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03.05.2018

Geschäft deutscher Banken mit Firmenkunden unter Druck

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© mojolo/fotolia.com

In fünf Jahren werden 30 Prozent der Erträge von Banken im Firmenkundengeschäft ausschließlich über digitale Kanäle erwirtschaftet. Das prognostiziert die Studie „Global Corporate Banking 2018: Unlocking Success Through Digital“ der Strategieberatung The Boston Consulting Group (BCG). Sie basiert auf einem Performance-Benchmarking von mehr als 200 Firmenkundensegmenten weltweit für den Betrachtungszeitraum der Geschäftsjahre 2014 bis 2016 sowie auf einer Umfrage unter Führungskräften.

„Die Digitalisierung verändert das Geschäft mit Firmenkunden rapide. Entsprechend haben Banken hier in jüngerer Zeit zahlreiche Digitalinitiativen gestartet“, sagt Carsten Baumgärtner, Senior Partner und weltweiter Leiter des Corporate-Banking-Bereichs bei BCG. Diese Initiativen seien jedoch nur selten in einer digitalen Gesamtstrategie verankert. 86 Prozent der befragten Führungskräfte geben an, dass die Digitalisierung sowohl die Wettbewerbslandschaft als auch die Wirtschaftlichkeit des Geschäfts beeinflussen wird. Aber: Gleichzeitig sagen nur 43 Prozent, dass sie eine explizite Digitalstrategie haben und nur 19 Prozent gestehen ihrem Unternehmen marktführende Digitalkompetenzen zu.

Das Performance-Benchmarking zeigt: In Deutschland entwickelt sich das Firmenkundengeschäft negativ. Bei fast der Hälfte (45 Prozent) der analysierten Bankeinheiten ist das Ergebnis nach Kapitalkosten negativ und seit 2014 gesunken. Nur ein Viertel verdiente im Geschäftsjahr 2016 die von BCG unterstellten Kapitalkosten.

„Die Ergebnisse für Deutschland sind alarmierend. Die Erträge vieler Institute sind gesunken und der Druck auf die Margen ist unverändert hoch. Gleichzeitig sind regulatorische und operative Kosten gestiegen“, sagt Oliver Dany, Senior Partner bei BCG und Leiter des deutschen Corporate-Banking-Bereichs. Auch mittelfristig gibt es keine Entwarnung. „Wir erwarten, dass die Erträge aus dem Firmenkundengeschäft bis 2021 in Deutschland nur um circa 0,5 Prozent pro Jahr steigen. Regulatorische Kosten werden weiter zunehmen und die Digitalisierung erfordert hohe Investitionen.“ Darüber hinaus werde der Wettbewerb stärker, da ausländische Banken ihr Firmenkundengeschäft in Deutschland ausbauen.

Probleme in Westeuropa, Erholung in Nordamerika

Eine ähnliche Entwicklung wie in Deutschland zeigt sich im gesamten westeuropäischen Markt. Hier verzeichneten 43 Prozent ein negatives und sinkendes Ergebnis nach Kapitalkosten. In Westeuropa gibt es insgesamt aber mehr Banken, die im Geschäft mit Firmenkunden gut aufgestellt sind: Jede dritte Bank erwirtschaftet ein positives und steigendes Ergebnis nach Kapitalkosten.

Das Firmenkundengeschäft in Nordamerika (13 Prozent negativ und sinkend, 44 Prozent positiv und steigend) hat sich nach mehreren rückläufigen Jahren erholt. „Die Erträge wachsen aufgrund verbesserter Margen wieder. Die Gesamtwirtschaft wächst stark und viele Banken haben ihre Risikovorsorge reduziert“, analysiert Carsten Baumgärtner.

Vier digitale Hebel für das Firmenkundengeschäft

Eine erfolgreiche Zukunft der Banken im Geschäft mit Firmenkunden ist untrennbar mit Fortschritten bei der Digitalisierung verbunden: „Nachdem viele Banken in den vergangenen zwei Jahren vereinzelte Initiativen gestartet haben, ist es jetzt Zeit für eine zweite Welle. In dieser sollten sie ganzheitliche Digitalisierungsstrategien entwickeln und umsetzen“, sagt Oliver Dany. Richtig umgesetzt könne die Digitalisierung einerseits neue Ertragsquellen erschließen und andererseits die Prozesse vereinfachen und somit Kosten senken. „Viele Banken tun sich jedoch noch schwer damit, diesen Weg entschlossen einzuschlagen.“ Die Studie zeigt dafür vier zentrale Handlungsfelder auf. Banken sollten

  • durch die Digitalisierung der Kunden- und Bankprozesse das
  • Kundenerlebnis verbessern und Kosten reduzieren,
  • ihr vorhandenes Datenpotenzial heben, um Kunden besser zu
  • verstehen und Angebote zu individualisieren,
  • ihr Betriebsmodell flexibilisieren und für Kooperationen öffnen, um so schnell auf Innovationen reagieren und neue Technologien anwenden zu können, sowie
  • eine digitale Kultur in allen Unternehmensbereichen vorantreiben und dynamische Arbeitsweisen etablieren.

Weitere Informationen finden Sie hier.

(Pressemitteilung BCG vom 20.04.2018)


Redaktion

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