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20.09.2018

Finanzkraft deutscher Energieversorger steigt nach Restrukturierungsfortschritten

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© vizafoto/fotolia.com

Deutsche Energieversorgungsunternehmen (EVUs) durchlaufen seit Jahren einen schwierigen Transformationsprozess. Und der zahlt sich aus. Denn entgegen des Bauchgefühls vieler Branchenbeobachter stabilisiert sich im Querschnitt die Lage der EVUs inzwischen.

Das ist ein Kernergebnis der Studie „Krise abgesagt? Finanzierungsverhältnisse kommunaler Versorger und Konzerne“ der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC). Die Untersuchung erscheint jährlich seit dem Jahr 2014. Für die nun vorliegende fünfte Analyse nahm PwC 300 kommunale EVUs sowie 75 kommunale (Mutter-) Gesellschaften unter die Lupe. Die 2017-er Jahresabschlüsse der Unternehmen sind berücksichtigt, sofern sie schon vorliegen. Der Branchenquerschnitt eignet sich als objektive Benchmark für die Bewertung der Finanzierungsfähigkeit von EVUs.

Maßnahmen wirken

Eine der wichtigsten Kennzahlen bei der Bewertung der Ertragslage ist das Ergebnis vor Zinsen, Steuern, und Abschreibungen (EBITDA). 2016 lag die EBITDA-Marge im Querschnitt bei 14,7 Prozent. Für 2017 zeichnet sich ein EBITDA-Median von 14,8 Prozent ab. Beide Werte sind etwas niedriger als 2015 (15,0 Prozent), doch höher als 2011 bis 2014 (14,1 bis 13,6 Prozent).

„Seit Jahren leiden die EVUs unter den Folgen der Energiewende. Die deshalb eingeleiteten Restrukturierungen wirken jetzt positiv. Die vorausgesagte Finanzkrise der EVUs ist aus den vorliegenden Zahlen nicht ableitbar, “sagt Norbert Schwieters, Leiter Energiewirtschaft bei PwC.

Deutlich abzugrenzen von den EVUs seien hingegen die Finanzverhältnisse vieler kommunaler Konzerne, in denen die Versorgung, aber auch weitere kommunale Aufgaben gebündelt sind. Die stabilere Ergebnissituation der EVUs wirke sich aber auch hier positiv auf die kommunalen Muttergesellschaften aus, die damit andere Aktivitäten wie den Öffentlichen Personennahverkehr subventionieren.

Wieder mehr Eigenkapital verfügbar

Auch die Eigenkapitalquote vieler Unternehmen entwickelt sich wieder positiv. Das ist wichtig, weil sie ein wesentliches Prüfkriterium für Banken und andere Fremdkapitalgeber ist. Lag die Eigenkapitalquote zwischen 2011 bis 2015 im Querschnitt zwischen 33,9 und 34,4 Prozent (bei einem Tiefpunkt von 33,2 Prozent im Jahr 2013), stieg sie 2016 auf 35,4 Prozent. 2017 könnte sie weiter steigen: auf 35,6 Prozent. „Dieser Aufwärtstrend ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass die Unternehmen inzwischen einen Teil ihrer Überschüsse zurückbehalten oder von ihren Gesellschaftern zusätzlich mit Eigenkapital ausgestattet werden, statt wie früher mit 100-Prozent-Finanzierungen zu arbeiten“, sagt PwC-Partner Bernd Papenstein, Leiter Infrastructure Advisory.  Sie wirken damit den negativen Bilanzeffekten entgegen, die aus allein fremdfinanziertem Wachstum resultieren.

Ein Treiber der Eigenkapitalquote ist die tendenziell etwas sinkende, aber weiterhin branchenüblich hohe Ausschüttungsquote. Je höher diese Quote ist, desto weniger Spielraum hat ein EVU, die selbst erwirtschaftete Liquidität im eigenen Unternehmen zu reinvestieren. 2016 lag sie im Querschnitt bei 88,7 Prozent. Das war der niedrigste Wert seit 2011. Für 2017 signalisieren die bislang vorliegenden Datensätze wieder einen leichten Anstieg.

Beim Verschuldungsgrad oft besser als die Muttergesellschaft

Ebenfalls weiter stabilisiert hat sich der dynamische Verschuldungsgrad. Diese Kennzahl entspricht dem Verhältnis der Nettofinanzverschuldung zum EBITDA und dient Fremdkapitalgebern, um die Schuldentragfähigkeit von Kreditnehmern zu beurteilen. Nach einem deutlichen Anstieg des Verschuldungsgrads zwischen 2009 und 2012 von 1,8 auf 2,3 stagniert die Entwicklung seit 2013 erfreulicherweise. 2016 lag sie im Median bei 2,3; 2017 könnte der Verschuldungsgrad auf 2,2 fallen. „In vielen Fällen stellen wir fest, dass die Versorger, isoliert betrachtet, finanziell besser aufgestellt sind als der kommunale Konzern. Schlechtere Ergebnisse in versorgungsfremden Sparten und der notwendige Kapitalbedarf zur Umsetzung kommunaler Projekte, beispielsweise im Rahmen der Verkehrswende, haben weitreichende Folgen für die Finanzlage. Hier sind maßgeschneiderte, langfristig tragfähige Finanzierungslösungen gefragt“, so Papenstein weiter.

Zufriedenstellende Grundbonität und Liquiditätspotenziale

Auch Liquiditätskennzahlen werden immer wichtiger für EVUs. Sie vergleichen Finanzschulden mit erwirtschafteten Cashflows und drücken aus, über welchen Zeitraum die Verschuldung zurückgezahlt werden kann. Ein Beispiel: 2016 deckte der einfache Cashflow der untersuchten EVUs im Schnitt rund 28,3 Prozent ihrer Bruttofinanzschulden und lag damit höher als im Jahr zuvor. Hierzu haben steigende Cashflows (plus 4,1 Prozent) aufgrund steigender Betriebsergebnisse und sinkender Finanzierungskosten sowie sinkende Bruttofinanzschulden (minus 2,5 Prozent) beigetragen. Für 2017 ist auf Basis tendenziell konstanter Cashflows und leicht sinkender Bruttofinanzschulden mit einer weiteren Stabilisierung bei 28,4 Prozent zu rechnen.

Norbert Schwieters resümiert: „Gemessen an den Richtwerten für eine mindestens zufriedenstellende Kreditbonität sind die EVUs gut unterwegs.“ Im Schnitt verfügten die EVUs in Deutschland über ausreichende Grundbonität und Cashflows, um die aktuellen Verschuldungsniveaus zu tragen.

(Pressemitteilung PwC vom 18.09.2018)


Redaktion

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