21.12.2018

IPO-Rekordjahr mit turbulentem Ende

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Corporate Finance

Trotz der zuletzt heftigen Marktturbulenzen wird 2018 das beste deutsche IPO-Jahr seit dem New-Economy-Boom. Wie Berechnungen der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC zeigen, beläuft sich das aggregierte IPO-Volumen ohne Greenshoe auf 10,4 Mrd. € und liegt damit erstmals in diesem Jahrtausend im zweistelligen Milliardenbereich. Entscheidend: Einzelne Milliardentransaktionen, die trotz des sich im Jahresverlauf zunehmend eintrübenden Kapitalmarktumfelds den Sprung an die Börse schafften.

Nach dem sprunghaften Anstieg der Volatilität und den teilweise erheblichen Kurseinbußen zogen sich Anleger zuletzt allerdings fast vollständig vom IPO-Markt zurück. Die Bilanz für das Gesamtjahr fällt daher zwiespältig aus. Von der Papierform her blicken wir auf ein Rekordjahr zurück – mit einem, wenn man nur auf die Volumina schaut, übrigens durchaus starken vierten Quartal, stellen die Studienautoren fest. Zugleich dürfe der aggregierte Transaktionsumfang nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich die knapp zehneinhalb Milliarden zum ganz überwiegenden Teil aus nur drei Börsengängen speisten.

Risikoaverse Investoren durch politische Gesamtlage

Das liegt der Studie zufolge auch an der politischen Gesamtlage. In Italien ringt die Regierung um einen Haushaltsentwurf, in Frankreich gibt es massive Proteste gegen die Agenda des Präsidenten, der Brexit droht zur Hängepartie zu werden, und die Handelskonflikte zwischen den USA und China beziehungsweise zwischen den USA und Europa könnten jederzeit eskalieren. In einem solch unsicheren Umfeld zeigten sich Investoren risikoavers und damit extrem sensitiv in Bezug auf Qualität, Liquidität und Bewertung von Neumissionen. Daneben sorgten auch erhebliche Mittelabflüsse aus europäischen Aktienfonds im Jahresverlauf für Zurückhaltung von Investoren.

Mit einigen IPOs dieses Jahr machten Investoren deutliche Verluste

Es waren allem internationale Schwergewichte wie Siemens Healthineers (49% Kursplus ggü. dem DAX seit Börsengang) oder Knorr-Bremse (+9%), die das Vertrauen der Investoren rechtfertigen. Dagegen wurden beispielsweise die Internethändler Westwing (-12%) und Home24 (-21%) seit ihrer Erstnotiz deutlich gerupft. Ähnliche Tendenzen zeigen sich im Anleihemarkt. Hier waren es vor allem die bekannten Investment-Grade-Emittenten (Seasones Issuer), die 2018 für das mit 100 Mrd. € vergleichsweise hohe Gesamtvolumen sorgten. Dagegen sahen sich Unternehmen mit schwächerer Bonität zunehmend höheren Spreads und damit höheren Finanzierungskosten ausgesetzt.

Die Pipeline ist weiterhin voll, schwieriger Start ins neue Jahr

Nach den Marktverwerfungen der vergangenen Wochen dürfte der Start ins neue Jahr in jedem Fall schwierig werden: Das globale Wachstum geht zurück, die Inflation zieht an und die Notenbanken fahren ihre Unterstützung zurück während zugleich die Zinsen steigen. Diese Gemengelage könnte die Gewinnaussichten vieler Unternehmen und auch die Bewertungen am Aktienmarkt empfindlich treffen. Allerdings: Bei zahlreichen Unternehmen scheinen bereits konkrete Vorbereitungen eines Börsengangs im kommenden Jahr zu laufen, darunter wiederum Großemissionen, wie bspw. die Lkw-Sparte von VW und die Powertrain-Einheit von Continental. Hinzu kommt: In den USA wird 2019 über die Börsengänge einer Reihe großer Technologiefirmen wie Uber, Lyft und Airbnb spekuliert, deren Erfolg mitentscheidend für das IPO-Klima insgesamt sein könnte.

IPO-Markt 2019 von großen Unsicherheiten geprägt

Der Studie zufolge war er Ausblick auf den IPO-Markt des nächsten Jahres selten so von großen Unsicherheiten geprägt wie aktuell. Ob das Emissionsvolumen des Jahres 2018 erneut erreicht oder gar übertroffen werden kann, wird vor allem auch davon abhängen, inwieweit die politischen Entwicklungen der kommenden Monate zu einer Beruhigung der Märkte und einer Rückkehr des Investorenvertrauens beitragen können.

Die Studie: Emissionsmarkt Deutschland Q4“ finden Sie hier zum Download.

(Pressemitteilung PwC vom 14.12.2018)


Redaktion

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