• Home
  • /
  • Meldungen
  • /
  • Knapp die Hälfte der deutschen Konzerne plant Divestments

12.05.2017

Knapp die Hälfte der deutschen Konzerne plant Divestments

Beitrag mit Bild

© Bits and Splits/fotolia.com

46% der deutschen Unternehmen wollen in den nächsten zwei Jahren Firmenteile verkaufen. Hauptgründe sind die Digitalisierung und weltweite politische sowie ökonomische Unsicherheiten.

Die Digitalisierung und weltweite politische sowie ökonomische Unsicherheiten sorgen für ordentlich Bewegung im Portfolio deutscher Unternehmen: Bald die Hälfte (46 Prozent) der befragten Unternehmen will sich in den kommenden zwei Jahren von Unternehmensteilen trennen. Das sind zwar zwei Prozentpunkte weniger als im Vorjahr. Allerdings ist der Wille, Teilbereiche abzuspalten – sogenannte Divestments zu tätigen – ausgeprägter als im weltweiten Vergleich, wo 43 Prozent entsprechende Pläne haben.

Getrieben werden die Unternehmen vor allem von makroökonomischen Faktoren – also beispielsweise Schwankungen bei Währungen und Rohstoffpreisen. Diese waren laut eigener Aussage für 67 Prozent der deutschen Unternehmen ausschlaggebend für das letzte große Divestment, das sie getätigt haben. Auch global war dies der wichtigste Punkt: 62 Prozent der Unternehmen trennten sich vor allem deshalb von Unternehmensteilen.

Während für deutsche Unternehmen die geopolitische Unsicherheit aufgrund weltweiter Protektionismustendenzen oder des Brexit der zweitwichtigste Grund war (51 Prozent), ein Divestment zu tätigen, stand bei internationalen Unternehmen mit einem Anteil von 50 Prozent eher der technologische Wandel – unter anderem aufgrund der Digitalisierung – im Vordergrund.

Alle diese Punkte werden nach Einschätzung der deutschen Unternehmen im laufenden Jahr noch an Bedeutung gewinnen: 76 Prozent halten es für wahrscheinlich, dass die Schwankungen bei Währungen und Rohstoffpreisen die Wahrscheinlichkeit eines Divestment im laufenden Jahr erhöhen. 73 Prozent erwarten eine zunehmende Bedeutung der geopolitischen Unsicherheiten und 61 Prozent glauben an steigende Risiken und Chancen durch neue Technologien.

Das sind Ergebnisse der aktuellen Global Corporate Divestment Study der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY (Ernst & Young). Für die Studie wurden weltweit mehr als 900 Konzerne befragt, davon 72 aus Deutschland.

Alexander Kron, Leiter des Bereiches Transaktionsberatung bei EY, kommentiert die Ergebnisse: „Die Bereitschaft der Unternehmen zu radikalen Eingriffen in ihr Geschäftsmodell ist hoch. Bei den Entscheidungen für oder gegen ein Investment spielt immer ein ganzes Bündel von Faktoren eine Rolle und nicht nur ein Punkt alleine.“ Carsten Kniephoff, Partner und Divestiture Advisory Services Leader bei EY, ergänzt: „Doch der Hauptgrund – gerade in der überdurchschnittlich exportorientierten deutschen Wirtschaft – ist derzeit die zunehmende weltweite Unsicherheit. Währungsschwankungen sowie politische Entscheidungen wie der Brexit oder die mögliche Abschottung wichtiger Märkte vom Freihandel stellen Standorte und Geschäftsfelder in Frage. Allerdings sollten Unternehmen nicht zu überhastet darauf reagieren.“

Für deutsche Unternehmen steht Schnelligkeit im Vordergrund

Offenbar hatten es in der jüngsten Vergangenheit vor allem die deutschen Unternehmen angesichts der hohen Volatilität eilig: Für 56 Prozent stand Schnelligkeit beim Verkauf von Unternehmensteilen im Vordergrund, 44 Prozent achteten eher auf den erzielbaren Wert beim Divestment. Weltweit war das Verhältnis umgekehrt: Für 69 Prozent stand der Wert im Vordergrund, nur für 31 Prozent kam es auf Schnelligkeit an.

„Nur keine Panik“, rät Kniephoff den Unternehmen. „Langfristig haben sie mehr davon, vorauszuplanen. Es zahlt sich aus, für verschiedene Szenarien zu planen, eine glaubwürdige Verkaufsstory zu entwickeln und gezielt mögliche Käufer zu identifizieren. Am Ende ist es somit auch deutlich wahrscheinlicher, einen höheren Verkaufspreis zu erzielen.“

62 Prozent der deutschen Unternehmen bewerten letztes Divestment positiv

Alles in allem bewerten die deutschen Unternehmen ihre jüngsten Verkäufe überwiegend positiv. 62 Prozent sagen, dass sich der Verkauf für sie gelohnt habe. Allerdings sagen immerhin noch 38 Prozent, dass es sich nicht gelohnt habe. Weltweit sieht die Zufriedenheit deutlich besser aus: 76 Prozent sind mit ihrem letzten Verkauf zufrieden, nur 24 Prozent sagen, er habe sich für sie nicht ausgezahlt.

„Deutsche Unternehmen haben aufgrund ihrer überdurchschnittlich hohen Exportausrichtung eher das Problem, sich in unruhigen Märkten von Unternehmensteilen trennen zu müssen. Das kann oft zu unbefriedigenden Verkaufspreisen führen“, erklärt Kniephoff die geringere Zufriedenheit in Deutschland.

In der Regel ist es nämlich leichter, höhere Preise zu erzielen, wenn nicht ungünstige politische beziehungsweise ökonomische Faktoren Auslöser für den Verkauf sind, sondern eine technologische Neuausrichtung des Unternehmens. So ist die Wahrscheinlichkeit, einen höheren Preis als angestrebt zu erzielen, nach EY-Berechnungen 21 Prozent höher, wenn das Divestment aufgrund einer technologischen Neuausrichtung erfolgt. Dagegen sinkt die Wahrscheinlichkeit um 31 beziehungsweise 20 Prozent, wenn geopolitische beziehungsweise makroökomische Gründe hinter dem Verkauf stehen.

„Hinter Trennungen von Firmenteilen aufgrund einer technologischen Neuausrichtung steht häufig ein langfristiger Plan. Unternehmen, die auf die Digitalisierung setzen wollen, benötigen häufig Geld für Investitionen in diesen Bereich und versuchen, die notwendigen Mittel durch den Verkauf alter Geschäftsmodelle zu erlösen. Gleichzeitig können die abgestoßenen Firmenteile durchaus noch in das Portfolio eines potenziellen Käufers passen, der deshalb auch bereit ist, höhere Preise zu zahlen. Das ist natürlich anders, wenn eine Region beispielsweise durch politische Unruhen als zu risikoreich eingeschätzt wird. Das würde auch potenzielle Käufer tendenziell eher abschrecken“, erklärt Kniephoff.

(Pressemitteilung EY vom 11.05.2017)


Redaktion

Weitere Meldungen


Meldung

irrmago/123rf.com

22.10.2026

Investitionsausfälle wachsen auf 420 Milliarden Euro

Der deutschen Wirtschaft sind seit 2020 Investitionen in Milliardenhöhe entgangen. Die Summe entspricht rund 9 % Prozent aller Bruttoanlageinvestitionen der vergangenen sechseinhalb Jahre. Für die Berechnungen hat das IW die tatsächlichen Bruttoanlageinvestitionen vom ersten Quartal 2020 bis zum zweiten Quartal 2026 mit einem Verlauf ohne Pandemie, geopolitischen Krisen und Strukturproblemen in Deutschland verglichen. Investitionen kommen fast

Investitionsausfälle wachsen auf 420 Milliarden Euro
Meldung

pitinan/123.rf.com

21.10.2026

Deutschland bleibt bei KI hinter der Weltspitze

Der internationale Wettbewerb um künstliche Intelligenz gewinnt weiter an Dynamik: Laut einer neuen Untersuchung der Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG) haben sich seit 2024 acht Volkswirtschaften bei den Voraussetzungen für den KI-Einsatz so deutlich verbessert, dass sie in eine höhere Bewertungsgruppe aufgestiegen sind. Besonders Japan und Südkorea haben aufgeholt und gehören nun gemeinsam mit den

Deutschland bleibt bei KI hinter der Weltspitze
Meldung

©scandinavianstock/123rf.com

20.10.2026

KPMG CEO Outlook 2026: Die Zuversicht kehrt zurück

Die Konjunkturaussichten für Deutschland haben sich zuletzt aufgehellt und auch in den deutschen Chefetagen kehrt vorsichtiger Optimismus zurück: 86 % der deutschen CEOs erwarten Wachstum für ihr Unternehmen in den kommenden drei Jahren. Das sind 14 %punkte mehr als im Vorjahr und der erste Anstieg seit mehreren Jahren (2025: 72 %; 2024: 77 %; 2023: 80 %). Im selben Zeitraum

KPMG CEO Outlook 2026: Die Zuversicht kehrt zurück
CORPORATE FINANCE Beratermodul

Haben wir Ihr Interesse für CORPORATE FINANCE geweckt?

Sichern Sie sich das Beratermodul CORPORATE FINANCE im 3 Monate Start-Abo (1 Monat gratis)