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07.04.2020

Folgt auf die Krise ein M&A-Boom? Unternehmen setzen auf günstige Kaufgelegenheiten

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© gunmanza/fotolia.com

Die wirtschaftlichen Folgen der weltweiten Ausbreitung des Coronavirus treffen die Großunternehmen weltweit und in Deutschland schwer. Laut einer aktuellen Befragung der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY (Ernst & Young) erwarten 73 Prozent der Unternehmen weltweit und 56 Prozent der Unternehmen in Deutschland massive Auswirkungen auf die weltweite Wirtschaft. Der Rest der Unternehmen erwartet immerhin kleinere Effekte. Dass Covid-19 die Wirtschaft nicht berührt, glaubt inzwischen keines der Unternehmen mehr. 

Auch die heimische Wirtschaft wird nach Einschätzung der deutschen befragten Unternehmen unter schwerwiegenden Folgen leiden. 40 Prozent erwarten massive, 59 Prozent geringere Auswirkungen auf den Standort Deutschland.

Insbesondere die hiesigen Unternehmen fürchten um ihre Profitabilität: 64 Prozent erwarten eine starke Belastung ihrer Margen und ihrer Profitabilität. Weltweit liegt der Anteil nur bei 39 Prozent.

Obwohl die Profitabilität in Gefahr ist, erkennen die deutschen Unternehmen derzeit aber auch Chancen für günstige Zukäufe: 26 Prozent sehen die Gelegenheit, ihren Marktanteil durch Fusionen und Übernahmen auszubauen, 40 Prozent hoffen jetzt auf sinkende Bewertungen möglicher Übernahmekandidaten. Weltweit beträgt der Anteil 23 beziehungsweise 39 Prozent.

Das sind Ergebnisse des aktuellen „Capital Confidence Barometer“. Basis der Studie ist eine Umfrage unter mehr als 2.900 Managern in Großunternehmen weltweit, davon 145 in Deutschland.

Constantin M. Gall, Partner und Leiter des Bereichs Transaction Advisory Services bei EY in Deutschland, Österreich und der Schweiz: „Die Unternehmen weltweit beobachten den M&A-Markt nun mit besonders wachem Blick. In der akuten Phase der Corona-Krise werden sich interessierte Käufer zwar zunächst zurückhalten. Wir rechnen aber damit, dass es anschließend angesichts sinkender Bewertungen von Übernahmekandidaten zu einem deutlichen Anstieg der M&A-Aktivitäten kommen wird. Das ist ein Lerneffekt aus der Finanzkrise, nach der sich viele aus Vorsicht zunächst nicht an Fusionen und Übernahmen herangetraut hatten. Dabei hätten damals schon hochwertige und verhältnismäßig günstige Übernahmekandidaten den Unternehmen einen Wettbewerbsvorteil bringen können. Insbesondere jetzt zeigt sich auch, welcher Konzern sich schon frühzeitig als Portfolio-Unternehmen aufgestellt hat und damit besser durch die Krise kommt. Im Vergleich zu Wettbewerbern, die eng miteinander verwoben sind, ist dieser nämlich offener für Kooperationen, Joint Ventures und den Verkauf von Unternehmen bzw. die Abspaltung von Unternehmensteilen.“

Unternehmen beschleunigen eigene Transformation: Automatisierung, Lieferketten und Digitalisierung

In diesen Wochen kommt zunächst alles auf den Prüfstand: So arbeiten 47 Prozent der Unternehmen in Deutschland bereits daran, die Automatisierung in ihrem Betrieb zu beschleunigen. 38 Prozent nehmen Anpassungen an der Belegschaft vor. In vielen Fällen dürfte es sich um Stellenstreichungen oder einen Einstellungsstopp handeln. 36 Prozent optimieren ihre weltweiten Lieferketten und 34 Prozent verstärken die digitale Transformation.

Auch wenn es in vielen Unternehmen zu schmerzhaften Einschnitten beim Personal kommen wird, will immerhin ein knappes Drittel der Unternehmen ihre Belegschaften unberührt lassen. Mehr als 90 Prozent der Betriebe fassen dagegen Änderungen an den Lieferketten, eine verstärkte Automatisierung und eine beschleunigte digitale Transformation ins Auge oder arbeiten schon konkret daran.

„Etliche Unternehmen haben schon vor der Corona-Krise einen harten Sparkurs gefahren – der wird jetzt noch deutlich an Intensität gewinnen“, erwartet Gall. „Ein weiteres Ergebnis der aktuellen Krise wird die Erkenntnis sein, dass die digitale Transformation noch viel zügiger umgesetzt werden muss. Ohne ein funktionierendes digitales Geschäftsmodell wird es zukünftig nicht mehr gehen. Schonungslos wurden in den vergangenen Wochen auch die Schwachstellen in den Lieferketten aufgedeckt. Auch hier werden viele Unternehmen schnell nachbessern.“

Die Auswirkungen auf die Beschäftigung werden sich aller Voraussicht nach zumindest bei den deutschen Konzernen in Grenzen halten, meint Gall. Denn: „Beim Personal haben die Unternehmen ebenfalls aus der Finanzkrise gelernt: Die Unternehmen, die damals an ihren Mitarbeitern festgehalten haben, konnten vom anschließenden Aufschwung profitieren und sind verhältnismäßig gut aus der Krise gekommen. Die umsichtige Nutzung des Kurzarbeitergeldes half damals bei der Planung der Unternehmen und könnte auch jetzt vielen von ihnen helfen.“

Autoindustrie und Maschinenbau am stärksten betroffen

Allerdings sind die Branchen nach Einschätzung der Unternehmen derzeit unterschiedlich betroffen. 27 Prozent der Befragten weltweit erwarten, dass die Autoindustrie besonders schwer betroffen sein wird. 23 Prozent erwarten starke Auswirkungen auf den Maschinenbau. Auch der Handel wird aus Sicht von 15 Prozent der Befragten im Zentrum der Corona-Krise stehen.

Gall fasst zusammen: „Die Menschen verlassen kaum das Haus und konsumieren weniger. Firmen und Mitarbeiter wissen nicht, wie es weitergeht und halten sich mit Investitionen zurück. In vielen Bereichen stockt die Produktion – auch weil infolge unterbrochener Lieferketten Teile fehlen. Das führt gerade in der Autoindustrie, aber auch im Maschinenbau zu Umsatzeinbußen. Der Handel bietet dagegen ein geteiltes Bild: Während Unternehmen mit Produkten des täglichen Bedarfes und einem guten Onlinehandel ausgelastet sind, ist der Absatz bei anderen praktisch zum Erliegen gekommen.“

(Pressemitteilung EY vom 07.04.2020)


Redaktion

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