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12.03.2021

Corona-Pandemie sorgt für eine ambivalente Entwicklung der Digitalisierungsaktivitäten im deutschen Mittelstand

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© Coloures-Pic/fotolia.com

Die Corona-Pandemie hat im vergangenen Jahr einen Schub bei der Digitalisierung im deutschen Mittelstand ausgelöst. Bis Januar 2021 hat jedes dritte kleine und mittlere Unternehmen seine Digitalisierung ausgeweitet (33%), wie der aktuelle KfW-Digitalisierungsbericht zeigt. Digitalisierungsmaßnahmen waren ein wichtiges Hilfsmittel, die negativen Auswirkungen der Corona-Krise zu bewältigen. Dies lässt sich daran ablesen, dass vor allem Unternehmen, die spürbar – aber nicht existenziell – von der Krise betroffen sind (41%) und mit einer langen Krisendauer rechnen (39%) ihre Digitalisierungsanstrengungen ausgeweitet haben.

Diese Nachricht ist jedoch nur vordergründig eine gute, denn sie bedeutet zugleich, dass es sich bei den durchgeführten Vorhaben, um schnell umsetzbare und kurzfristig wirksame Vorhaben handelt. Dagegen ist davon auszugehen, dass langfristige und strategisch bedeutsame Vorhaben aufgrund der angespannten finanziellen Lage häufiger zurückgestellt wurden. Und: Ebenfalls ein Drittel (33%) der Mittelständler hierzulande hat 2020 unverändert keine Digitalisierungsmaßnahmen durchgeführt. Auch das zeigt, dass die Digitalisierung während der Corona-Pandemie kein Selbstläufer ist.

33% der Mittelständler weiten Digitalisierungsaktivitäten aus, allerdings auch weiterhin 33% ohne

Die Ergebnisse der aktuellen Analyse von KfW Research geben somit wenig Anlass zur Hoffnung, dass die deutsche Wirtschaft perspektivisch bei der Digitalisierung gegenüber ihren internationalen Wettbewerbern aufholt. Aktuell erreicht Deutschland bei der Verbreitung digitaler Technik in der Wirtschaft im internationalen Vergleich allenfalls einen Platz im Mittelfeld. Zuletzt hatten in den Jahren vor Corona die Digitalisierungsanstrengungen im Mittelstand hierzulande abgenommen, wie die repräsentative Analyse von KfW Research auf Basis des KfW-Mittelstandspanels belegt: In den Jahren 2017-2019 setzten nur noch 3 von 10 mittelständischen Unternehmen ein Digitalisierungsvorhaben um (-10 Prozentpunkte ggü. Vorperiode 2016-2018). Die Anzahl der Mittelständler mit abgeschlossenen Digitalisierungsvorhaben nahm um 380.000 auf gut 1,1 Mio. Unternehmen ab.

Meist nur schnell umsetzbare Maßnahmen zur Krisenbewältigung durchgeführt

Im Corona-Jahr 2020 haben nun vor allem große Mittelständler (50 und mehr Beschäftigte) mit einem Anteil von 58% ihre Digitalisierungsanstrengungen ausgeweitet. Unter den kleinen Unternehmen (unter 5 Beschäftigte) beträgt dieser Wert dagegen nur 32%. Besonders aktiv sind darüber hinaus – ebenfalls wie bereits in der Vergangenheit – die Forschung und Entwicklung (FuE)-treibenden Mittelständler (54% mit Ausweitung). Setzen sich diese Trends fort droht eine Spaltung des Mittelstands.

Vor allem große Mittelständler weiten Aktivitäten aus: Spaltung des Mittelstands droht

Die Digitalisierung ist ein Hoffnungsträger für die Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit in breiten Teilen der Wirtschaft und für das Wiederanspringen der Produktivitätsentwicklung. Für den Mittelstand gilt es, mit dem erwarteten Abflauen der Krise im weiteren Verlauf dieses Jahres das Momentum bei der Digitalisierung weiterzuführen und über Homeoffice und Videokonferenzen als neue Errungenschaften hinauszugehen, stellen die Autoren des Berichts fest. Die Firmen müssten nun strategische Digitalisierungsvorhaben angehen und diejenigen Eigenschaften, die sich in der Krise als vorteilhaft erwiesen haben – wie Flexibilität, Initiative und Unternehmergeist – auch langfristig sichern und weiterentwickeln. Dies dürfe vielen Unternehmen schwerfallen. Die angespannte Liquiditätslage und der im Verlauf der Krise gestiegene Verschuldungsgrad dürfte die Durchführung entsprechender Projekte im Nachgang der Krise erschweren.

Zudem sei durch die Pandemie bei vielen Unternehmen auch der Wunsch nach Erhöhung der Krisenfestigkeit gestiegen. Um diesem Zielkonflikt aus Krisenresilienz und Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit entgegenzusteuern, seien nun Investitionsanreize für die digitale Transformation und eine Verbesserung der Rahmenbedingungen nötig. So kann es gelingen, die notwendige Transformation hin zur Digitalisierung zu bewerkstelligen, international den Anschluss zu behalten und die Wachstumschancen zu nutzen, erklären die Autoren. Ansatzpunkte für die Wirtschaftspolitik seien laut des KfW-Digitalisierungsberichts etwa Verbesserungen bei Förderkrediten, steuerliche Anreize und Zuschüsse für explizite Forschungsvorhaben, eine Verbesserung der Rahmenbedingungen durch Aus- und Weiterbildung von Fachkräften sowie der Ausbau der Versorgung mit schnellem und störungsfreiem Internet oder auch Anschubprojekte der öffentlichen Hand, wie GAIA-X.

Der aktuelle KfW-Digitalisierungsbericht ist hier abrufbar.

(Pressemitteilung KfW vom 11.03.2021)


Redaktion

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