• Home
  • /
  • Meldungen
  • /
  • Industrialisierung wird im Kreditgeschäft zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor

25.09.2023

Industrialisierung wird im Kreditgeschäft zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor

Kreditinstitute müssen die strukturelle Automatisierung, Arbeitsteilung und Outsourcing vorantreiben, um Geschwindigkeit und Kostensenkung signifikant zu verbessern.

Beitrag mit Bild

©putilov_denis/fotolia.com

Die inkrementelle Optimierung des Kreditgeschäfts ist weitestgehend ausgeschöpft, jetzt kommt es auf die strukturelle Industrialisierung und Digitalisierung an, um signifikante Einsparungen zu erzielen. Das ist eines der zentralen Ergebnisse einer neuen Studie der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC Deutschland (PwC). Das langfristige Ziel: weitgehende Industrialisierung. An der Studie haben sich zwischen Januar und Mai 2023 für das Kreditgeschäft verantwortliche Bereichsleiter und Vorstände von 34 der größten 150 Banken im DACH-Raum beteiligt.

Große Kluft zwischen Pionieren und Schlusslichtern

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass es zwischen Vorreitern und Nachzüglern erhebliche Unterschiede bei der Industrialisierung und Digitalisierung des Kreditgeschäfts gibt. Während die führenden Banken im Industrialisierungsindex auf bis zu 88 von 100 Punkten kommen, rutschen die weniger fortgeschrittenen Kreditinstitute auf bis zu 15 Punkte ab. Das Privatkundengeschäft (Indexdurchschnitt 50 von 100) schneidet dabei erwartungsgemäß im Vergleich mit dem Firmenkundengeschäft (Indexdurchschnitt 41 von 100) deutlich besser ab. Das heißt, dass die führenden Banken in beiden Sektoren durch ihre Industrialisierung einen signifikanten Wettbewerbsvorteil durch kostengünstigere, schnellere und kinderfreundlichere Prozesse haben.

In den letzten zwei Jahren lag der Fokus der Optimierung auf Organisation und Standardisierung. In den nächsten zwei Jahre planen die Befragten das Thema Automatisierung zu fokussieren (PK 97 % zu FK 74 %). Insgesamt bleiben noch viele Potenziale ungenutzt: Während Grundlagen wie Workflow und elektronische Akte Standard sind, sind selbst elektronische Unterschriften oder differenzierte Prozesse noch nicht überall umgesetzt. Und immer neue Technologien wie künstliche Intelligenz bietet laufend neue Möglichkeiten, die von führenden Banken bereits eingesetzt werden.

Nachhaltige Kreditvergabe für die Kundenzentrierung nutzen

Die Regulierung des Kreditgeschäfts bringt der Umfrage zufolge Hürden und Chancen gleichermaßen mit sich. So stellen die weiter steigenden Anforderungen der Richtlinien der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde für Kreditvergabe und Überwachung (European Banking Authority Guidelines on Loan Origination and Monitoring, kurz EBA GL LOM) an Daten und Systeme mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen (59 %) vor große Herausforderungen. Etwa genauso viele Banken (62 %) nutzen die zur Realisierung der EBA GL LOM etablierten Umsetzungsprojekte gleichzeitig auch für Maßnahmen, um Kreditprozesse effizienter zu gestalten. Offizielle Nachhaltigkeitsstandards berücksichtigen bisher nur 35 % der befragten Institute, insgesamt 59 % ziehen aber selbst definierte Kriterien bei der Kreditvergabe heran.

„Banken sollten ESG-Kriterien nicht nur als regulatorische Pflichtaufgabe verstehen, sondern auch als Chance für die Kundenzentrierung nutzen. Denn diese fordern die Erfüllung entsprechender Kriterien immer mehr ein“, empfiehlt Dr. Michael Rönnberg,Partner für Kreditregulatorik bei PwC.

Die Umfrage unterstreicht die Bedeutung eines ganzheitlichen Optimierungsansatzes bei der Industrialisierung des Kreditgeschäfts. Es ist erfolgskritisch sowohl die Auswahl der richtigen Hebel, Wertschöpfungstiefe und ein ganzheitliches Zielbild zusammenzubringen, als auch ESG-Kriterien, IT-Komponenten und verfügbare Fintech-Komponenten mitzudenken. PwC hat die Erfahrung gemacht, dass eine integrierte fachlich-technische Planung und Umsetzung entlang eines gesamthaften Zielbilds die größte Erfolgschance hat.

(PwC vom 22.09.2023 / Viola C. Didier, RES JURA Redaktionsbüro)


Weitere Meldungen


Meldung

© designer49/fotolia.com

26.03.2026

M&A-Markt 2026: Private Equity treibt den Aufschwung

Der globale M&A-Markt dürfte im Jahr 2026 deutlich an Dynamik gewinnen. Vor allem Private-Equity-Investoren zeigen sich optimistisch und treiben die Erwartungen an die Transaktionsaktivität. Gleichzeitig verschieben sich die Schwerpunkte: Unternehmen passen ihre Portfolios gezielter an, insbesondere durch Carve-outs, und nutzen zunehmend neue Technologien wie Künstliche Intelligenz zur Unterstützung von Transaktionen. Das zeigt der aktuelle KPMG

M&A-Markt 2026: Private Equity treibt den Aufschwung
Meldung

© pichetw/fotolia.com

24.03.2026

Zahl der Gewinnwarnungen gesunken – CFOs planen konservativer

Die Zahl der Gewinnwarnungen deutscher börsennotierter Unternehmen ist im Jahr 2025 deutlich gesunken. Nach einem Höchststand von 160 Gewinnwarnungen im Jahr 2023 und einem weiterhin hohen Niveau von 153 im Jahr 2024 wurden im vergangenen Jahr insgesamt 118 Gewinnwarnungen registriert. Sinkende Umsätze sind für mehr als die Hälfte der Unternehmen der wichtigste Grund für die

Zahl der Gewinnwarnungen gesunken – CFOs planen konservativer
Meldung

©Egor/fotolia.com

23.03.2026

Aktionärsrechte im Rückzug: Krise der Corporate Governance

Die Corporate Governance börsennotierter Unternehmen steht seit Jahren zwischen Reformanspruch und Vertrauenskrise. Obwohl gesetzliche Vorgaben und der Deutsche Corporate Governance Kodex Transparenz, Kontrolle und verantwortungsvolle Unternehmensführung sichern sollen, zeigen sich in der Praxis immer wieder deutliche Defizite. Im Interview erläutert Robert Peres, Rechtsanwalt und Vorsitzender der Initiative Minderheitsaktionäre, wo die strukturellen Schwächen liegen und warum

Aktionärsrechte im Rückzug: Krise der Corporate Governance
CORPORATE FINANCE Beratermodul

Haben wir Ihr Interesse für CORPORATE FINANCE geweckt?

Sichern Sie sich das Beratermodul CORPORATE FINANCE im 3 Monate Start-Abo (1 Monat gratis)