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09.08.2022

Klimaampel springt auf rot: Stimmung auf deutschem Venture-Capital-Markt wird frostiger

Die inflationsbedingte Ankündigung steigender Leitzinsen hat bereits im 1. Quartal 2022 dazu geführt, dass das Geschäftsklima auf dem deutschen Venture-Capital-Markt eingeknickt ist. Eine historische Zinserhöhung durch die FED in den USA und Erwartungen über einen strafferen Kurs der EZB haben die Stimmung im 2. Quartal weiter auf Talfahrt geschickt, so das German Venture Capital Barometer, das die Förderbank KfW und der Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften BVK unter den rund 200 Mitgliedern des BVK sowie weiteren deutschen Beteiligungsgesellschaften vierteljährlich erheben.

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© WrightStudio/fotolia.com

Venture-Capital-Geschäftsklima wiederholt mit deutlicher Abkühlung

Der Geschäftsklimaindikator des Frühphasensegments fällt um 26,0 Zähler auf -18,5 Saldenpunkte. Die Geschäftserwartungen haben sich dabei noch stärker eingetrübt als die Geschäftslage. Der Indikator für die aktuelle Geschäftslage sinkt auf -7,6 Saldenpunkte (-20,6), der Indikator für die Geschäftserwartung verliert 31,4 Zähler auf -29,4 Saldenpunkte.

Harte Zinswende vermiest Venture-Capital-Markt die Stimmung

Das Venture-Capital-Geschäftsklima hat sich laut des German Venture Capital Barometers auch im zweiten Quartal 2022 weiter abgekühlt. Die Märkte haben sich von der Konsequenz und Stärke mit der die FED die Zinswende nun durchzieht, überrascht gezeigt, stellen die Studienautoren fest. Das habe Fundraising und Bewertungen auf dem Venture-Capital-Markt unter Druck gesetzt. Solange die Inflationsraten hoch bleiben, kann es immer wieder zu Momenten kommen, in denen Zinsschritte der Notenbanken von den Erwartungen abweichen und zu Marktausschlägen führen, die Unsicherheit im Venture-Capital-Markt wird kurzfristig also hoch bleiben, so die Einschätzung der KfW- Konjunkturforscher. Doch auch wenn sich die Unsicherheit lege, werde das Dealvolumen wohl hinter dem Ausnahmejahr 2021 zurückbleiben. Ein Absturz sei nach aktuellem Kenntnisstand aber unwahrscheinlich. Grundsätzlich befinde man sich in der Übergangsphase von einem ‚heißen‘ in einen ‚kühleren‘ Markt.

Fundraisingklima bricht ein – zweithöchster Rückgang nach Corona-Schock

Steigende Zinsen machen für Fondsinvestoren die Assetklasse Venture Capital gegenüber sichereren Anlagen unattraktiver. Mit dem großen Zinsschritt ist deshalb auch das Fundraisingklima bei Venture-Capital-Fonds weiter eingebrochen. Es ist nach dem Corona-Schock der bisher zweithöchste Rückgang des Fundraisingklimas. Aktuell ist eine schnelle V-förmige Erholung, wie nach Ausbruch der Pandemie, angesichts der veränderten makroökonomischen Fundamentaldaten unwahrscheinlich.

Zinsaussichten drücken Unternehmensbewertungen

Die Reaktion der Notenbanken hat bereits an den öffentlichen Märkten den Kursen von Technologieaktien einen weiteren Dämpfer versetzt. Die fallenden Kurse werden sich nach und nach auch in den Bewertungen neuer Finanzierungsrunden an den privaten Beteiligungsmärkten widerspiegeln. Der Stimmungsindikator zum Wertberichtigungsdruck verliert entsprechend deutlich. Die sinkenden Unternehmensbewertungen führen andererseits dazu, dass sich wieder günstigere Einstiegsgelegenheiten bieten. Der Indikator zu den Einstiegsbewertungen gewinnt vor diesem Hintergrund deutlich hinzu.

Hohe Unsicherheit belastet Investitionsbereitschaft

Die hohe Unsicherheit im Markt belastet die Investitionsbereitschaft. Trotz der günstigeren Einstiegsgelegenheiten ist der entsprechende Indikator eingeknickt, insbesondere die Erwartungskomponente. Für die mittlere Frist bleiben die Aussichten für die Investitionstätigkeit aber gut. Denn aufgrund der sehr guten Fundraising Bedingungen der letzten Jahre sind noch viele freie Mittel, sogenanntes „dry powder“, im Markt.

Stimmung bezüglich Zinsniveau auf Kapitalmärkten auf Rekordtief

Die Fortsetzung der Stimmungsabkühlung kam laut der Studienautoren angesichts der wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen nicht unerwartet. Erfreulicherweise sei die trübere Stimmung der Kapitalgeber nicht ebenso abrupt auf deren Investitionstätigkeit durchgeschlagen. Die Investitionen zeigten sich laut des Venture-Capital-Barometers im ersten Halbjahr robust. Durch die erfolgreichen Fundraising-Jahre 2020 und 2021 stehen den Gesellschaften den Studienautoren zufolge noch erhebliche Mittel zur Verfügung, um bestehende Beteiligungen durch die aktuell schwierige Zeit zu bringen aber auch, um die sich aktuell bietenden Chancen zu nutzen. Hierfür sprechen die hohe Qualität des Dealflows und die gesunkenen Einstiegsbewertungen. Sorgen bereitet vielmehr der Blick auf die Exit-Situation. Erfolgreiche Verkäufe zu attraktiven Bewertungen dürften im aktuellen Umfeld schwierig sein, so die Prognose der Studienautoren.

Das aktuelle German Venture Capital Barometer ist hier abrufbar.

(Pressemitteilung KfW vom 09.08.2022)


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