• Home
  • /
  • Meldungen
  • /
  • Finanzinvestoren kaufen 2017 so viele deutsche Unternehmen wie noch nie

02.01.2018

Finanzinvestoren kaufen 2017 so viele deutsche Unternehmen wie noch nie

Beitrag mit Bild

© alexlmx/fotolia.com

Auf dem deutschen Private-Equity-Markt war 2017 viel Bewegung: Finanzinvestoren führten insgesamt 210 Transaktionen durch – so viele wie noch nie. Vor allem dank einiger Mega-Deals kletterte das Dealvolumen im zweiten Halbjahr im Vergleich zur ersten Jahreshälfte um fast das Dreifache auf 13,8 Milliarden Euro.

Unterm Strich lag der Transaktionswert für das Gesamtjahr bei 19,1 Milliarden Euro und markierte damit den zweithöchsten Wert in Deutschland seit dem Vorkrisenjahr 2007 – damals hatten Finanzinvestoren hierzulande für 30,2 Milliarden Euro zugekauft. Lediglich 2016 lag das Volumen mit 20,8 Milliarden Euro knapp 10 Prozent höher.

Einen Schub gaben im zweiten Halbjahr insbesondere vier Großtransaktionen mit einem Wert von jeweils über einer Milliarde Euro. Alleine diese vier Megadeals kamen auf einen Gesamtwert von 10,1 Milliarden Euro.

Während der Transaktionswert von Verkäufen deutscher Unternehmensbeteiligungen, sogenannte Exits, im ersten Halbjahr noch hinter den vorherigen Halbjahren zurückblieb, stieg er im zweiten Halbjahr wieder deutlich. Mit 12,4 Milliarden Euro lagen die Exitwerte damit auf dem höchsten Niveau seit dem ersten Halbjahr 2013.

Lediglich die Anzahl der Transaktionen blieb leicht unter dem Vorjahresniveau. Nach 47 Exits im ersten Halbjahr kamen im 2. Halbjahr 61 Exits zustande – insgesamt fünf weniger als im Gesamtjahr 2016 als 113 Exits realisiert wurden.

Ein treibender Faktor bleiben die sogenannten Secondary Buyouts, also Verkäufe an andere Finanzinvestoren: Insgesamt kam es 2017 zu 52 derartigen Transaktionen – so viele wie noch nie. Der Wert lag mit 7,5 Milliarden Euro dagegen nur leicht über dem Vorjahresvolumen von 7,1 Milliarden Euro und blieb hinter einigen Werten aus der Vergangenheit zurück.

Das sind Ergebnisse einer Analyse des deutschen Private-Equity-Marktes durch das Prüfungs- und Beratungsunternehmen EY.

„Finanzinvestoren haben sich auch 2017 wieder in Kauflaune gezeigt“, kommentiert Alexander Kron, Leiter des Bereichs Transaction Advisory Services bei EY in Deutschland, Österreich und der Schweiz. „Das niedrige Zinsniveau hat den Private-Equity-Fonds viel verfügbares Kapital in die Kassen gespült. Jetzt sind sie auf der Suche nach Anlagemöglichkeiten. Allerdings ist die Zahl wirklich attraktiver Transaktionsziele begrenzt, weswegen wir teilweise hohe Preise im Markt sehen. Für das kommende Jahr sind einige sehr große Transaktionen in der Pipeline, zudem bleiben die konjunkturellen Aussichten gut – somit könnte 2018 erneut ein Rekordjahr werden.“

Auch Wolfgang Taudte, Partner bei EY, erwartet ein anhaltendes Engagement der Finanzinvestoren: „Sie sind dringend darauf angewiesen, ihr Kapital zu investieren. Da die Anzahl der Ziele im Markt jedoch begrenzt ist, werden Finanzinvestoren immer kreativer und professionalisieren ihre Strukturen zusehends. Das führt zum einen dazu, dass sie ein besseres Sektoren-Know-how aufgebaut haben. Zum anderen beziehen sie innovativere Beteiligungsmöglichkeiten in ihre Überlegungen ein wie Joint Ventures oder Minderheitsbeteiligungen.“

Taudte sieht für den weiteren Jahresverlauf 2018 zwar auch gewisse Risiken für den Investitionsboom: „Je nachdem wie die Brexit-Verhandlungen weiterlaufen oder sich der Nationalismus und Protektionismus in einzelnen Ländern entwickelt, könnten wir eine bremsende Wirkung auf die Investitionstätigkeit sehen. Andererseits liegt gerade in diesen sich ändernden Rahmenbedingungen eine Chance für Investoren: Der Markt muss sich in Teilen neu aufstellen und eröffnet dadurch neue Möglichkeiten. Dieser Effekt wird noch verstärkt durch die digitale Transformation, die ebenfalls viel Bewegung in die M&A-Tätigkeit bringt.“

Kron rät insbesondere europäischen Investoren dazu, mehr IT- und High-tech-Wissen aufzubauen. US-amerikanische und chinesische Investoren seien hier oft weiter: „Letztlich geht es darum, Werte in den Unternehmen zu schaffen, die sie auch für strategische Investoren oder für einen Börsengang spannend machen. Finanzinvestoren müssen daran interessiert sein, neben dem Verkauf an andere Finanzinvestoren weitere Optionen für einen Exit zu haben.“

Stada-Übernahme durch Bain Capital und Cinven größter Deal

Die größte Transaktion im Jahr 2017 war der Kauf des im MDAX notierten Pharmakonzerns Stada durch Bain Capital und Cinven Partners für 5,2 Milliarden Euro. „Der Kauf von großen, börsennotierten Unternehmen in Deutschland durch Finanzinvestoren ist noch sehr ungewöhnlich. Insofern war diese Übernahme auch ein Zeichen für das Selbstvertrauen, das Finanzinvestoren derzeit mitbringen“, so Kron. Cinven war auch am zweitgrößten Deal des Jahres beteiligt – in diesem Fall allerdings als Verkäufer: Der Hersteller von Keramikkomponenten CeramTec ging für 2,6 Milliarden Euro an das Bieterkonsortium BC Partners. Drittgrößter Deal war der Erwerb eines 50-Prozent-Anteils am Windpark Borkum Riffgrund 2 durch Global Infrastructure Partners für knapp 1,2 Milliarden Euro.

Weitere Informationen finden Sie hier.

(Pressemitteilung EY vom 27.12.2017)


Redaktion

Weitere Meldungen


Meldung

© weerapat1003/fotolia.com

13.10.2026

Klimaschutz als Milliardenchance für Unternehmen

Deutschlands Klimatransformation erfordert bis 2045 Investitionen von sechs Billionen Euro. Für Finanzvorstände wird die Finanzierung zum strategischen Thema. Entscheidend sind Kapitalkosten, Investitionsprioritäten und die Mobilisierung privaten Kapitals. Unternehmen müssen Investitionen deutlich steigern Laut einer Prognos-Studie im Auftrag der KfW sind jährlich 290 Milliarden Euro für die Klimaneutralität erforderlich. Knapp die Hälfte davon, rund 140 Milliarden

Klimaschutz als Milliardenchance für Unternehmen
Meldung

© Robert Kneschke /fotolia.com

12.10.2026

Refinanzierungswelle am Immobilienmarkt bricht

Viele Immobilien wurden vor Jahren zu niedrigen Zinsen und deutlich höheren Bewertungen finanziert. Bei einer Anschlussfinanzierung verlangen Banken heute jedoch höhere Zinsen, mehr Eigenkapital und strengere Sicherheiten. Gleichzeitig sind zahlreiche Immobilien im Wert gesunken. Dadurch reicht ein neuer Kredit häufig nicht aus, um die bestehende Finanzierung vollständig abzulösen. Eigentümer müssen zusätzliches Kapital aufbringen, Immobilien verkaufen

Refinanzierungswelle am Immobilienmarkt bricht
Meldung

Corporate Finance

08.10.2026

Future Finance Conference 2026: Finance neu denken

Die Finanzfunktion erlebt aktuell einen tiefgreifenden Wandel. Künstliche Intelligenz, intelligente Automatisierung, datengetriebene Steuerung und neue Formen der Zusammenarbeit verändern nicht nur Prozesse, sondern auch die Rolle von CFOs und Finance-Teams grundlegend. Die Future Finance Conference 2026 greift diese Entwicklungen auf und bietet eine Plattform für alle, die die Zukunft von Finance aktiv mitgestalten wollen.  Am

Future Finance Conference 2026: Finance neu denken
CORPORATE FINANCE Beratermodul

Haben wir Ihr Interesse für CORPORATE FINANCE geweckt?

Sichern Sie sich das Beratermodul CORPORATE FINANCE im 3 Monate Start-Abo (1 Monat gratis)