• Home
  • /
  • Meldungen
  • /
  • Forschung und Entwicklung: Nachlassende Innovationstätigkeit im deutschen Mittelstand

14.07.2022

Forschung und Entwicklung: Nachlassende Innovationstätigkeit im deutschen Mittelstand

Im Innovationssystem Deutschland spielen kleine und mittelgroße Unternehmen eine nicht unerhebliche Rolle. Zwar liegt in der deutschen Wirtschaft das Gros der Innovationsaktivitäten bei den Großunternehmen, dennoch stehen mittelständische Unternehmen immerhin für 32% der Ausgaben für Innovationen und 35% für Forschung und Entwicklung. Eine von KfW Research in Auftrag gegeben Studie analysiert die langfristige Entwicklung von Strukturen, Erfolgsfaktoren und Hemmnissen bei den Innovationsaktivitäten mittelständischen Unternehmen.

Beitrag mit Bild

©ra2 studio/fotolia.com

Das Innovationsgeschehen im Mittelstand wird danach von Unternehmen geprägt, die kontinuierlich Forschung und Entwicklung (FuE) betrieben. Diese machen mit 12% nur eine kleine Gruppe unter den mittelständischen Unternehmen aus und verfolgen im Unterschied zu den übrigen in der Studie definierten fünf Unternehmenstypen besonders anspruchsvolle Wettbewerbs- und Innovationsstrategien, in denen die Entwicklung neuer Produkte und die Erschließung neuer Märkte feste Bestandteile sind. Außerdem investieren diese Unternehmen am meisten in ihre Innovationsaktivitäten, erzielen das Gros der Innovationserfolge und weisen, etwa gemessen an der Umsatzrendite, die höchste Unternehmensperformance auf. So stehen Unternehmen mit regelmäßiger FuE für über zwei Drittel der mittelständischen Innovationsausgaben, mehr als die Hälfte des Umsatzes mit Produktinnovationen und 43% der Kosteneinsparungen durch Prozessinnovationen.

Kleine und mittlere Unternehmen steuern ein Drittel der Innovationsleistung der deutschen Wirtschaft bei

Mittelständische innovative Unternehmen ohne eigene FuE bilden demgegenüber mit zuletzt 37% eine nahezu dreimal so große Gruppe. Ihre Innovationsstrategien sind weniger anspruchsvoll und ihre Innovationsanstrengungen entsprechend weniger stark ausgeprägt. Insgesamt fallen auch ihre Innovationserfolge deutlich schwächer als jene der FuE treibenden Unternehmen. Dennoch ist ihr Anteil an dem mit Produktinnovationen erzielten Umsatz sowie der Kostenreduktion durch Prozessinnovationen mit 34 bzw. 42% bedeutend und hat im betrachteten Zeitraum sogar noch zugenommen.

Anteil von nicht innovativen Unternehmen in den vergangenen zehn Jahren um 10 Prozentpunkte gestiegen

Die Studie bestätigt die seit Jahren nachlassende Innovationstätigkeit im deutschen Mittelstand. Danach hat der Anteil der Unternehmen, die keine Innovationen hervorgebracht haben, im betrachteten Zehnjahreszeitraum von 32% auf 42% deutlich zugenommen. Vor allem Unternehmen ohne eigene FuE haben ihre Innovationsanstrengungen eingestellt. Ebenfalls erheblich gestiegen ist der Anteil der mittelständischen Unternehmen, die sich mit Innovationshemmnissen konfrontiert sehen. Der Mangel an Fachpersonal und hohe Kosten sind die am meisten genannten Hemmnisse. Die Betroffenheit sinkt von der Gruppe der kontinuierlich FuE treibenden Unternehmen bis zu den Unternehmen ohne Innovationsorientierung. Außerdem nennen die Unternehmen Gesetze und Regulierungen oft als Innovationshemmnisse.

Forschung und Entwicklung positiv für die Unternehmensperformance

Insgesamt unterstreichen diese Ergebnisse, dass Unternehmen mit einer hohen Innovationsorientierung – und darunter insbesondere die FuE treibenden Unternehmen – häufiger Produktmarktneuheiten hervorbringen und Kostensenkungen erzielen als andere Unternehmen. Dies schlägt sich auch positiv in den Kennziffern für die Unternehmensperformance nieder, wie der Umsatzrendite oder dem Erfolg auf ausländischen Märkten. Laut der KfW-Analyse erzielen Unternehmen mit kontinuierlicher FuE im Durchschnitt eine Umsatzrendite von 5,4%, während Unternehmen ohne Innovationsorientierung auf einen Wert von 4,2% kommen.

Fachkräftemangel und hohe Kosten: Innovationshemmnisse haben deutlich zugenommen

Laut der Studienautoren ist die Innovationskraft des deutschen Mittelstands insgesamt weiterhin hoch, konzentriert sich aber auf immer weniger Unternehmen. Für die Dynamik der Volkswirtschaft sei aber gerade zentral, dass der Mittelstand in der Breite wieder mehr Innovationen hervorbringt. Dabei komme der Linderung des Mangels an Fachpersonal eine besondere Rolle zu. Außerdem gelte es, umfassende Anreize für den Aufbau oder den dauerhaften Erhalt von Forschungs- und Entwicklungs-Kompetenzen in den Unternehmen zu setzen. Die Innovationsförderung muss deshalb neben den Vorreiter-Unternehmen auch Innovationen in der Breite des Mittelstands unterstützen, so die Forderung der Wirtschaftsforscher. Dazu müsse z.B. der Erwerb von strategischen Fähigkeiten und Kenntnisse zum Innovationsmanagement in der Berufsausbildung verstärkt werden.

Die Studie „Mittelständische Unternehmen im Innovationssystem: Aktivitäten, Hemmnisse und Erfolge“ steht hier zur Verfügung.

(Pressemitteilung KfW vom 14.07.2022)


Weitere Meldungen


Meldung

© Fotolia

27.05.2026

Nur ein Drittel der Finanzinstitute sieht sich für EU-AML-Paket gerüstet

Die Bekämpfung von Geldwäsche tritt in eine entscheidende Phase, doch den Finanzinstituten in Deutschland droht bei der Umsetzung der neuen EU-Regeln die Zeit davonzulaufen. Laut der PwC EMEA AML Survey 2026, für die über 500 Entscheider:innen in 40 Ländern befragt wurden, glaubt nur rund ein Drittel (34 %) der Institute in Deutschland, die zentrale Compliance-Frist

Nur ein Drittel der Finanzinstitute sieht sich für EU-AML-Paket gerüstet
Meldung

© Coloures-Pic/fotolia.com

26.05.2026

Digitalisierung ist Top-Priorität der CFOs für ihre Finanzfunktion

Digitalisierung gehört für CFOs zu den wichtigsten Aufgaben. Doch zwischen Anspruch und Realität klafft eine deutliche Lücke. Das zeigt die Studie „Digital CFO 2026“ der WHU – Otto Beisheim School of Management und PwC Deutschland, für die 207 Finanzchefinnen und Finanzchefs aus Deutschland, Österreich und der Schweiz befragt wurden. Zwar bewerten CFOs die Bedeutung der

Digitalisierung ist Top-Priorität der CFOs für ihre Finanzfunktion
Meldung

©zapp2photo/fotolia.com

25.05.2026

Industriejobs verschwinden: Deutsche Industrie baut weiter Stellen ab

Der Stellenabbau in der deutschen Industrie setzt sich fort. Ende des ersten Quartals lag die Zahl der Beschäftigten in Industrieunternehmen um 127.300 oder 2,3 % unter dem Vorjahresniveau. Seit 2019 sind damit 341.500 Industriejobs verloren gegangen – gut 6 % aller Arbeitsplätze in der Branche. Anders gesagt: Seit dem Vor-Corona-Jahr ist jeder siebzehnte Industriearbeitsplatz verschwunden. Autoindustrie besonders

Industriejobs verschwinden: Deutsche Industrie baut weiter Stellen ab
CORPORATE FINANCE Beratermodul

Haben wir Ihr Interesse für CORPORATE FINANCE geweckt?

Sichern Sie sich das Beratermodul CORPORATE FINANCE im 3 Monate Start-Abo (1 Monat gratis)