• Home
  • /
  • Meldungen
  • /
  • In Europa haben deutsche Investoren die höchste Risikoaversion

03.11.2016

In Europa haben deutsche Investoren die höchste Risikoaversion

Beitrag mit Bild

Corporate Finance

Das Niedrigzinsumfeld zwingt Investoren, stärker ins Risiko zu gehen und ihre Sicherheitspräferenzen in der Kapitalanlage an das grundlegend veränderte Marktumfeld anzupassen. Gleichwohl dominiert nach wie vor der Wunsch, Verluste zu vermeiden. Im Rahmen der aktuellen Risikomanagementstudie von Union Investment, für die 212 institutionelle Investoren in acht europäischen Ländern nach ihren Anlagepräferenzen befragt wurden, nannten 75 Prozent der Großanleger Verlustvermeidung als oberste Priorität.

Am höchsten ist die Verlustaversion in Deutschland. Hier äußerten sich 82 Prozent der Befragten entsprechend, gefolgt von 75 Prozent in der Schweiz und 69 Prozent in Skandinavien (Dänemark, Schweden, Finnland, Norwegen). Am wenigsten wichtig ist die Vermeidung von Verlusten für Investoren aus den Niederlanden (62 Prozent) und Großbritannien (61 Prozent). Deutsche Großanleger messen der Sicherheit der Kapitalanlage im europäischen Vergleich damit klar den höchsten Stellenwert bei. Allerdings ist ihre Risikoaversion gegenüber dem Vorjahr um sieben Prozentpunkte zurückgegangen. „Viele institutionelle Anleger in Deutschland überdenken offenbar ihre Kapitalanlage und passen sie stärker an die Investmentrealität an. Aufgrund des Ertragsdilemmas steigen zahlreiche Investoren die Risikoleiter weiter hoch. Um Enttäuschungen zu vermeiden, sollte diese Entwicklung von einer Professionalisierung des Risikomanagements begleitet werden“, sagt Alexander Schindler, im Vorstand von Union Investment zuständig für das institutionelle Kundengeschäft.

Dies zeigt sich auch mit Blick auf das Ziel, bestimmte Mindestrenditen keinesfalls zu unterschreiten. Diese Präferenz, die gegebenenfalls mit erhöhten Anlagerisiken einhergeht, wurde von 41 Prozent der deutschen Investoren als wichtig eingestuft (Vorjahr 37 Prozent). Damit nähern sich die deutschen Großanleger dem Durchschnittswert aller befragten europäischen Anleger von 47 Prozent. Als Gegenpol erweisen sich in dieser Frage einmal mehr die Investoren in den Niederlanden und Großbritannien. Hier gaben 62 bzw. 65 Prozent der Befragten an, dass die Erzielung von Mindestrenditen für sie eine hohe Priorität hat. In den skandinavischen Staaten sagten dies 50 Prozent und in der Schweiz 40 Prozent der Großanleger.

Europäische Investoren verunsichert

Europaweit blicken die Investoren überwiegend sorgenvoll in die Zukunft. So erwarten sie, dass durchschnittlich 60 Prozent von ihnen in den kommenden drei Jahren ihre selbst gesteckten Anlageziele nicht erreichen werden. Besonders hoch ist der Anteil der Pessimisten in Deutschland. Hier rechnen die Befragten damit, dass im Durchschnitt 64 Prozent der Investoren ihre Anlageziele verfehlen werden. Dabei wird das Niedrigzinsumfeld nicht als alleinige Ursache genannt. Insgesamt gaben nur 16 Prozent aller in Europa befragten Anleger das niedrige Zinsniveau als zentrales Hindernis an – anders in Deutschland, wo sich knapp die Hälfte der Befragten entsprechend äußerte (49 Prozent). Immerhin 13 Prozent der Anleger in Großbritannien betrachten das Niedrigzinsumfeld als Haupthindernis, gefolgt von zehn Prozent in den Niederlanden und sechs Prozent in Skandinavien. „Dieser Befund ist nicht verwunderlich, da Zinsanlagen in den Portfolios deutscher Investoren nach wie vor dominieren“, stellt Schindler fest. „Bei vielen europäischen Investoren haben dagegen chancenreichere Anlagen wie Aktieninvestments seit jeher ein höheres Gewicht.“

Gefahr der Blasenbildung gestiegen

Die aktuelle Situation an den Kapitalmärkten hält aus Sicht der Investoren neue Gefahren und Unsicherheiten bereit. Knapp zwei Drittel (65 Prozent) aller Befragten erkennen eine Tendenz zum Herdenverhalten und sehen darin eine erhöhte Gefahr für Blasenbildungen und Börsencrashs. In Deutschland vertraten 74 Prozent der Profianleger diese Ansicht. Insgesamt 63 Prozent aller in Europa befragten Investoren erwarten zudem einen Anstieg der Volatilität im Markt (Deutschland 64 Prozent). Nicht zuletzt wird es aus Sicht der Großanleger deutlich schwerer, das Verhalten anderer Marktteilnehmer zu prognostizieren. Dies gaben europaweit 47 Prozent und in Deutschland sogar 54 Prozent der befragten Investoren an. „Auch dieses Meinungsbild untermauert die steigende Bedeutung des Risikomanagements bei der Kapitalanlage“, so Schindler.

(Pressemitteilung Union Investment vom 19.10.2016)


Redaktion

Weitere Meldungen


Meldung

© Sergey Nivens/fotolia.com

29.10.2026

Konjunktur zieht an, private Investitionen bleiben schwach

Die deutsche Wirtschaft zeigt zum Jahresende 2026 wieder Wachstumssignale. Das aktuelle Konjunkturbarometer des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) steigt deutlich über die neutrale 100-Punkte-Marke. Doch der Aufschwung bleibt fragil: Während Industrie und staatliche Investitionen die Konjunktur stützen, halten sich private Unternehmen weiterhin mit Investitionen zurück. Hohe Energiepreise und ungünstigere Finanzierungsbedingungen erschweren die Planung. Industrie

Konjunktur zieht an, private Investitionen bleiben schwach
Meldung

©EtiAmmos/fotolia.com

28.10.2026

Kritische Rohstoffe werden zum Finanzierungsrisiko

Engpässe bei kritischen Rohstoffen bedrohen zunehmend die Industrieproduktion. Laut Boston Consulting Group (BCG) unterschätzen viele Unternehmen ihre Abhängigkeiten und verpassen zugleich Chancen auf staatliche Finanzierungshilfen. Nachfrage übersteigt das Angebot deutlich Nach Berechnungen der BCG könnte die Nachfrage nach kritischen Rohstoffen wie Seltenen Erden, Lithium, Kupfer und Graphit bis 2040 bei 120 bis 250 % des

Kritische Rohstoffe werden zum Finanzierungsrisiko
Meldung

©peterschreibermedia/123rf.com

27.10.2026

Kostendruck bremst grüne Transformation

Fast jedes zweite Unternehmen in Deutschland verschiebt Investitionen in Nachhaltigkeit. Gleichzeitig kritisiert eine deutliche Mehrheit die aufwendigen ESG-Berichtspflichten. Das zeigt eine aktuelle Umfrage des Kreditversicherers Atradius. Nachhaltigkeit bleibt wichtig – doch das Geld fehlt Die schwache Industriekonjunktur, Liquiditätsengpässe und geopolitische Unsicherheiten setzen Unternehmen unter Druck. Laut Atradius-Umfrage räumen 73 % der Befragten Nachhaltigkeit weiterhin eine

Kostendruck bremst grüne Transformation
CORPORATE FINANCE Beratermodul

Haben wir Ihr Interesse für CORPORATE FINANCE geweckt?

Sichern Sie sich das Beratermodul CORPORATE FINANCE im 3 Monate Start-Abo (1 Monat gratis)