10.03.2025

Immer mehr KMU verzichten auf Kreditaufnahme

Der Anteil von Mittelständlern, die Investitionskredite nutzen, hat sich binnen 20 Jahren fast halbiert. Grund sind sinkende Nachfrage und eine veränderte Einstellung zum Thema Verschuldung.

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Immer mehr mittelständische Unternehmen in Deutschland verzichten bei der Finanzierung ihrer Investitionen auf Bankkredite. Der Anteil investierender Mittelständler, die auf Bankkredite zurückgegriffen haben, hat sich in den vergangenen 20 Jahren nahezu halbiert – von 40 % im Jahr 2004 auf 23 % im Jahr 2023.

Grund: Nachfrageschwund

Die Ursachen dieses Rückgangs liegen eher in einem Nachfrageschwund als in Restriktionen im Kreditangebot. So führten vor der Finanzkrise im Jahr 2009 noch deutlich mehr als ein Drittel der Mittelständler mit geplanten Investitionsvorhaben Kreditverhandlungen mit Banken und Sparkassen. Im Jahr 2006, als die Europäische Zentralbank eine geldpolitische Straffung einleitete, lag der Wert sogar bei 47 %. Seit 2014 sind aber kontinuierlich weniger Unternehmen überhaupt bereit zu Kreditverhandlungen. Im Jahr 2023 lag der Wert mit 25 % so niedrig wie nie zuvor.

Die sinkende Neigung der Mittelständler zu Kreditverhandlungen ist insbesondere im Zeitraum 2014 bis 2021 überraschend, da die Zinsen damals außerordentlich niedrig waren und der Kreditzugang gut. So stieg etwa die Erfolgsquote der Unternehmen, die Kreditverhandlungen über Investitionskredite führten, von 47 % im Jahr 2009 auf 67 % im Jahr 2021.

Es gibt verschiedene Erklärungsansätze für die seit Jahren sinkende Nachfrage des Mittelstands nach Krediten. Dazu gehören:

  • Hohe Eigenkapitalquote: Seit Beginn des Jahrtausends haben deutsche Unternehmen sich verstärkt um eine Konsolidierung ihrer Bilanzen bemüht. Getrieben wurde dies auch durch neue Eigenkapitalvorschriften für Banken, die den Kreditzugang erschwerten. Unternehmen haben ihre Eigenkapitalquoten seitdem kontinuierlich erhöht: Während die durchschnittliche Eigenkapitalquote im Mittelstand 2002 noch 18,4 % betrug, lag sie 2023 bei 30,6 %. Viele Unternehmen wollen inzwischen Investitionen aus eigener Kraft stemmen und sich nicht verschulden. So gaben 36 % der mittelständischen Unternehmen 2023 an, auf einen Kredit zur Investitionsfinanzierung zu verzichten, um Schulden zu vermeiden.
  • Steigendes Inhaberalter: Im Jahr 2024 waren 54 % der mittelständischen Unternehmerschaft 55 Jahre oder älter. Vor 20 Jahren waren es lediglich 20 %. Frühere Analysen haben gezeigt, dass ältere Unternehmensinhaber bei der Finanzierung von Investitionen zurückhaltender sind als jüngere. Das kann damit zu tun haben, dass sie vor dem Ausscheiden aus dem Unternehmen keine langfristigen finanziellen Verpflichtungen eingehen wollen, oder dass sie noch keinen Nachfolger gefunden haben und die Zukunft des Unternehmens offen ist.
  • Höhere regulatorische Anforderungen: Infolge der gestiegenen Bankenregulierung benötigen die Kreditinstitute von ihren Schuldnern deutlich mehr Informationen als früher. Damit ist nicht selten ein höherer finanzieller und zeitlicher Aufwand bei der Kreditantragstellung für die Unternehmen verbunden. Auch dies könnte ein Grund dafür sein, wieso sie von einer Kreditfinanzierung Abstand nehmen.

Das haben vergleichende Auswertungen des repräsentativen KfW-Mittelstandspanels ergeben. Für das Panel befragt KfW Research seit 2002 jedes Jahr kleine und mittlere Unternehmen aus allen Wirtschaftszweigen und Größenklassen. An der jüngsten Erhebung haben sich rund 10.000 Unternehmen beteiligt.

(KfW vom 06.03.2025 / RES JURA Redaktionsbüro – vcd)


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