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28.06.2017

Industrie 4.0: Deutsche Unternehmen sehen größeres Potenzial als im Vorjahr

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© Coloures-pic/fotolia.com

Nur sechs von zehn Unternehmen fühlen sich gut vorbereitet. Datensicherheit und Kenntnisse der Mitarbeiter gelten als größte Hemmnisse bei der Umsetzung.

Nur sechs von zehn Unternehmen in Deutschland fühlen sich auf Industrie 4.0 gut vorbereitet. Gleichzeitig nehmen 91 Prozent die Digitalisierung der industriellen Produktion als Chance wahr. Im Durchschnitt erwarten deutsche Unternehmen hierdurch eine Produktivitätssteigerung von über 20 Prozent. Jedes zweite Unternehmen in Deutschland geht zudem davon aus, dass branchenfremde Konkurrenz, beispielsweise aus dem IT-Sektor, sein Kerngeschäft angreifen wird. In den USA hingegen erwarten dies fast alle Firmen (92 Prozent), in Japan immerhin noch 63 Prozent. Dies sind die wichtigsten Ergebnisse einer aktuellen Studie von McKinsey & Company mit dem Titel „Industry 4.0 – How to navigate digitization of the manufacturing sector“. Für die Studie wurden mehr als 300 Entscheider aus der Industrie in Deutschland, USA und Japan befragt.

Deutschland: Unternehmen investieren nur zurückhaltend in Industrie 4.0

„Die Digitalisierung hält mit hoher Geschwindigkeit Einzug in industrielle Fertigungsprozesse. Industrieunternehmen sollten bereits heute entscheiden, welche strategisch wichtigen Kontrollpunkte in der Wertschöpfungskette sie beherrschen müssen, um sich gegen potentielle neue Wettbewerber zu wehren“, erläutert McKinsey-Direktor Detlef Kayser, einer der Autoren der Studie. Anders als bei vorherigen Technologiesprüngen wird der Übergang zur Industrie 4.0 schrittweise erfolgen. Unternehmen erwarten, dass in den kommenden zehn Jahren rund 40 bis 50 Prozent des Maschinenparks ausgetauscht werden müssen – im Vergleich zu 90 Prozent bei der industriellen Automatisierung, der so genannten dritten industriellen Revolution.

„Viele Unternehmen fangen erst jetzt an, sich konkret mit Industrie 4.0 auseinanderzusetzen: Vorteile neuer Technologien wie dem 3D-Druck, Big Data und dem Internet der Dinge werden zu oft als Risiko und nicht als Chance gesehen, die Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen“, so Detlef Kayser weiter. Derzeit investieren deutsche Unternehmen nur 14 Prozent ihres jährlichen Forschungsetats in für Industrie 4.0 relevante Themen. Hier klafft eine zweifache Lücke: Zum einen geben US-Unternehmen mehr als doppelt so viel Geld aus. Zum anderen sind die 14 Prozent auch ein Unterinvestment gemessen an den eigenen Umsatzerwartungen, da sich die deutsche Industrie im Durchschnitt ein Umsatzwachstum von 20 Prozent dank der neuen Technologien erhofft. „Jedes Unternehmen muss für sein jeweiliges Kerngeschäft Lösungen entwickeln, um die Effizienz zu steigern und zusätzliche Erlösquellen zu erschließen“, so McKinsey-Partner Dominik Wee, Mitautor der Studie. Gemeinsame Initiativen und Standards innerhalb der Industrie könnten darüber hinaus ein Weg sein, Vorteile von Industrie 4.0 zu realisieren.

Als größte Hindernisse auf dem Weg zur Industrie 4.0 werden von den befragten Unternehmen das Wissen der Mitarbeiter, Datensicherheit und einheitliche Datenstandards gesehen. Stichwort Datensicherheit: Gut die Hälfte (57%) aller Unternehmen würde ihre Systeme zwar outsourcen, jedoch nur innerhalb Deutschlands (81 Prozent) oder Europas (33 Prozent).

Fünf Handlungsfelder auf dem Weg zur digitalen Produktion

Die McKinsey-Studie identifiziert fünf Handlungsfelder, auf denen Industrieunternehmen nun aktiv werden sollten:

  1. Daten besser nutzen. Unternehmen sollten die komplette Wertschöpfungskette und den gesamten Lebenszyklus eines Produkts digital abbilden. Bisher wird nur rund ein Prozent der in der Produktion anfallenden Daten genutzt – ein enormes Potenzial liegt damit brach. Softwaregestützte, präzise Wartungsvorhersagen können beispielsweise helfen, Maschinen besser zu nutzen – und so die Produktivität um bis zu 30 Prozent steigern. Insgesamt bietet Industrie 4.0 die Chance, systematisch alle Kostenpositionen auf den Prüfstand zu stellen.
  2. Fähigkeiten aufbauen. Die Digitalisierung erfordert von den Mitarbeitern neue Fähigkeiten – und Spezialisten, beispielsweise für die Analyse großer Datenmengen, sind rar gesät. Firmen müssen sich jetzt darum kümmern, diese Mitarbeiter zu finden und an sich zu binden.
  3. Zugang zum Kunden sichern. Unternehmen müssen entscheiden, welche strategischen Schnittstellen sie kontrollieren müssen, um den Kontakt zum Kunden zu behalten und sich gegen neue Wettbewerber zu behaupten.
  4. Schneller werden. Im IT-Sektor sind schnelle Updates und ständige Produktverbesserungen an der Tagesordnung. Industrieunternehmen sollten im Sinne einer „Two-speed IT“ neben ihrer bestehenden IT-Struktur gezielt Möglichkeiten eröffnen, Schnelligkeit wie in Startups abzubilden.
  5. Datensicherheit erhöhen. Die Abwehr von Cyberangriffen ist – zumal in einer komplett vernetzten Produktion – eine Aufgabe, die nicht in der IT-Abteilung allein gelöst werden kann, sondern auf die Vorstandsagenda gehört.

(Pressemitteilung McKinsey&Company vom 28.06.2017)


Redaktion

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