• Home
  • /
  • Meldungen
  • /
  • Industriesterben: Unternehmensschließungen nehmen zu

29.05.2024

Industriesterben: Unternehmensschließungen nehmen zu

Wie sehr die industrielle Basis im deutschen Mittelstand schwindet, zeigt die aktuelle Auswertung des ZEW Mannheim in Zusammenarbeit mit Creditreform.

Beitrag mit Bild

© djvstock/fotolia.com

Alleine 2023 sind 176.000 Unternehmen geschlossen worden. Insbesondere der Maschinenraum Deutschlands – die Industrie und die Bauwirtschaft – ist betroffen. Im verarbeitenden Gewerbe hatten zuletzt 2004 so viele Betriebe aufgegeben. Das ist u. a. das Ergebnis der neuesten Auswertung des Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) und der Creditreform Wirtschaftsforschung.

Zuerst sieht man es in den Innenstädten: Leere Schaufenster und verwaiste Ladengeschäfte nehmen zu – immer mehr Unternehmen schließen und scheiden aus dem Markt aus. Es sind aber nicht nur Händler, konsumnahe Dienstleister und Gastronomen, die aufgeben müssen. Auch das Baugewerbe und das verarbeitende Gewerbe verzeichnen seit 2021 signifikant steigende Schließungszahlen.

Wie sehr die industrielle Basis im deutschen Mittelstand schwindet, zeigt die aktuelle Auswertung des Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) aus Mannheim in Zusammenarbeit mit Creditreform. Alleine 2023 sind in Deutschland rund 176.000 Unternehmen geschlossen worden. Der Großteil von ihnen still und leise, lediglich 11 % der Schließungen sind Folge einer Insolvenzanmeldung. Gegenüber der Schließungszahl von 2022 bedeutet das einen Anstieg von 2,3 % – und zwar über alle Branchen und Unternehmensgrößen hinweg.

Sorgenkind Industrie

Der inhabergeführte Herrenausstatter, der Italiener um die Ecke oder der Traditions-Friseur sind die sichtbarsten Opfer der verschlechterten Wirtschaftslage. 2023 wurden rund 37.000 Handelsunternehmen geschlossen. Im Bereich der konsumnahen Dienstleistungen schlossen gut 51.000 Unternehmen. Das sind deutlich mehr als im Jahr 2018, doch im Vergleich zum Vorjahr ist der Trend im Handel (minus 0,8 %) und bei konsumnahen Dienstleistungen (minus 0,5 %) leicht rückläufig.

„Verwaiste Ladenlokale und leere Schaufenster treffen die Menschen in ihrer Umgebung wirtschaftlich und auch emotional. Die Schließungen in der Industrie aber treffen den Kern unserer Volkswirtschaft“, sagt Patrik-Ludwig Hantzsch, Leiter der Wirtschaftsforschung bei Creditreform. So ist die Anzahl der Schließungen im Baugewerbe von 2022 auf 2023 um 2,4 % auf 20.000 Unternehmen gestiegen – im verarbeitenden Gewerbe um 8,7 % auf 11.000 Schließungen. Das ist der höchste Stand seit dem Jahr 2004.

Forschungsintensive Branchen fallen zurück

Alarmierend ist, dass damit nicht nur die industrielle Basis schwindet. Unterscheidet man innerhalb des verarbeitenden Gewerbes noch einmal nach dem Innovationsgrad, fällt auf, dass die Zahl der Schließungen mit plus 12,3 % in forschungsintensiven Wirtschaftszweigen deutlich stärker ansteigt als in nicht forschungsintensiven Bereichen. „In Branchen wie der Möbelherstellung oder der Produktion von Spielwaren und Sportgeräten verzeichnen wir sogar sinkende Schließungszahlen“, berichtet Dr. Sandra Gottschalk, Senior Researcher beim ZEW. In anderen Bereichen, wie etwa der Chemie- und Pharmaindustrie, dem Maschinenbau und bei technologieintensiven Dienstleistungen scheiden jedoch mehr Unternehmen aus dem Markt aus“, so Gottschalk. Der Effekt ist dort zudem besonders stark, weil den Schließungen stagnierende Gründungen gegenüberstehen. „Wenn der Bestand nicht nachwächst, steigt die Zahl der Schließungen überproportional“, erläutert die Expertin.

„Derzeit bestimmen Turbulenzen bei prominenten und großen Unternehmen die Diskussion um eine mögliche De-Industrialisierung“, so Hantzsch. „Das leise Sterben vieler kleinerer Betriebe und hochspezialisierter Unternehmungen ist aber mindestens genauso folgenschwer. Hohe Energie- und Investitionskosten, unterbrochene Lieferketten, Personalmangel und politische Unsicherheit sind für die Wirtschaft ein toxischer Cocktail“, so der Creditreform-Sprecher.

(Creditreform vom 28.05.2024 / RES JURA Redaktionsbüro)


Weitere Meldungen


Meldung

© alexlmx/fotolia.com

16.09.2026

Was Private-Equity-Wertschöpfung wirklich entscheidet

Private-Equity-Investoren können sich immer weniger auf Multiple-Expansion verlassen. Längere Haltedauern und schwierigere Exit-Märkte erhöhen den Druck, Wert operativ zu schaffen. Die Studie „Winning the Value Creation Game“ von Radial, Keyplayer und dem Centre for Performance Management & Controlling der Frankfurt School zeigt, welche Hebel dabei entscheidend sind. Management als wichtigster Werttreiber Mehr als 100 Gespräche

Was Private-Equity-Wertschöpfung wirklich entscheidet
Meldung

© Creativa Images/fotolia.com

16.09.2026

Deutsche Unternehmen finanzieren China-Investitionen zunehmend aus Gewinnen vor Ort

Deutsche Unternehmen investieren weiter in China und finanzieren den Ausbau immer mehr aus eigenen Gewinnen vor Ort. Sie haben im ersten Halbjahr 2026 rund 5,6 Milliarden Euro zusätzlich in China investiert. Das zeigt eine IW-Auswertung auf Basis von Daten der Deutschen Bundesbank. Der Betrag lag rund ein Drittel über dem Vorjahreszeitraum. Im längerfristigen Vergleich bewegt

Deutsche Unternehmen finanzieren China-Investitionen zunehmend aus Gewinnen vor Ort
Meldung

peshkova/123rf.com

15.09.2026

KI hat Einfluss auf die Unternehmensrendite

Künstliche Intelligenz (KI) steht im Mittelpunkt der öffentlichen Diskussion um die digitale Transformation. Doch profitieren Unternehmen tatsächlich vom KI-Einsatz? Tatsächlich geht der KI-Einsatz im deutschen Mittelstand mit höherem Wachstum, besserer Rendite und steigender Produktivität einher. Das zeigt eine Analyse von KfW Research auf Basis des KfW-Mittelstandspanels. Allerdings profitieren nicht alle Unternehmen im gleichen Maß. KI-Nutzer

KI hat Einfluss auf die Unternehmensrendite
CORPORATE FINANCE Beratermodul

Haben wir Ihr Interesse für CORPORATE FINANCE geweckt?

Sichern Sie sich das Beratermodul CORPORATE FINANCE im 3 Monate Start-Abo (1 Monat gratis)