• Home
  • /
  • Meldungen
  • /
  • Finanzinvestoren kaufen so viele deutsche Unternehmen wie nie zuvor

25.02.2022

Finanzinvestoren kaufen so viele deutsche Unternehmen wie nie zuvor

Finanzinvestoren haben im vergangenen Jahr in Deutschland so viele Transaktionen durchgeführt wie nie zuvor: Die Zahl der Investitionen stieg im Vergleich zum Vorjahr um 34 Prozent von 225 auf 302 und damit auf ein neues Rekordniveau. Allerdings dominierten kleinere und mittelgroße Transaktionen – bei den ganz großen Transaktionen kamen im vergangenen Jahr oft zumeist strategische Investoren zum Zug. Somit sank der Wert der von Finanzinvestoren getätigten Zukäufe von 34,2 auf 26,2 Milliarden Euro.

Beitrag mit Bild

©aksanakoval / 123rf

Die größten Private Equity-Transaktionen des Jahres war die Übernahme des Keramikherstellers CeramTec für 3,8 Milliarden Euro und der Kauf des Schuhherstellers Birkenstock für ebenfalls 3,8 Milliarden Euro.

Insgesamt wurden im vergangenen Jahr in Deutschland 762 Unternehmenskäufe durchgeführt, sechs Prozent mehr als im Jahr 2020. 40 Prozent der Deals gingen auf das Konto von Finanzinvestoren. Im Vorjahr hatte der Marktanteil der Private Equity-Häuser noch bei 32 Prozent gelegen.

Das sind Ergebnisse einer Analyse des deutschen Private-Equity-Marktes durch das Prüfungs- und Beratungsunternehmen EY (Ernst & Young).

Sandra Krusch, EY-Partnerin und Leiterin Private Equity in der Region Europe West: „Von pandemiebedingter Zurückhaltung ist aktuell nichts zu spüren – im Gegenteil: Der Übernahmeappetit ist so groß wie nie zuvor, der Markt brummt. Gleichzeitig ist die Zahl der Übernahmeziele begrenzt, was zu spürbar gestiegenen Preisen führt.“

Die Aktivitäten von Finanzinvestoren in Deutschland nehmen seit Jahren fast kontinuierlich zu. So wurden im Jahr 2015 mit 147 Deals nur etwa halb so viele Transaktionen durchgeführt wie 2021, im Jahr 2010 wurde mit 103 Käufen sogar nur etwa ein Drittel der Transaktionsaktivität gemessen. „Private Equity-Investoren gewinnen in Deutschland weiter an Bedeutung“, sagt Krusch. „Die Gründe sind vielfältig: Zum einen steht gerade den US-Fonds immer mehr Kapital zur Verfügung, das investiert werden muss. Zudem haben diese Fonds ihre Präsenz in Deutschland stetig ausgebaut und obendrein gute Erfahrungen bei ihrem Engagement in Deutschland gemacht.“

Während Private Equity Investoren so häufig zum Zuge kamen wie nie zuvor, ist die Zahl der von strategischen Investoren ausgehenden Übernahmen im vergangenen Jahr zurückgegangen: um sechs Prozent auf 460. Der Wert dieser Deals ist allerdings aufgrund einiger sehr großer Transaktionen – allen voran die Übernahme der Deutsche Wohnen durch Vonovia – um 57 Prozent auf 68,1 Milliarden Euro gestiegen.

Zahl der Exits gestiegen: Investoren erlösen Rekordsumme

Während Private Equity Fonds im vergangenen Jahr 302 Zukäufe tätigten, trennten sie sich im gleichen Zeitraum von 112 Beteiligungen und erlösten dabei die Rekordsumme von 30,3 Milliarden Euro – nie zuvor ist in einem Jahr so viel Geld in die Kassen der Finanzinvestoren gespült worden. Im Vorjahr waren bei 87 Exits insgesamt 16,2 Milliarden Euro erlöst worden. Zumeist haben die Finanzinvestoren ihre Portfoliounternehmen an strategische Investoren verkauft (62 Transaktionen), in 43 Fällen wurde die Beteiligung an einen weiteren Private Equity-Investor weitergereicht, sieben Unternehmen, die zuvor im Besitz eines Private Equity Investors waren, wurden an die Börse gebracht.

„Die Exit-Bilanz des vergangenen Jahres ist sehr gut – viele Investoren konnten beachtliche Wertsteigerungen realisieren. Damit dürfte der Grundstein für ein ebenfalls starkes Transaktionsjahr 2022 gelegt worden sein – vor allem wenn die Pandemie tatsächlich wie erhofft eingedämmt wird“, erwartet Krusch.

IT-Unternehmen am begehrtesten

Besonders häufig gerieten im vergangenen Jahr deutsche IT-Unternehmen ins Visier der Finanzinvestoren: Insgesamt wurden in dieser Branche 81 Übernahmen durch Private Equity-Investoren gezählt. Dabei wurden allerdings nur 3,7 Milliarden Euro gezahlt, die Mehrheit der Deals in diesem Sektor war also eher klein. „Die Pandemie hat das Interesse an Technologieunternehmen nochmal deutlich verstärkt“, erläutert Krusch. „Viele dieser Zielunternehmen sind aber noch relativ klein, so dass die investierten Summen überschaubar sind.“

Die höchsten Summen wurden hingegen für Unternehmen aus der Konsumgüterbranche gezahlt – insgesamt lag das Investitionsvolumen in diesem Bereich bei 9,8 Milliarden Euro, wozu vor allem die Birkenstock-Transaktion sowie die Übernahme des Onlinehändlers Zooplus durch zwei Finanzinvestoren für 3,3 Milliarden Euro beitrugen.

Eine immer größere Rolle spielen nach Einschätzung von Krusch ESG-Themen bei Unternehmenstransaktionen: „ESG ist zum Megatrend geworden – die Erfüllung ethischer, ökologischer und sozialer Standards spielt zunehmend bei der Preisfindung eine Rolle – und bei Problemen können Deals auch scheitern.“ Vor allem große Fonds verfügen laut Krusch inzwischen zunehmend über strikte Vorgaben und schauen gerade beim CO2-Footprint potenzieller Zielunternehmen sehr genau hin. „Die Investoren verfügen mit ihren gigantischen Finanzmitteln über einen wichtigen Hebel, um tatsächliche Veränderungen voranzutreiben.“


Weitere Meldungen


Meldung

Corporate Finance

08.10.2026

Future Finance Conference 2026: Finance neu denken

Die Finanzfunktion erlebt aktuell einen tiefgreifenden Wandel. Künstliche Intelligenz, intelligente Automatisierung, datengetriebene Steuerung und neue Formen der Zusammenarbeit verändern nicht nur Prozesse, sondern auch die Rolle von CFOs und Finance-Teams grundlegend. Die Future Finance Conference 2026 greift diese Entwicklungen auf und bietet eine Plattform für alle, die die Zukunft von Finance aktiv mitgestalten wollen.  Am

Future Finance Conference 2026: Finance neu denken
Meldung

© WrightStudio/fotolia.com

08.10.2026

Deutscher Wagniskapitalmarkt erlebt sehr starkes drittes Quartal

Der deutsche Venture-Capital-Markt hat ein sehr erfolgreiches drittes Quartal erlebt. Hiesige Start-ups sammelten mehr als 4,5 Milliarden Euro ein – das war nochmal ein gutes Drittel mehr als im starken Vorquartal und fast viermal mehr als im dritten Quartal 2025. Gemessen am Dealvolumen war es das stärkste Quartal seit dem vierten Quartal 2021. Insgesamt erhielten

Deutscher Wagniskapitalmarkt erlebt sehr starkes drittes Quartal
Meldung

©Sondem/fotolia.com

07.10.2026

Deutsche Auslandsinvestitionen: Seit 2010 mehr als verdoppelt

Deutsche Unternehmen haben den Wert ihrer Direktinvestitionen im Ausland seit 2010 mehr als verdoppelt. Der Bestand an deutschen Direktinvestitionen im Ausland lag im Jahr 2024 (letztverfügbarer Datenstand) bei 1.689 Milliarden Euro. Das zeigt eine vom Auswärtigen Amt geförderte IW-Analyse auf Basis von Daten der Deutschen Bundesbank. Gründe hierfür sind vermehrt niedrige Produktionskosten im Ausland. Das

Deutsche Auslandsinvestitionen: Seit 2010 mehr als verdoppelt
CORPORATE FINANCE Beratermodul

Haben wir Ihr Interesse für CORPORATE FINANCE geweckt?

Sichern Sie sich das Beratermodul CORPORATE FINANCE im 3 Monate Start-Abo (1 Monat gratis)