04.12.2020

FinTech-Wachstum lässt etwas nach

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Der deutsche Fintech-Sektor knackt mit 946 Startups erstmals die 900er-Marke. Trotz des neuen Rekordwertes erhält das Wachstum einen leichten Dämpfer. Mit 105 Gründungen in 2019 liegt die Anzahl 17% unter dem Vergleichswert aus dem Vorjahr (2018: 141). Zu diesen Ergebnissen kommt die comdirect Fintech-Studie, die gemeinsam mit Barkow Consulting und dem main incubator, dem Frühphaseninvestor der Commerzbank Gruppe, erhoben wurde.

„Über ein Jahrzehnt nach Aufkommen der ersten deutschen Fintechs werden aktuell immer noch mehr als zwei neue Fintech-Startups pro Woche gegründet. Der Innovationsdruck auf den Finanzsektor bleibt damit trotz des leicht rückläufigen Wachstums hoch“, sagt Matthias Hach, Bereichsvorstand comdirect, Marketing & Digital Banking Solutions bei der Commerzbank AG.

Im laufenden Jahr gab es bislang 48 Fintech-Neugründungen. Das sind fünf weniger als zum selben Zeitpunkt des Vorjahres. Dies lässt vermuten, dass die Gründungsdynamik weiter rückläufig sein könnte. Hierbei ist allerdings zu berücksichtigen, dass es bei Gründungen innovativer Unternehmen üblich ist, zunächst eine Zeit im sogenannten Tarnkappenmodus zu verbleiben. „Der Gang an die Öffentlichkeit wird zum Schutz vor Nachahmern oft erst kurz vor der Produktreife gesucht. Da diese Tarnkappenphase durchaus zwölf Monate oder sogar länger dauern kann, wird man erst im Laufe des Jahres 2021 abschließende Aussagen zur Gründungsdynamik des Jahres 2020 und dem Einfluss von COVID-19 hierauf treffen können“, so Michael F. Spitz, Geschäftsführer des main incubators.

Top-Kategorien: Investment-Startups wachsen seit Ende 2018 am stärksten

Investment-Startups wiesen 2019 das stärkste Wachstum aller Top-Fintech-Kategorien auf. Die Anzahl (112 Startups) steigerte sich gegenüber dem Vorjahr um 29%. „In Zeiten niedriger Zinsen stellen wir einen immer stärker werdenden Trend zu einfachen und mobilen Anlagemöglichkeiten fest. Dies schlägt sich auch in der aktuellen Gründungsdynamik des deutschen Fintech-Sektors nieder“, sagt Matthias Hach.

Dieser Trend setzt sich in 2020 fort. Investment-Startups trugen bislang mit zehn Neugründungen wieder am stärksten zum Wachstum bei. Der stärkste Wachstums-Rückgang macht sich hingegen bei Blockchain-Startups bemerkbar, die insgesamt nur noch um eines zulegen konnten. „Die Blockchain-Technologie ist reifer geworden, wir sehen eine starke Adaption am Markt. Mit zeitlicher Verzögerung zeigt sich damit eine merkliche Abkühlung des ICO-Fiebers“, ergänzt Michael F. Spitz, Geschäftsführer des main incubators.

Insgesamt stellen die Sektoren Proptech (203) und Finance (189) weiterhin die mit Abstand wichtigsten Kategorien dar.

Fintech-Investments 2020 erstmals rückläufig

Erstmals seit Beginn der Fintech-VC-Erhebungen im Jahr 2012 erreichte die Summe der Investments keinen neuen Höchstwert. Bis Ende September 2020 wurden 953 Mio. Euro investiert. Das sind 29% weniger als im Vergleichszeitraum des vergangenen Jahres (1,3 Mrd. Euro). „Obwohl 2020 das zweitbeste Fintech-Investmentjahr aller Zeiten in Deutschland sein wird, macht sich die geringere Anzahl von Megarunden mit über 100 Mio. Euro Volumen im laufenden Jahr deutlich negativ bemerkbar“, sagt Matthias Hach.

Auch die Anzahl der Fundingrunden liegt mit 103 leicht unter dem Niveau des Vergleichszeitraumes im Vorjahr (105). Auffällig ist, dass die ersten beiden Quartale des laufenden Jahres um sechs Transaktionen über dem Vergleichswert aus 2019 lagen, während es im dritten Quartal acht Transaktionen weniger waren.

Finanzaggregations-Kategorie bei Venture Capital deutlich vorne

In Startups, die Produkte zur Bündelung von Finanzinformationen anbieten, wird weiterhin fleißig investiert. Mit 20% des seit Anfang 2019 investierten Risikokapitals liegt die Finanzaggregations-Kategorie erneut ganz vorne, obwohl es sich dabei nach Zahl der Startups um die drittkleinste Fintech-Kategorie handelt. Einige wenige, aber dafür sehr großvolumige Fundingrunden haben hier erneut zum Spitzenrang beigetragen. Es folgen die Kategorien Insurtech (19%) und Finance (16%).

Fintech bleibt insgesamt trotz des aktuell leicht abgeschwächten Trends einer der treibenden Sektoren des deutschen Venture Capital-Marktes: Fintech machte im ersten Halbjahr 2020 mit immerhin 25% ein Viertel der Gesamtinvestments in deutsche Startups aus.

Seit 2012 wurde in 897 Finanzierungsrunden bereits 6,1 Mrd. Euro Venture Capital in den deutschen Fintech-Sektor investiert. Hierzu kommen noch Investitionen durch Übernahmen und Fremdkapital, welche in diese Analyse nicht eingeflossen sind.

(Pressemitteilung Comdirect vom 23.11.2020)

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