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11.03.2020

Herausforderungen der Digitalisierung: Ethischer Umgang mit Daten steht bei Stakeholdern weit oben auf der Agenda

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© Coloures-pic/fotolia.com

Sieben von zehn Entscheidern sehen sich von ihren Stakeholdern unter Druck gesetzt, bei der Digitalisierung ethische und moralische Fragen zu berücksichtigen. 53% der Befragten verspürt „eher starken“ Druck, 18% sogar „sehr starken“, so die Ergebnisse einer Studie der Anwaltssozietät Clifford Chance unter deutschen Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitern zum Thema „Herausforderungen der Digitalisierung“.

Gerade die Manager und Führungskräfte der Finanzbranche bestätigen, dass Kunden, Lieferanten und die Öffentlichkeit verstärkt darauf drängen, Ethik und Moral bei der Digitalisierung nicht zu vergessen. Dies geben 82% der Befragten an. In der Industrie und in der Gesundheitsbranche wird dies etwas weniger stark empfunden.

Mega-Trends Digitalisierung und Nachhaltigkeit treiben Diskussion um ethisches Handeln an

Laut der Studie ist der Blick von Öffentlichkeit, Medien und Politik auf die Finanzbranche seit der globalen Finanzkrise deutlich schärfer. Die Regulierung habe spürbar zugenommen und die Institute selbst seien zunehmend sensibilisiert für ethische Fragen. Die zwei Mega-Trends Digitalisierung und Nachhaltigkeit würden die Diskussion um ethisches Handeln antreiben. Bei beiden komme der Finanzbranche besondere Verantwortung zu. Durch die Steuerung von Geldströmen hat sie nach Aussage der Studienautoren einen enormen Einfluss auf die Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft.

Ethische Aspekte bei der Entwicklung innovativer Produkte zu berücksichtigen, könne den Entwicklungsprozess vielleicht erst einmal verlangsamen. Langfristig würden sich Unternehmen und Banken dadurch allerdings einen Marktvorteil verschaffen, weil sie das Vertrauen ihrer Stakeholder weiter ausbauen könnten.

Größter Handlungsbedarf: Ethischer Umgang mit Daten

Die Entscheider selbst sehen den Schutz von Daten als das zentrale Thema bei der Berücksichtigung ethischer Aspekte: Unabhängig vom Druck von außen sehen die Verantwortlichen den größten Handlungsbedarf bei ethischen Fragen zum Datenschutz hinsichtlich der Privatsphäre (80%). Auf dem zweiten Rang landet die Gestaltung des Wandels der Arbeitswelt – zum Beispiel die Weiterbildung der Mitarbeiter (78%). Dahinter folgt der Schutz von Daten vor dem Zugriff unbefugter Dritter wie beispielsweise Hackern (77%).Nach Aussage der Studienautoren haben Digitalisierung und DSGVO den Datenschutz und die Cybersicherheit ganz oben auf die Agenda von Unternehmen gehoben. Neben ethischen Aspekten, die erhebliche Reputationsschäden auslösen könnten, gehe es bei Cybersicherheit letztlich auch um Haftungsfragen. Wenn Kundendaten gehackt werden, können schnell Schadensersatzforderungen in Millionenhöhe anfallen, warnen die Autoren der Studie.

Künstliche Intelligenz und maschinenbasierte Entscheidungen – Ethik oder Regulierung?

Beim Einsatz von Maschinen, die autonom Entscheidungen treffen, sehen die Entscheider den Umfrageergebnissen zufolge etwas weniger Handlungsbedarf was die Berücksichtigung ethischer Aspekte betrifft (63%). Das erstaunt insbesondere vor dem Hintergrund, dass Wissenschaft, Wirtschaft und Politik aktuell über kaum einen Digitalisierungsaspekt stärker diskutieren, stellen die Studienautoren fest. Die Arbeitswelt befinde sich in einem grundlegenden Wandel. Wenn z.B. Bewerber über KI-basierte Algorithmen ausgewählt werden, müssten Unternehmen neben den rechtlichen Anforderungen auch ethische Aspekte unbedingt im Blick behalten: Ist die Datenmasse, aus der angelernt wird, von „unconscious bias“ betroffen, werde die Bewerberauswahl entsprechend ausfallen – mit allen ethischen, arbeitsrechtlichen und reputativen Problemen. Für ein sinnvolles Risk Management, das auf Resilienz unter Nutzung von Entwicklungschancen durch KI ausgelegt ist und die Reputation des Unternehmens dabei nachhaltig schützt, müssten Datenschutz, Arbeitsrecht und ethische Aspekte zusammen betrachtet und proaktiv angegangen werden.

Auch im Bereich des automatisierten Fahrens stellt sich nach Einschätzung der Studienautoren die Frage nach ethischen Aspekten hinsichtlich der Abwägung von Entscheidungen – etwa wenn ein Unfall unvermeidlich sei. Die enge Zusammenarbeit von Juristen und Ethikern sei hierbei unumgänglich, da sich aus den ethischen Aspekten wiederum juristischer Handlungsbedarf ergeben könne, etwa im Hinblick auf Haftungsfragen. Gleichzeitig werde der Ruf nach Regulierung immer lauter. Europa habe aber die Chance, im Rennen um die globale Technologievorherrschaft eine Vorreiterrolle im vertrauensvollen, ethischen Einsatz von KI einzunehmen, so das Fazit der Studie.

Die Studie „Talking Tech: Connecting Digital and Law“ finden Sie hier zum Download.

(Pressemitteilung Clifford Chance Deutschland vom 11.03.2020)


Redaktion

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