Die deutsche Wirtschaft zeigt zum Jahresende 2026 wieder Wachstumssignale. Das aktuelle Konjunkturbarometer des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) steigt deutlich über die neutrale 100-Punkte-Marke. Doch der Aufschwung bleibt fragil: Während Industrie und staatliche Investitionen die Konjunktur stützen, halten sich private Unternehmen weiterhin mit Investitionen zurück. Hohe Energiepreise und ungünstigere Finanzierungsbedingungen erschweren die Planung.
Industrie sorgt für Wachstumsschub
Das DIW-Konjunkturbarometer ist im Oktober 2026 von 95,9 auf 101,5 Punkte gestiegen. Damit liegt es erstmals seit Februar wieder über der neutralen Marke von 100 Punkten, die ein durchschnittliches Wirtschaftswachstum signalisiert. Nach einem voraussichtlich schwachen dritten Quartal erwarten die Ökonomen für das Schlussquartal eine spürbare konjunkturelle Belebung.
Treiber dieser Entwicklung ist insbesondere die Industrie. Die Produktion hat sich zuletzt erholt, unter anderem im Maschinenbau. Auch die Bauwirtschaft profitiert von umfangreichen Infrastrukturprojekten. Nach Einschätzung des DIW sorgen vor allem staatliche Verteidigungs- und Infrastrukturaufträge für zusätzliche Nachfrage. Die Auftragsbestände der Industrie nehmen wieder zu.
Private Investitionen bleiben aus
Trotz der verbesserten Aussichten ist von einem breit getragenen Aufschwung noch wenig zu erkennen. Insbesondere die privaten Investitionen entwickeln sich weiterhin schwach. Unternehmen zögern angesichts wirtschaftlicher Unsicherheiten, zusätzliche Investitionen vorzunehmen.
Hinzu kommen erhebliche Kostenbelastungen. Der Ölpreis liegt laut DIW weiterhin deutlich über 100 US-Dollar, während die Gaspreise vor dem Winter den höchsten Stand seit 2022 erreicht haben. Die Inflationsrate ist im September wieder über drei Prozent gestiegen. Die Europäische Zentralbank reagierte darauf mit einer Zinserhöhung, wodurch sich die Finanzierungsbedingungen für Unternehmen und Bauherren verschlechterten.
CFOs zwischen Investitionsbedarf und Liquiditätssicherung
Für Finanzverantwortliche ergibt sich daraus ein Spannungsfeld. Einerseits können steigende Auftragsbestände und eine anziehende Produktion zusätzliche Investitionen in Kapazitäten und Betriebsmittel erforderlich machen. Andererseits erhöhen Energiepreise, Finanzierungskosten und konjunkturelle Unsicherheiten den Druck auf Liquidität und Rentabilität. Damit gewinnen eine vorausschauende Liquiditätsplanung, die Steuerung des Working Capital und eine sorgfältige Priorisierung von Investitionsprojekten an Bedeutung.
Für eine nachhaltige wirtschaftliche Erholung reicht der staatliche Nachfrageimpuls nach Einschätzung des DIW nicht aus. Entscheidend wird sein, ob auch die privaten Unternehmen ihre Investitionstätigkeit wieder ausweiten. Voraussetzung dafür sind insbesondere sinkende Energiepreisrisiken und verlässlichere wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen.
(DIW vom 28.10.2026 / RES JURA Redaktionsbüro – vcd)

