• Home
  • /
  • Meldungen
  • /
  • Finanzvorstände für den Winter eher pessimistisch

10.10.2023

Finanzvorstände für den Winter eher pessimistisch

Nach kurzer Erholung zu Jahresbeginn ist die wirtschaftliche Stimmung wieder gekippt: Deutsche Finanzvorstände sind deutlich pessimistischer als im Frühjahr.

Beitrag mit Bild

© bluedesign/fotolia.com

Der Optimismus des Frühlings, den deutsche Finanzvorstände noch im letzten Deloitte CFO Survey bekundet hatten, ist herbstlicher Ernüchterung gewichen. Das wirtschaftliche Umfeld aus gestiegenen Zinsen, hohen Energiekosten, anhaltender Inflation und fehlenden Facharbeitern belastet deutsche Unternehmen, hinzu kommen geopolitische Unsicherheiten, die den Export erschweren – kurz: die Firmen leiden unter den langfristigen Auswirkungen der Krisen. Je größer und internationaler ausgerichtet die Unternehmen, umso schlechter die kurzfristigen Aussichten. Entsprechend uneuphorisch ist derzeit die wirtschaftliche Stimmung unter den im September befragten 193 Finanzvorstände deutscher Großunternehmen.

„Nachdem sich die Geschäftsaussichten im Frühjahr noch deutlich in den positiven Bereich verbessert hatten, kehrt sich der Trend aktuell wieder um“, sagt Dr. Alexander Börsch, Chefökonom und Leiter Research bei Deloitte. „Die Geschäftsaussichten sind im Vergleich zum Frühjahr deutlich gefallen, die seit Beginn des Jahres stark gestiegenen Zinsen bremsen Konsum- und Investitionslaune. Zudem lässt die Unsicherheit in den Kernmärkten USA und China den Export vor allem im verarbeitenden Gewerbe schwächeln.“

Geschäftsaussichten wieder im Abwärtstrend

Unter allen Teilnehmern der Erhebung schätzt mittlerweile fast die Hälfte ihre Geschäftsaussichten gegenüber der letzten Befragung wieder schlechter ein. Der Index aus der  prozentualen Differenz der positiven und negativen Einschätzungen, fiel von 14 % im Plus auf aktuell minus 30 %. Dies betrifft besonders Großunternehmen mit mehr als €1 Mrd. Umsatz – hier fällt der Index mit minus 44 % besonders niedrig aus, während sich der Mittelstand sich besser behauptet (-23%). Vor allem in der Baubranche (-62%), beim Maschinenbau (-50%) und in der Automobilindustrie (-40%) ist die negative Trendwende unübersehbar.

Unverändert hingegen die Risikolandschaft, in der Fachkräftemangel und steigende Lohnkosten für knapp drei von fünf Unternehmen Top-Risiken darstellen. Entsprechend erwarten die befragten Finanzvorstände im Durchschnitt Preissteigerungen von 4,9 % in den kommenden zwölf Monaten. Immerhin 58 % der Befragten sehen auch in der schwachen Inlandsnachfrage ein weiteres hohes Risiko; vor allem Konsumgüterindustrie (79%) und Handel (78%) sind hier stark betroffen.

Planung auf Sicht und je nach Branche

Die Unsicherheit ist auch bei den Kennzahlen der Unternehmen sichtbar: Einerseits sehen die Finanzvorstände leicht steigende Umsätze, zugleich prognostizieren sie zurückgehende operative Margen und erwarten einen Rückgang bei Investitionen (-7%) und Beschäftigung (-5%). Am stärksten ist dies in der Automobilindustrie ausgeprägt, wo mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen in den kommenden zwölf Monaten weniger investieren will.

In die andere Richtung geht die Konsumgüterindustrie, wo 60 % der befragten Unternehmen mehr Investitionen planen. Auch bei den Beschäftigungsplänen unterscheiden sich die Branchen: Während die Hälfte der befragten Unternehmen aus der chemischen Industrie im kommenden Jahr weniger Einstellungen plant, erwarten Finanzvorstände im Dienstleistungssektor eher eine personelle Zunahme, besonders bei Banken und Technologiefirmen.

Unsicherheit trübt die Aussichten

„Die branchenspezifischen Lichtblicke können kaum darüber hinwegtäuschen, dass die zu erwartende wirtschaftliche Entwicklung derzeit von negativen Geschäftsaussichten dominiert wird. Zwar sind einige Branchen bisher vom Abschwung weniger stark betroffen, doch gerade die für die deutsche Wirtschaft wichtigsten Sektoren, Automobilindustrie und Maschinenbau, sind aktuell stark unter Druck“, so Börsch. „Vor dem Hintergrund der andauernden Risiken und schwacher internationaler Nachfrage stehen der Wirtschaft ein unsicherer Herbst und Winter bevor. Rückenwind für die Wirtschaft könnte Ende des Jahres aufkommen, wenn steigende Löhne und sinkende Inflation die Konsumlaune beleben könnten.“

(Deloitte vom 06.10.2023 / Viola C. Didier, RES JURA Redaktionsbüro)


Weitere Meldungen


Meldung

©Sunnystudio/fotolia.com

17.06.2026

Start-ups in Europa: Großes Potenzial bleibt ungenutzt

In Frankreich, Deutschland und Großbritannien bleibt erhebliches Wachstumspotenzial ungenutzt. Ein ZEW Policy Brief untersucht auf Basis von mehr als neun Millionen Unternehmensgründungen in Europa, wo Start-ups entstehen und in welchen Regionen die Anzahl der vorhergesagten Werte von Start-up übertroffen werden. Es zeigt sich, dass sich die unternehmerische Dynamik in Europa auf Metropolen wie Paris, London

Start-ups in Europa: Großes Potenzial bleibt ungenutzt
Meldung

©EtiAmmos/fotolia.com

16.06.2026

Global Risk Landscape 2026: Nie war Risiko so allgegenwärtig

Die globale Risikolandschaft hat sich grundlegend verändert. Was einst isolierte Risiken waren, sind heute eng miteinander verflochtene, sich rasch entwickelnde Bedrohungen, die durch geopolitische Instabilität, technologischen Wandel und wirtschaftliche Schwankungen noch verstärkt werden. Für Führungskräfte in der Wirtschaft sind Wandel und Umbrüche nicht mehr die Ausnahme – sie sind zur Normalität geworden. Umdenken in den

Global Risk Landscape 2026: Nie war Risiko so allgegenwärtig
Meldung

© stanciuc/fotolia.com

15.06.2026

Private-Equity-Markt weiter unter Druck

Die Investitionsaktivität von Private-Equity-(PE)-Investoren in Deutschland und Europa ist im ersten Quartal 2026 deutlich zurückgegangen. So sank die Zahl der PE-Transaktionen in Deutschland im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 19 %. Damit erreichte der deutsche Markt den niedrigsten Stand seit dem zweiten Quartal 2021. Auch europaweit war ein ähnlicher Trend zu beobachten: Insgesamt fanden im ersten Quartal

Private-Equity-Markt weiter unter Druck
CORPORATE FINANCE Beratermodul

Haben wir Ihr Interesse für CORPORATE FINANCE geweckt?

Sichern Sie sich das Beratermodul CORPORATE FINANCE im 3 Monate Start-Abo (1 Monat gratis)