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07.09.2018

Innovationen im Mittelstand: Firmen stellen Effizienz über Wachstum

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© apops / fotolia.com

Nur 29 Prozent wollen laut einer aktuellen Umfrage ihre Investitionen in Innovationsaktivitäten erhöhen. Die Steigerung der Effizienz steht bei Innovation im Vordergrund – neue Ertragschancen sind dabei weniger wichtig. Der Fachkräftemangel und Bürokratie bremsen Innovationen.

Schwindet die Innovationskraft des deutschen Mittelstands? Dies legen die Ergebnisse einer aktuellen Mittelstandsumfrage der DZ BANK nahe. Nicht einmal ein Drittel aller befragten Unternehmen (29 Prozent) will in den nächsten drei Jahren seine Investitionen im Bereich Innovation steigern; bei den kleinen Unternehmen sind es sogar nur 20 Prozent. Nicht spezialisierte Einheiten oder Mitarbeiter, sondern die Geschäftsführung gibt in nahezu allen Unternehmen (97 Prozent) die Impulse für Innovationen. Nur die Hälfte der Mittelständler (51 Prozent) will mit ihren Investitionen in die Innovationskraft neue Geschäftsfelder erschließen oder neue Produkte entwickeln. Für 92 Prozent steht hingegen die Steigerung der Effizienz im Vordergrund. „Das ist grundsätzlich sinnvoll“, gibt DZ BANK-Firmenkundenvorstand Uwe Berghaus zu bedenken. „Aber es entsteht der Eindruck, dass im deutschen Mittelstand Innovationen nicht systematisch genug betrieben werden. Wenn Firmen deswegen den Anschluss an neue Märkte und Produkttrends verpassen, kann sich das rächen.“

Grundsätzliche Investitionsneigung unverändert hoch

Die gute Nachricht der repräsentativen Mittel­stands­umfrage: Es gibt kaum Unternehmen, die in den nächsten drei Jahren ihre Investitionen insgesamt verringern wollen (7 Prozent). Alle anderen planen, ihr Investitionsniveau zu steigern (40 Prozent) oder zumindest kon­stant zu halten (53 Prozent). Am meisten ausgeprägt ist die Investitionsbereitschaft bei den Unter­nehmen mit einem Jahresumsatz zwischen 25 und 50 Millionen Euro; von ihnen wollen mehr als die Hälfte (56 Pro­zent) in den nächsten drei Jahren ihre Investitionen steigern. Unter den Branchen ragen zwei heraus: 60 Prozent der Unternehmen aus Chemie und Kunststoff wollen mehr investieren, wohingegen es in der Agrarwirtschaft nur 21 Prozent sind. Über alle Sektoren und Größenklassen hinweg haben sie dabei vor allem Mitarbeiter (56 Prozent) sowie Investitionen in Digitalisierung und Software (57 Prozent) im Fokus; die großen Unternehmen** jeweils mit deutlicherer Ausprägung (68 und 82 Prozent).

Ausdrücklich in Innovation oder Forschung + Entwicklung wollen in den nächsten drei Jahren nur 29 Prozent aller Mittelständler mehr Geld stecken als jetzt. Auch bei den großen Mittelständlern sind es mit 33 Prozent nur wenig mehr als im Schnitt. Im Jahr zuvor war es noch mehr als die Hälfte (54 Prozent) der großen Unternehmen, die plante, in diesem Bereich mehr zu investieren.

Fachkräftemangel bremst Innovationskraft

Als größtes Hemmnis für ihre Innovationskraft empfinden die deutschen Mittelständler den Mangel an Fachkräften (68 Prozent). 58 Prozent von ihnen fühlen sich auch gebremst von gesetzlichen Vor­schriften. Berghaus: „Schon die letztjährige Umfrage zeigte, dass der Mangel an qualifizierten Mit­arbeitern für 61 Prozent der Unternehmen ein zentrales Investitionshindernis ist. Damals gab fast die Hälfte der vom Fachkräftemangel betroffenen Unternehmen an, auf Umsatz verzichten zu müssen. Der Befund dieses Jahres ist noch besorgniserregender, weil er nicht nur das aktuelle Geschäft, sondern die Zukunft der Unternehmen betrifft. Wenn bei zwei Dritteln der Mittelständler die Fachkräfte fehlen, um Innovationen voranzutreiben, leidet ihre Wettbewerbsfähigkeit.“

Mittelständler mit Innovationserfolgen oft nicht zufrieden

Ein weiterer Grund für die Zurückhaltung könnte sein, dass die Unternehmen den unmittelbaren Nutzen von Innovation nicht durchweg sehen. So gibt ein Viertel aller großen Mittelständler an, dass sich Innovation nicht lohne, weil die Margen durch neue Produkte oder Verfahren nicht besser würden. Und tatsächlich geben nur 51 Prozent aller Unternehmen an, dass sie mit den Umsatzsteigerungen, die sie durch frühere Investitionen in Innovation und Digitalisierung erzielt haben, zufrieden sind. Mit der Verbesserung der eigenen Wettbewerbsposition infolge von Innovationen sind sogar nur 46 Prozent zufrieden.

Effizienzsteigerung ist wichtigstes Ziel von Innovation

Wenn Mittelständler heute an ihre Investitionen in Innovation und Digitalisierung denken, feilen viele eher an der gegenwärtigen Aufstellung, anstatt nach vorn gerichtet auf neue Ertragschancen zu schauen. So steht für fast alle die Steigerung der Effizienz (92 Prozent) im Vordergrund. Auch dieses Ziel wird aber offenbar häufig nicht erreicht: Mit den Ergebnissen der entsprechenden Innovationsaktivitäten ist nur die Hälfte (Effizienzsteigerung) beziehungsweise ein Drittel (Kostenersparnis) zufrieden.

Firmen stehen unter steigendem Innovationsdruck

Derweil will nur die Hälfte aller Unter­nehmen mit Innovationen neue Geschäftsfelder erschließen und 59 Prozent sehen die Entwicklung neuer Produkte und Dienstleistungen als vorrangiges Ziel ihrer Innovationsaktivitäten. Dabei steigt gerade der Druck von außen deutlich an: Zwei Drittel (65 Prozent) der Unternehmen geben an, dass der Innovationsdruck in ihrer Branche zuge­nommen hat und sich die Zyklen verkürzt haben (60 Prozent). Außerdem stimmen 83 Prozent der Firmen der Aussage zu, dass Innovation vom Kunden und seinen sich verändernden Anforderungen getrieben werde. Folgerichtig haben in den letzten zwölf Monaten sieben von zehn Mittelständlern neue Produkte oder Leistungen eingeführt, obwohl Kostenreduktion das oberste Innovationsziel darstellt.

Berghaus: „Innovationskraft zeigt durchwachsenes Bild – Ziele bleiben erstaunlich defensiv“

„Der deutsche Mittelstand bringt zwar regelmäßig neue Produkte und Leistungen an den Markt, aber nach vorn gerichtet gibt die Innovationskraft des deutschen Mittelstandes ein durchwachsenes Bild“, erklärt Berghaus. „Der Fokus auf Effizienzsteigerung ist grundsätzlich sinnvoll, gerade im Zenit des Wirtschaftsaufschwungs. Doch die Motive für Innovationsaktivitäten sind damit erstaunlich defensiv. Der Ehrgeiz, neue Ertragspotenziale zu erschließen, wirkt gebremst.“

„Investition in systematisches Innovationsmanagement lohnt sich“

Berghaus sieht die Ursache für diese Entwicklung auch darin, dass viele Unternehmen mit dem zählbaren Ergebnis ihrer bisherigen Investitionen häufig nicht zufrieden waren. „Die vorhandene Unzufriedenheit hängt womöglich zusammen mit einem teils unsystematischen Vorgehen“, sagt er. Dies zeige sich unter anderem daran, dass die Impulse für Innovationen fast nie von spezialisierten Fachkräften, sondern von der Geschäftsführung (97 Prozent) oder vom Kunden (64 Prozent) kommen.

Uwe Berghaus: „Wir kennen zahlreiche Beispiele hoch innovativer Unternehmen aus dem deutschen Mittelstand. In der Breite beobachten wir jedoch, dass die Firmen sich eher intuitiv mit Innovation auseinandersetzen. Doch die Investition in ein systematisches Innovationsmanagement mit einer klaren Zielsetzung lohnt sich und ist auch für kleinere Unternehmen machbar. Für größere Mittelständler kann auch die Investition in professionelle Infrastrukturen oder eigene Innovationsteams sinnvoll sein.“

(Pressemitteilung DZ Bank vom 04.09.2018)


Redaktion

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