Fast jedes zweite Unternehmen in Deutschland verschiebt Investitionen in Nachhaltigkeit. Gleichzeitig kritisiert eine deutliche Mehrheit die aufwendigen ESG-Berichtspflichten. Das zeigt eine aktuelle Umfrage des Kreditversicherers Atradius.
Nachhaltigkeit bleibt wichtig – doch das Geld fehlt
Die schwache Industriekonjunktur, Liquiditätsengpässe und geopolitische Unsicherheiten setzen Unternehmen unter Druck. Laut Atradius-Umfrage räumen 73 % der Befragten Nachhaltigkeit weiterhin eine hohe oder mittlere Priorität ein. Für 27 % ist das Thema nachrangig oder bereits zurückgestellt. Dennoch verschieben 46 % ihre Nachhaltigkeitsinvestitionen ganz oder teilweise aus Kostengründen. Lediglich 54 % halten an ihren ursprünglichen Plänen fest.
„Nachhaltigkeit ist für viele Mittelständler eine Frage der Liquidität geworden“, erklärt Frank Liebold, Deutschlandchef von Atradius. Unternehmen benötigten vor allem Planungssicherheit statt zusätzlicher Auflagen.
ESG-Berichtspflichten stoßen auf Kritik
Besonders kritisch bewerten Unternehmen die regulatorischen Anforderungen. 77 % sehen in der ESG-Berichterstattung überwiegend zusätzlichen Aufwand statt konkreten Nutzen. Nur 5 % erkennen darin hauptsächlich Vorteile. Zudem empfinden 90 % den Berichtsaufwand als zu hoch oder deutlich zu hoch. Liebold fordert deshalb verhältnismäßige Vorgaben, die Transparenz ermöglichen, ohne Unternehmen übermäßig zu belasten.
Nachhaltigkeit konkurriert mit anderen Erwartungen
Der externe Druck bleibt begrenzt: 62 % spüren kaum oder keinen zusätzlichen Druck von Kunden und Investoren, Nachhaltigkeitskennzahlen offenzulegen. Gleichzeitig steigen die gesellschaftlichen Erwartungen. 28 % der Unternehmen sehen bei Nachhaltigkeit den größten Zuwachs, gefolgt von Datensicherheit (26 %) und fairen Arbeitsbedingungen (24 %).
Für die im September 2026 durchgeführte Umfrage befragte Atradius rund 300 Unternehmen unterschiedlicher Branchen und Größen.
(Atradius vom 22.10.2026 / RES JURA Redaktionsbüro – vcd)

