21.04.2026

Industrie investiert verstärkt im Ausland

Eine DIHK-Sonderauswertung der Konjunkturumfrage 2026 zu Auslandsinvestitionen macht die Schwächen am heimischen Standort deutlich.

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Die deutsche Industrie investiert immer öfter im Ausland. In diesem Jahr planen 43 % der Industriebetriebe Investitionen außerhalb von Deutschland – im Vergleich zum Vorjahr ist das ein Anstieg um 3 Prozentpunkte. Das ist das Ergebnis einer Sonderauswertung zu den Auslandsinvestitionen unter 1.700 Industrieunternehmen aus der aktuellen DIHK-Konjunkturumfrage.

Danach hat insbesondere das Motiv der Kosteneinsparung weiter an Bedeutung gewonnen. 41 % der Firmen wollen aus diesem Grund außerhalb Deutschlands investieren. Im Vergleich zum Vorjahr ist das ein sprunghafter Anstieg um sechs Prozentpunkte und zugleich der höchste Wert seit 2003. „Die sinkende Wettbewerbsfähigkeit des heimischen Standorts zwingt Unternehmen zu Verlagerungen ins Ausland“, erklärt Dr. Volker Treier, DIHK-Außenwirtschaftschef. „Die Gründe dafür sind eindeutig: steigende Kosten, strukturelle Probleme und eine schwache Konjunktur am Standort Deutschland”, erläutert DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier. „Die sinkende Wettbewerbsfähigkeit des heimischen Standorts zwingt Unternehmen zu Verlagerungen ins Ausland. Die Betriebe verlieren das Vertrauen in die Standortbedingungen hierzulande“.

Positive Rückwirkungen bleiben aus

Investitionen im Ausland haben in der Vergangenheit häufig die heimischen Standorte gestärkt und damit auch zu mehr Beschäftigung im Inland geführt. Insbesondere Auslandsinvestitionen zur Markterschließung oder zum Ausbau von Vertrieb und Kundendienst haben diese positiven Rückkopplungen. Hier ist die Investitionsbereitschaft allerdings rückläufig: Aktuell planen nur noch 31 % der Unternehmen, hauptsächlich zum Aufbau von Vertriebskanälen Kapital im Ausland einzusetzen. Im Vorjahr waren es noch 35 %, vor vier Jahren sogar 48 %. Der Anteil der Unternehmen, die hauptsächlich zur Markterschließung im Ausland investieren wollen, sinkt von 30 auf 28 %.

„Besonders problematisch ist, dass die früher üblichen positiven Rückwirkungen von Auslandsinvestitionen auf den heimischen Standort ausbleiben, weil die Unternehmen nun primär aus Kostengründen im Ausland investieren müssen. Das führt an den inländischen Standorten häufig zu starken Einschnitten“, so Volker Treier. Das zeigt sich in den Umfragewerten. Industriebetriebe, die Auslandsinvestitionen zur Kosteneinsparung planen, beabsichtigen zu 47 % Beschäftigung im Inland abzubauen und zu 44 % inländische Investitionen zurückzufahren.

Nordamerika verliert, Asien gewinnt

Die Umfrage zeigt deutliche Veränderungen in den Zielregionen deutscher Auslandsinvestitionen. Besonders Nordamerika verliert an Attraktivität. Der Anteil der Unternehmen mit Investitionsplänen dort sinkt von 48 auf 44 %. Gleichzeitig nimmt das Engagement in Asien wieder zu. In China steigt der Anteil der investierenden Industrieunternehmen von 31 auf 34 %. Auch die Region Asien/Pazifik (ohne China) gewinnt an Bedeutung und wächst von 21 auf 26 %. „Der Zollkonflikt mit den USA schürt Unsicherheiten und führt dazu, dass Unternehmen Entscheidungen vertagen. In Asien setzen die Unternehmen wieder stärker auf ‘local for local‘- insbesondere in China und Indien“, bewertet der DIHK-Außenwirtschaftschef die Ergebnisse. Die Eurozone bleibt bei weitem mit 64 % die wichtigste Region für deutsche Auslandsinvestitionen. Ihre Stabilität, der gemeinsame Binnenmarkt und die gemeinsame Währung bieten verlässliche Rahmenbedingungen. Gerade in geopolitisch unsicheren Zeiten ist das ein nicht zu unterschätzender Faktor bei Investitionsentscheidungen.

Strukturelle Probleme angehen

Die DIHK-Sonderauswertung macht deutlich, dass die Herausforderungen am Standort Deutschland nicht nur konjunktureller Natur sind. Hohe Energiepreise, steigende Arbeitskosten, lange Genehmigungsverfahren, steuerliche Belastungen und infrastrukturelle Defizite belasten die Unternehmen. „Die verfestigten strukturellen Probleme sind eine schwere Hypothek für den Standort Deutschland. Die Unternehmen brauchen dringend eine Entlastung, schnellere Verfahren und verlässliche Rahmenbedingungen. Ohne eine solche Agenda riskieren wir eine dauerhafte Abwanderung industrieller Wertschöpfung“, mahnt Volker Treier.

(DIHK vom 16.04.2026 / RES JURA Redaktionsbüro – vcd)


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