• Home
  • /
  • Meldungen
  • /
  • Kosteneffizienz ist bei den meisten Unternehmen nur Ad-hoc-Maßnahme

02.12.2024

Kosteneffizienz ist bei den meisten Unternehmen nur Ad-hoc-Maßnahme

Der Druck, der auf den Chefetagen lastet, ist enorm: Inflation, geopolitische Spannungen und das makroökonomische Umfeld zwingen die Firmen dazu, ihre Kosten zu senken.

Beitrag mit Bild

© Zerbor - Fotolia.com

In Krisenzeiten haben Kostensparprogramme Konjunktur, doch sind sie in den meisten Unternehmen keine strategische Priorität. Für 65 % der befragten Manager aus 21 Ländern waren die jüngsten Sparprogramme eine Ad-Hoc-Reaktion auf sich ändernde Marktbedingungen. Nur 35 % gaben an, dass sie strategisch und längerfristig geplant gehandelt hätten. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie der Boston Consulting Group (BCG), für die 770 C-Level-Manager:innen in 21 Ländern befragt wurden. Jochen Schönfelder, Senior Partner bei BCG und Experte für Unternehmenstransformationen, sagt: „Der Druck, der aktuell auf den Chefetagen lastet, ist enorm: Inflation, geopolitische Spannungen und das makroökonomische Umfeld zwingen die Firmen dazu, ihre Kosten zu senken. Doch zu viele Entscheider reagieren erst, wenn es fast schon zu spät ist, statt strategisch an ihrer Kosteneffizienz zu arbeiten.“

„Nearshoring“ und Verhandlungen mit Lieferanten beliebte Sparmethoden

Kontinuierliche Effizienzprogramme zahlen sich jedoch aus, wie die Studie zeigt. „Always-On“-Organisationen erreichen demnach im Schnitt 62 % ihrer Einsparziele. Dagegen kann der Durchschnitt der Unternehmen lediglich 48 % der geplanten Einsparungen auch tatsächlich umsetzen, in Deutschland sind es immerhin 52 %.

Auch 50 Entscheider:innen (CEOs, CFOs, COOs) aus Deutschland nahmen an der Befragung teil. Sie sehen vor allem das „Nearshoring“, also Verlagerung von Produktion und Prozessen ins nahegelegene Ausland, als wirksamste Methode, um die Kosten der Lieferkette zu senken (30 %). Bessere Konditionen mit Lieferanten auszuhandeln, steht mit 18 % an zweiter Stelle, und damit deutlich höher als im globalen Schnitt (7 %). Gefragt nach den operativen Maßnahmen, um auch in Zukunft wettbewerbsfähige Kosten zu erreichen, gaben die Manager aus Deutschland an, in Partnerschaften und Allianzen zu investieren (66 %) und ihren Standort in günstigere Regionen zu verlagern (56 %), gefolgt von Outsourcing auf Platz drei (52 %). Hier waren Mehrfachnennungen möglich.

Künstliche Intelligenz wird immer wichtiger für die Kosteneffizienz

Der Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI) hingegen scheint deutsche Manager:innen noch nicht zu überzeugen, zumindest auf kurze Sicht: Nur 18 % trauen der Technologie zu, innerhalb der kommenden 18 Monate einen großen Beitrag zu Kosteneinsparungen zu leisten. Fast zwei Drittel (64 %) gaben jedoch an, dass KI wesentlich zu ihren mittelfristigen (18 Monate bis 3 Jahre) Kostenzielen beiträgt, langfristig (3-5 Jahre) gesehen sinkt diese Zahl auf 38 %. 58 % sind sich zudem sicher, dass KI in den nächsten drei bis fünf Jahren unverzichtbar für die betriebliche Effizienz sein wird – im internationalen Vergleich sind es 50 %.

Neue Technologien und der Einsatz von KI können Kosten sparen, verändern jedoch auch die Anforderungen an die Belegschaft. Bei vier von fünf deutschen Unternehmen hat die die Anpassung der Arbeitsabläufe dazu geführt, dass Qualifikationslücken entstanden sind, die es zu schließen gilt: 72 % der deutschen Manager:innen gaben an, besser darin werden zu müssen, Mitarbeitende schnell in neuen Tätigkeitsbereichen einzusetzen, also umzuschulen. Die hiesigen Weiterbildungsprogramme schneiden allerdings schlechter ab als im globalen Schnitt, nur knapp 58 % der Befragten sagten, dass Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen positiven Einfluss auf die Kostenstruktur gehabt habe (international: 64 %).

Erfolg durch transparente Kommunikation

Klare Informationen von der obersten Führungsebene in allen Bereichen helfen, Kostenbewusstsein strategisch im Unternehmen zu implementieren. 82 % der Kosteneffizienz-Vorreiter praktizieren das. Mit Erfolg: Nur 17 % der „Kostenpioniere“ stoßen auf Unverständnis bei der Belegschaft oder haben Probleme mit der Arbeitsmoral. In der Gesamtgruppe haben dagegen 37 % solche Schwierigkeiten. Deutsche Unternehmen setzen hier primär auf Transparenz der Unternehmensleistung (76 %). 68 % geben finanzielle Anreize, um das Kostenbewusstsein in der Belegschaft zu erhöhen, die Kommunikation steht mit 64 % auf Platz drei.

(BCG vom 25.11.2024 / RES JURA Redaktionsbüro – vcd)


Weitere Meldungen


Meldung

©Sondem/fotolia.com

07.10.2026

Deutsche Auslandsinvestitionen: Seit 2010 mehr als verdoppelt

Deutsche Unternehmen haben den Wert ihrer Direktinvestitionen im Ausland seit 2010 mehr als verdoppelt. Der Bestand an deutschen Direktinvestitionen im Ausland lag im Jahr 2024 (letztverfügbarer Datenstand) bei 1.689 Milliarden Euro. Das zeigt eine vom Auswärtigen Amt geförderte IW-Analyse auf Basis von Daten der Deutschen Bundesbank. Gründe hierfür sind vermehrt niedrige Produktionskosten im Ausland. Das

Deutsche Auslandsinvestitionen: Seit 2010 mehr als verdoppelt
Meldung

© pichetw/fotolia.com

06.10.2026

CFOs übernehmen zunehmend Steuerung von KI-Investitionen

Mit dem breiteren Einsatz von Künstlicher Intelligenz wächst auch der Einfluss von Finanzvorständen. Laut der globalen CFO-Studie des IBM Institute for Business Value unter 1.500 CFOs haben 62% inzwischen zusätzliche Verantwortung für Technologie- oder KI-Strategien übernommen. 56% verfügen über mehr Einfluss auf Portfoliosteuerung und Kapitalallokation, 54% gestalten stärker Geschäftsmodelle und Wachstumsstrategien. Finanzabteilungen noch nicht transformationsreif

CFOs übernehmen zunehmend Steuerung von KI-Investitionen
Meldung

© ferkelraggae/fotolia.com

05.10.2026

50 Milliarden Euro notleidende Kredite

Angesichts des schwachen Wirtschaftswachstums reagieren zahlreiche Banken mit strengeren Kreditvergabestandards und höheren Anforderungen an Sicherheiten. Gleichzeitig gewinnen Debt Fonds und Private-Credit-Anbieter als alternative Finanzierungsquellen klar an Bedeutung. Wie die neue Deloitte-Studie Kreditmarkt-Insights 2026 zeigt, haben notleidende Kredite seit Anfang 2023 stark zugenommen und erreichen mittlerweile knapp 50 Milliarden Euro. Zugleich ist der Anteil der Kredite

50 Milliarden Euro notleidende Kredite
CORPORATE FINANCE Beratermodul

Haben wir Ihr Interesse für CORPORATE FINANCE geweckt?

Sichern Sie sich das Beratermodul CORPORATE FINANCE im 3 Monate Start-Abo (1 Monat gratis)