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25.08.2017

Globalisierung der Finanzmärkte hat sich verändert

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Die Globale Vernetzung der Finanzmärkte ist weiterhin stark, aber mit neuer Ausrichtung. Auslandsinvestitionen befinden sich auf Vorkrisenniveau trotz eines Rückgangs der grenzüberschreitenden Kapitalströme um 65% seit 2007.

Die Globale Vernetzung der Finanzmärkte ist weiterhin stark, aber mit neuer Ausrichtung. Auslandsinvestitionen befinden sich auf Vorkrisenniveau trotz eines Rückgangs der grenzüberschreitenden Kapitalströme um 65% seit 2007.

Weltweit haben Banken immer weniger Interesse an Kreditgeschäften im Ausland und konzentrieren sich stattdessen auf ihre Heimmärkte. Die globalen grenzüberschreitenden Kapitalflüsse sind seit dem Höchststand 2007 um 65% zurückgegangen, von damals 12,4 Bio. auf 4,3 Bio. US-Dollar im Jahr 2016. In Deutschland sind die Auslandsforderungen im gleichen Zeitraum um 52% gesunken. Bei den größten deutschen Banken haben sich ausländische Vermögenswerte von 1,9 Bio. auf 0,8 Bio. Dollar mehr als halbiert. Anders sieht es bei den globalen Auslandsinvestitionen aus: Sie sind im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung (BIP) heute auf dem Niveau von 2007. Weltweit werden aktuell 27% aller Aktien von ausländischen Investoren gehalten, 2000 waren es nur 17%. Auf den Anleihemärkten liegt der Anteil internationaler Investoren sogar bei 31% (2000: 18%). Dies sind die zentralen Ergebnisse einer neuen Studie des McKinsey Global Institute (MGI) mit dem Titel „The new dynamics of financial globalization“. Das MGI hat dafür die in- und ausländischen Kapitalströme in 100 Ländern untersucht.

Europäische und globale Banken auf dem Rückzug

Die Banken der Eurozone waren 2007 weltweit die am stärksten globalisierten Finanzinstitute. Seither sind ihre Auslandsforderungen um 45% zurückgegangen. Insgesamt stießen Banken zwischen 2007 und 2016 weltweit mindestens 2 Bio. US-Dollar an Vermögenswerten ab, davon über die Hälfte durch europäische Institute. Die Gründe für diesen Rückzug sind dem MGI zufolge vielfältig: neu bewertete Länderrisiken; die Einsicht, dass der Heimmarkt mit hohen Marktanteilen lukrativ ist; nationale Richtlinien, die die Vergabe von Krediten im Inland befördern; Kapital- und Liquiditätsvorgaben, die das komplexe Auslandgeschäft weniger attraktiv machen. „Die Banken ziehen sich aus Ländern und Märkten zurück, auf denen ihnen die Größe oder das Alleinstellungsmerkmal fehlt. Mehr als die Hälfte der Korrektur entfällt auf Interbankkredite und Schuldverschreibungen vor allem in der Eurozone. Diese waren vor der Krise exzessiv gewachsen. Es wurde sozusagen der Reset-Knopf gedrückt“, sagt Eckart Windhagen, Seniorpartner bei McKinsey in Frankfurt und Co-Autor der Studie. „Dieser Prozess ist noch nicht abgeschlossen.“

Deutschland in der Finanzverknüpfung auf Platz 5

Auch wenn die Finanzinstitute ihr Auslandsgeschäft stark zurückgefahren haben, bleiben die globalen Finanzmärkte eng verwoben, und es nehmen heute mehr Länder an den globalen Finanzströmen teil als jemals zuvor. Aus seiner Analyse der gesamten ausländischen Vermögenswerte und Verbindlichkeiten von 100 Ländern hat das MGI ein Financial Connectedness Ranking entwickelt. Es zeigt: Entwickelte Volkswirtschaften und internationale Finanzzentren sind weiterhin am stärksten ins globale Finanzsystem integriert. Deutschland belegt in diesem Ranking hinter den USA, Luxemburg, dem Vereinigten Königreich und den Niederlanden Rang 5 und steht für 6% der ausländischen Investitionen weltweit. Knapp die Hälfte davon entfällt auf die Eurozone, 16% auf Großbritannien und 11% auf die USA. Global gesehen war Deutschland 2016 mit 8 Mrd. US-Dollar Investitionen im Ausland und Investitionen aus dem Ausland in Höhe von 6,6 Mrd. Dollar ein Nettozahler. Aufstrebende Volkswirtschaften holen jedoch auf: Sie halten mittlerweile 15% aller ausländischer Anlagewerte (2007: 8%). China stieg von Rang 15 2005 auf jetzt Rang 8. Die Auslandkredite, Direktinvestitionen und Aktien- und Bondportfolios Chinas zusammengenommen überstiegen 2016 zum ersten Mal die ausländischen Devisenreserven der chinesischen Zentralbank.

Mehr Stabilität im weltweiten Finanzsystem – Risiken bleiben

„Die Globalisierung der Finanzmärkte verspricht für die Zukunft mehr Stabilität, wesentliche Indikatoren haben sich verbessert“, so Windhagen. So ist der Anteil der wenig volatilen Direktinvestitionen und Eigenkapitalströme an den grenzüberschreitenden Finanzflüssen von 36% auf 69% gestiegen. Zudem sind die globalen Ungleichgewichte in den Leistungs-, Kapital- und Vermögensbilanzen von 2,5% des globalen BIP im Jahr 2007 auf 1,7% 2016 zurückgegangen. Die Studie zeigt auch: Heute tragen mehr Länder zur Allokation von Kapital bei als 2007. Damals hatten die USA noch 67% des globalen Kapitals absorbiert, heute hat sich dieser Anteil halbiert. Aufstrebende Volkswirtschaften sind dagegen zum ersten Mal seit zehn Jahren wieder zu Nettoempfänger der globalen Kapitalströme geworden.

„Die Risiken sind heute vorwiegend im ausländischen Kreditgeschäft zu orten. Dessen Volatilität kann große Auswirkungen auf Volkswirtschaften und Wechselkurse haben“, beschreibt Windhagen die aktuelle Entwicklung. Weitere Risiken lägen in den stark erhitzten Aktienmärkten sowie im Aufstieg von neuen Finanzzentren, denen es zum Teil an Transparenz mangele. „Neue digitale Plattformen, die Blockchain-Technologie und das Machine Learning können in Zukunft für grenzüberschreitende Kapitalströme neue Kanäle und Möglichkeiten eröffnen, bergen aber auch unbekannte und schwer einschätzbare Risiken.“

(Pressemitteilung McKinsey & Company vom 22.08.2017)


Redaktion

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