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28.07.2020

KMU-Anleihemarkt 1. Halbjahr 2020: Transaktionszahl steigt, Platzierungsvolumen rückläufig

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© cardephotography/fotolia.com

Der deutsche Markt für KMU-Anleihen zeigt in dem von der Coronakrise gekennzeichneten ersten Halbjahr 2020 ein gemischtes Bild. Während sich die Anzahl der Emissionen leicht auf 14 Anleihen erhöhte (H1 2019: elf Emissionen), reduzierte sich das platzierte Volumen deutlich um 40% auf 304,7 Mio. € (H1 2019: 508,0 Mio. €). Verglichen mit dem angestrebten Zielvolumen der Anleiheemissionen von 455 Mio. € lag die Platzierungsquote bei durchschnittlich 67% (Vorjahr: 93,6%). Der Kupon erhöhte sich im Durchschnitt über alle Transaktionen um 31 Basispunkte auf 5,54% p.a. Das zeigt ein von der Investor Relations-Beratung IR.on AG durchgeführter Rückblick auf das erste Halbjahr 2020 zum deutschen KMU-Anleihemarkt.

Dominierende Branche unter den 13 KMU-Anleiheemittenten im Betrachtungszeitraum war erneut der Immobiliensektor (vier Unternehmen; 31% der Emittenten). Auf Rang zwei liegt die Lebensmittel & Getränke-Branche (drei Emittenten, 23%). Insgesamt stammen die Emittenten aus acht unterschiedlichen Branchen, was den Trend zu einer größeren Branchenvielfalt bestätigt.

14 Emissionen von 13 Emittenten mit einem platzierten Volumen von 304,7 Mio. €

Lediglich vier Anleihen (29%) wurden vollplatziert. Damit lag der Anteil vollplatzierter Emissionen deutlich unter Vorjahresniveau (H1 2019: 64%). Entgegen der Ergebnisse der letzten Jahre waren im ersten Halbjahr 2020 Erstemissionen (sieben Emissionen, vier vollplatzierte Anleihen) erfolgreicher als Folgeemissionen (sieben Emissionen, keine Vollplatzierung).

Coronakrise auch am deutschen Markt für KMU-Anleihen spürbar

Die Auswirkungen der Coronakrise sind laut der Studie auch am deutschen Markt für KMU-Anleihen ablesbar. Obwohl das Zielvolumen in H1 2020 nur leicht unter Vorjahresniveau (-16%) liegt, hat sich der Platzierungserfolg deutlich reduziert und das platzierte Volumen liegt um 40% unter dem des Vorjahres. Dies spricht nach Aussage der Studienautoren dafür, dass Investoren in der Krise bei Neuemissionen weniger zugriffen und bei ihren Engagements stärker selektierten. Eine Rolle spielte dabei möglicherweise auch, dass neun der 14 Anleihen in Eigenregie begeben wurden und dadurch der nötige Investorenzugang der Emissionsbanken fehlte.

Solider Markt verzeichnete keinen Ausfall einer KMU-Anleihe

Bei den Emissionsvolumina lag das Gros der Transaktionen im Bereich bis zu 50 Mio. € (zehn Anleihen, 71%). Drei Emissionen erzielten 50 Mio. €, im Volumen von 100 Mio. € wurde lediglich eine Anleihe (momox GmbH) begeben. Damit vereinen vier Transaktionen 82% des platzierten Volumens

Die Laufzeiten der KMU-Anleihen in den ersten sechs Monaten 2020 reichen von zwei bis sechs Jahren, wobei fünfjährige Laufzeiten weiterhin am häufigsten vertreten sind (zehn Anleihen, 71%). Insgesamt zeigte sich der Markt solide und verzeichnete keinen Ausfall einer KMU-Anleihe.

Zwischenfazit 2020: Zweite Jahreshälfte könnte Aufholeffekte zeigen

Zu Jahresbeginn hatte die IR.on AG neun im KMU-Segment aktive Emissionsbanken nach ihrer Prognose für das laufende Jahr 2020 befragt. Die Emissionshäuser hatten durchschnittlich für das Gesamtjahr 23 Emissionen erwartet. Damit waren sie mit ihrer Prognose optimistischer als zu Beginn des Jahres 2019 (21 erwartete Emissionen), jedoch zurückhaltend im Vergleich zum tatsächlichen 2019er Niveau (40 Emissionen). Zu diesem Zeitpunkt war die gravierende Coronakrise noch nicht absehbar. Die Zahl der aktuell laufenden Emissionen sowie das Feedback von Marktteilnehmern lassen laut der Studienautoren allerdings darauf schließen, dass die Gesamtzahl der Emissionen auch am Ende dieses Jahres höher als die Prognose liegen könnte.

Durchschnittlicher Kupon mit 5,54% p.a. +31 Basispunkte über Vorjahreszeitraum

Alle befragten Emissionsbanken erwarteten zu Beginn des Jahres stagnierende Kupons, tatsächlich stiegen diese im Vergleich zum ersten Halbjahr 2019 um 31 Basispunkte auf durchschnittlich 5,54% p.a. Richtig lagen die Emissionsbanken bislang bei ihrer Erwartung, dass die Immobilienbranche den Markt weiterhin dominiert.

Börsennotiz und Emissionserfahrung machen sich bemerkbar

Mit Blick auf die fortlaufende Untersuchung der Kommunikation der Emittenten stellt die Studie fest, dass sich Börsennotiz und Emissionserfahrung positiv bemerkbar machen. Die Studienautoren haben die IR-Webseiten der 13 Emittenten im ersten Halbjahr 2020 hinsichtlich grundlegender IR-Informationen untersucht und mit einem Transparenzindex, dem sog. IR.score, versehen. Erneut habe sich hier gezeigt, dass die Investorenkommunikation von börsennotierten Unternehmen und von Folgeemittenten in der Regel den Mindestanforderungen genügt. Erstemittenten weisen hingegen häufig Defizite bei den IR-Standards auf. Insgesamt hat sich der durchschnittliche IR.score jedoch gegenüber dem Vorjahreszeitraum verschlechtert, so das Ergebnis der Analyse. Dazu beigetragen hat laut der Studienautoren auch, dass zwei Emittenten auf ihren Webseiten keine Informationen für Investoren zur Verfügung stellen.

Die komplette Studie ist hier erhältlich.

(Pressemitteilung IR.on vom 24.07.20020)


Redaktion

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