investitionen für die Anbindung von Off-shore Windkraftanlagen und Speicherlösungen sind hierin noch nicht enthalten.

Zum Vergleich: Im Jahr 2017 ging man noch von Investitionen in Höhe von 33 Mrd. Euro aus. Damit ist der erwartete Investitionsbedarf in nur zwei Jahren um mehr als 50% gestiegen. Allein für die 2x2GW Hochspannungstrasse „SüdLink“ im Versorgungsgebiet von TenneT und TransnetBW von Schleswig-Holstein nach Bayern und Baden-Württemberg werden nun 10 Mrd. Euro Kosten veranschlagt.

Der Großteil der Investitionen wird durch die Einbindung zusätzlicher Wind- und Solarstromkapazität erforderlich. „Um die massiven Investitionen in neue Hochspannungsleitungen und andere Infrastrukturen zu finanzieren, sehen sich einige der Übertragungsnetzbetreiber in Deutschland – TenneT Deutschland, 50Hertz, amprion und TransnetBW bzw. deren Muttergesellschaften – einer längeren Phase niedriger oder gar negativer Free Cashflows und der Abhängigkeit von Fremdfinanzierung gegenüber“, sagt Sebastian Zank, Analyst bei Scope Ratings.

Der zusätzliche Finanzierungsbedarf der Netzbetreiber wird zu einem Anstieg der Emission von „grünen“ Wertpapieren führen – sowohl in Form von öffentlichen Anleihen und Hybriden als auch andere Finanzierungsinstrumente wie Schuldscheindarlehen oder US-PPs.

TenneT Holding BV, die niederländische Muttergesellschaft von TenneT Deutschland, hat bereits zahlreiche Green Bond Instrumente über insgesamt 6 Mrd. Euro zur Finanzierung des Netzausbaus emittiert – darunter: Green Bond, Green Schuldschein, Green US-PP und Green Hybrid. EnBW AG, die Muttergesellschaft der TransnetBW, hat einen 500 Mio. Euro Green Bond zur Finanzierung von Solar- und Windparks sowie zum Ausbau der Emobilität begeben.

„Zahlreiche Investoren auf der Suche nach nachhaltigen Anlagen werden diese Entwicklung aufmerksam verfolgen“, sagt Sebastian Zank. „Der Markt für grüne Schuldtitel dürfte damit einen weiteren Bedeutungszuwachs erfahren.“

Zum Hintergrund:

Der regulatorische Rahmen in Deutschland ermöglicht es Netzbetreibern, Investitionen durch höhere Tarife zu kompensieren. Dies ist erfreulich für Fremdkapitalgeber und Investoren. Die deutsche Industrie und Verbraucher jedoch sehen sich dadurch mit einem anhaltenden Anstieg der Strompreise konfrontiert. Deutschland Strompreise zählen bereits heute zu den höchsten in der EU. Ein weiterer Anstieg könnte zu Verlagerung von Industriekapazitäten in Nachbarländer führen.

Im Jahr 2018 machten erneuerbare Energien durchschnittlich 40% des deutschen Strombedarfs aus. Das ist eine durchaus beeindruckende Zahl auf dem Weg zum Ziel von 65% bis 2030. Allerdings hilft ein Durchschnitt in Bezug auf Versorgungssicherheit wenig: Die Schwankungen der Sonneneinstrahlung und Windintensität sind so groß, dass erneuerbare Energien an einigen Tagen nur 15% und an anderen bis zu 70% des deutschen Strombedarfs bedienen konnten – wie die Zahlen für einen typischen Sommer- und Wintermonat (Juli 2018 und Januar 2019) zeigen (siehe Report).

Im Zuge des Ausstiegs aus der Atomkraft und eines möglichen Kohleausstiegs reicht daher die Verdoppelung oder Verdreifachung von erneuerbaren Energien kaum aus, sofern keine großvolumigen Speicherlösungen vorhanden sind. Die Kontrolle darüber, ob fehlende Strommengen durch „sauberen“ Strom aus Wasserkraftwerken in Skandinavien oder aus „dreckigen“ französischen, schweizerischen oder tschechischer Atomkraftwerken bzw. polnischen Kohlekraftwerken ersetzt werden, ist begrenzt.

(Pressemitteilung Scope Ratings vom 05.03.2019)


Redaktion

Weitere Meldungen


Meldung

Corporate Finance

08.10.2026

Future Finance Conference 2026: Finance neu denken

Die Finanzfunktion erlebt aktuell einen tiefgreifenden Wandel. Künstliche Intelligenz, intelligente Automatisierung, datengetriebene Steuerung und neue Formen der Zusammenarbeit verändern nicht nur Prozesse, sondern auch die Rolle von CFOs und Finance-Teams grundlegend. Die Future Finance Conference 2026 greift diese Entwicklungen auf und bietet eine Plattform für alle, die die Zukunft von Finance aktiv mitgestalten wollen.  Am

Future Finance Conference 2026: Finance neu denken
Meldung

© WrightStudio/fotolia.com

08.10.2026

Deutscher Wagniskapitalmarkt erlebt sehr starkes drittes Quartal

Der deutsche Venture-Capital-Markt hat ein sehr erfolgreiches drittes Quartal erlebt. Hiesige Start-ups sammelten mehr als 4,5 Milliarden Euro ein – das war nochmal ein gutes Drittel mehr als im starken Vorquartal und fast viermal mehr als im dritten Quartal 2025. Gemessen am Dealvolumen war es das stärkste Quartal seit dem vierten Quartal 2021. Insgesamt erhielten

Deutscher Wagniskapitalmarkt erlebt sehr starkes drittes Quartal
Meldung

©Sondem/fotolia.com

07.10.2026

Deutsche Auslandsinvestitionen: Seit 2010 mehr als verdoppelt

Deutsche Unternehmen haben den Wert ihrer Direktinvestitionen im Ausland seit 2010 mehr als verdoppelt. Der Bestand an deutschen Direktinvestitionen im Ausland lag im Jahr 2024 (letztverfügbarer Datenstand) bei 1.689 Milliarden Euro. Das zeigt eine vom Auswärtigen Amt geförderte IW-Analyse auf Basis von Daten der Deutschen Bundesbank. Gründe hierfür sind vermehrt niedrige Produktionskosten im Ausland. Das

Deutsche Auslandsinvestitionen: Seit 2010 mehr als verdoppelt
CORPORATE FINANCE Beratermodul

Haben wir Ihr Interesse für CORPORATE FINANCE geweckt?

Sichern Sie sich das Beratermodul CORPORATE FINANCE im 3 Monate Start-Abo (1 Monat gratis)