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14.06.2019

Konzerne ziehen mehr Gewinn aus Partnerschaften mit Start-ups als umgekehrt

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Corporate Finance

Kooperationen zwischen großen Konzernen und Start-ups treten derzeit in eine neue Reifephase ein. Die Euphorie der vergangenen Jahre geht zu Ende, zugleich steigen die Anforderungen an Professionalisierung. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie „After the Honeymoon Ends: Making Corporate-Startup Relationships Work“, die Partnerschaften zwischen Großkonzernen und Start-ups im deutschsprachigen Raum analysiert. Erstellt haben die Studie Experten der Strategieberatung Boston Consulting Group und der Business-Building-Einheit BCG Digital Ventures. Danach fällt die Bilanz durchwachsen aus: Gerade einmal die Hälfte (55% der Konzerne sowie 45% der Start-ups) sind zufrieden mit den Kooperationen.
Momentan herrsche bei Kooperationen häufig Frust. Dennoch beobachten die Studienautoren gerade jetzt den Beginn einer neuen Phase der Zusammenarbeit, in der beide Seiten aus ihren Erfahrungen lernen und ihre Partnerschaften mit klareren, realistischeren Erwartungen gestalten. Angesichts immer kürzerer Innovationszyklen liegt in solchen Kooperationen ein großes Potenzial, so die Studie.
DAX-30-Unternehmen setzen auf Know-how von Start-ups
Kooperationen erscheinen sowohl Großunternehmen als auch Gründern aus einer Reihe von Aspekten attraktiv: Große Unternehmen versprechen sich davon eine schnellere und bessere Digitalisierung des eigenen Geschäftsmodells, so die Studie. Start-ups würden sich durch Kooperationen wichtige Marktzugänge erhoffen. Vor allem die DAX-30-Unternehmen hätten das Potenzial mittlerweile erkannt. Sie würden über große Ressourcen verfügen und könnten so mehrere Projekte in diesem Bereich parallel vorantreiben. Zudem stünden sie gegenüber ihren Aktionären in der Pflicht, innovativ sowie disruptiv zu sein.
Unternehmen setzen auf Innovations- und Digitallabore
In Deutschland setzen 29 der DAX-30-Unternehmen auf mindestens ein Innovationsvehikel, zeigt die Studie. Am beliebtesten sind bei ihnen Innovations- oder Digitallabore. Im Durchschnitt verfügen die Firmen über drei der externen Vehikel, ein Fünftel der DAX-Konzerne setzt sogar auf alle fünf Formen. Anders sieht es bei Familienunternehmen aus: Hier nutzt nur etwas mehr als die Hälfte ein Innovations-vehikel, und nur 2% greifen auf die gesamte Palette zurück.
Die Analyse nach Branchen zeigt große Unterschiede. In Deutschland sind vor allem die Finanzindustrie, die Automobilbranche sowie der Chemie- und Pharmasektor Vorreiter auf dem Gebiet und gehen die meisten Partnerschaften mit Start-ups ein. In einer schnelllebigen Welt sei es gerade für Konzerne unerlässlich, auf Partnerschaften mit Start-ups zu setzen. Kleinere und mittlere Unternehmen müssten hier noch aktiver werden, damit sie auch weiterhin Hidden Champions und für digitale Talente attraktiv bleiben können.
Hohe Erwartungshaltung wird nicht immer erfüllt
Kooperationen zwischen großen Unternehmen und Start-ups kennzeichnet, dass die Erwartungen in der Regel sehr hoch sind. Dementsprechend sei das Risiko der Enttäuschung ebenfalls hoch. 40% der großen Unternehmen kritisieren, dass während der Kooperation zu wenige Pilotprojekte gestartet und keine neuen Geschäftsmodelle entwickelt wurden. Ebenfalls über 40% der Gründer sind – trotz Anfangseuphorie – enttäuscht, dass ihre Ziele nicht erfüllt werden, sie also keinen sichtbaren Umsatzzuwachs durch besseren Marktzugang oder neue Vertriebskanäle erzielen konnten. Das Frustpotenzial sei auf beiden Seiten hoch, wenn Entscheidungen nicht schnell und vor allem intransparent getroffen werden oder das Gefühl einer ungleichen Partnerschaft besteht, zeigt die Analyse.
Potenzial bei Kooperationen ist bei Weitem nicht ausgeschöpft
Laut der Studie scheitern noch vergleichsweise viele Kooperationen an unterschiedlichen Vorstellungen der Partner. Große Unternehmen müssten lernen, wie ein Investor zu denken, und pro Partnerschaft eine klare Investmentstrategie entwickeln. Dies beinhalte die Umsetzung einer aktiven Governance, Zugang zu wertschaffenden Ressourcen sicherzustellen und das gemeinsame Definieren von Pilotprojekten mit dem Start-up.
Auf der anderen Seite müssten Start-ups deutlich machen, welchen konkreten Mehrwert sie in eine Kooperation einbringen. Zudem sollten sie zeigen, wie ihre Beiträge dem Partner helfen, seine Ziele zu erreichen. Dies sei eine Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Zusammenarbeit, in der das volle Potenzial ausgeschöpft werden könne. Partnerschaften könnten einen wesentlichen Beitrag leisten, Innovationen zu beschleunigen, und seien im Hinblick auf die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland unverzichtbar.
Weitere Informationen zur Studie finden Sie hier.
(Pressemitteilung Boston Consulting Group vom 13.06.2019)


Redaktion

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