• Home
  • /
  • Meldungen
  • /
  • Kreditklemmen bremsen Investitionen von innovativen Unternehmen

30.04.2020

Kreditklemmen bremsen Investitionen von innovativen Unternehmen

Beitrag mit Bild

© Style-Photography/fotolia.com

Interne Finanzierungsengpässe von Unternehmen beeinträchtigen ihre Investitionen in eigene Forschung und Entwicklung (F&E) besonders dann, wenn sich diese Unternehmen Einschränkungen bei der Kreditaufnahme ausgesetzt sehen. Auch die Bilanz der Hausbank eines Unternehmens spielt eine entscheidende Rolle dafür, wie sehr interne Engpässe bei der Finanzierung die Investitionen beeinflussen, die ein Unternehmen in F&E tätigt. Ist die Hausbank angeschlagen, gehen die Investitionen bei Unternehmen mit geringerer Bonität besonders deutlich zurück.

Das sind die Ergebnisse einer Studie des ZEW Mannheim in Zusammenarbeit mit der Technischen Universität Dortmund.

Die Studie untersucht, wie sich Finanzierungsengpässe vor, während und nach der Finanzkrise von 2008/2009 auf die Investitionen von Unternehmen in ihre jeweiligen F&E-Tätigkeiten ausgewirkt haben. Zudem gehen die Wissenschaftler der Frage nach, welche Rolle dabei die Bilanz der Hausbank eines Unternehmens spielt. Datengrundlage ist das Mannheimer Innovationspanel (MIP), die seit 1993 jährlich durchgeführte Innovationserhebung des ZEW. Das MIP umfasst Informationen zu mehr als 20.000 Unternehmen, einschließlich der Haus- beziehungsweise Hauptbank jedes einzelnen Unternehmens. Zudem nutzen die Studienautoren Bankbilanzdaten von der Datenbank Bankscope und den Bonitätsindex der Auskunftei Creditreform. Die Bonität eines Unternehmens dient als Maß für interne Finanzierungsengpässe.

Die Studie zeigt, dass Unternehmen mit schlechterem Bonitätsranking und dementsprechend größeren Finanzierungsengpässen ihre F&E-Investitionen während der Finanzkrise 2008/2009 stärker zurückgefahren haben als andere Unternehmen. „Durch einen negativen wirtschaftlichen Schock können Unternehmen auf weniger Eigenkapital zur Finanzierung von F&E zurückgreifen“, sagt Prof. Dr. Kornelius Kraft, ZEW-Forschungsprofessor sowie Lehrstuhlinhaber für Wirtschaftspolitik an der Technischen Universität Dortmund und zusammen mit Dr.  Marek Giebel von der TU Dortmund Autor der Studie. „Sie müssen deshalb vermehrt Kredite bei Banken aufnehmen, was dazu führt, dass ihre Finanzierungskosten steigen und die Investitionen in F&E sinken.“

Schieflage von Banken wirkt sich auch auf Unternehmenskunden aus

Zudem untersuchen die Wissenschaftler, wie sich die Situation der Hausbank eines Unternehmens während der Finanzkrise auf dessen F&E-Investitionen ausgewirkt hat. Bei Unternehmen, deren Bank in ausreichendem Maße kapitalisiert war, änderten sich die F&E-Ausgaben während und unmittelbar nach der Krise nicht im Vergleich zu vorher. Dagegen verringerten Unternehmen, die durch finanzielle Engpässe eingeschränkt waren, ihre F&E-Ausgaben in den Jahren 2007 bis 2009 besonders stark, sofern ihre Hausbank in Schieflage geraten war.

Aus Sicht der Studienautoren lässt sich dieser Effekt auf die Finanzkrise zurückführen. Zwar war im Jahr 2007 das Basel II-Abkommen in Kraft getreten, das strengere Eigenkapitalvorschriften für Banken machte, insbesondere bei der Berücksichtigung der Bonität von Kreditnehmern. Aber Basel II sollte unabhängig von den Kapitalreserven der Bank zur Folge haben, dass Unternehmen mit geringerer Bonität größere Schwierigkeiten haben, Kredite für F&E-Investitionen zu erhalten.

Insgesamt zeigt die Studie, dass Finanzierungsengpässe aufgrund von geringer Bonität F&E-Investitionen einschränken können, wenn Unternehmen erschwerten Zugang zu externer Finanzierung haben. „In Zeiten von Finanzkrisen kann es deshalb notwendig sein, innovative Firmen zu subventionieren“, sagt Kornelius Kraft. „F&E ist von großer Bedeutung für das Wirtschaftswachstum und den technologischen Fortschritt einer Gesellschaft. Innovative Unternehmen haben es aber gerade während Krisen schwer, sich mithilfe von Banken zu finanzieren, weil interne Finanzierungsengpässe bei der Kreditvergabe dann mehr ins Gewicht fallen. Außerdem beobachten wir, dass Banken in Schieflage ihre eigenen Kapitalisierungsprobleme an Unternehmenskunden weitergeben, die dann in der Kreditklemme stecken.“

(Pressemitteilung ZEW vom 27.04.2020)


Redaktion

Weitere Meldungen


Meldung

© Minerva Studio/fotolia.com

09.07.2026

Kapitalerhöhungen im Aufwärtstrend

Die Entwicklung am deutschen Emissionsmarkt zeigt im zweiten Quartal 2026 ein insgesamt robustes Bild. Zwar hat sich trotz verbesserter Kapitalmarktbedingungen nur ein Unternehmen neu auf das Börsenparkett gewagt, aber bei den Kapitalerhöhungen zeigt der Trend deutlich nach oben – ein klarer Hinweis, dass die Aufnahmebereitschaft des Marktes grundsätzlich vorhanden ist. Zu diesen Ergebnissen kommt die

Kapitalerhöhungen im Aufwärtstrend
Meldung

©Stockfotos-MG/fotolia.com

08.07.2026

Kredithürde im Mittelstand auf Rekordhoch

Der Kreditzugang der mittelständischen Unternehmen in Deutschland hat sich weiter verschlechtert. Im zweiten Quartal 2026 berichteten 40,5 % der kreditinteressierten Mittelständler, dass sich ihre Banken bei der Kreditvergabe restriktiv verhalten. Dieser Wert, der im Vergleich zum Vorquartal um 6,5 Prozentpunkte zulegte, markiert einen neuen Rekordwert seit Beginn der Umfrageaufzeichnung im Jahr 2017. Für die KfW-ifo-Kredithürde wertet

Kredithürde im Mittelstand auf Rekordhoch
Meldung

©number1411/fotolia.com

07.07.2026

Volkswirtschaftliche Bedeutung der KMU bleibt hoch

Trotz der seit Jahren andauernden geopolitischen Herausforderungen erwirtschafteten die kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) rund 2,8 Billionen Euro im Jahr 2024 laut den aktuellsten verfügbaren Daten. Das waren 29 % des gesamten Umsatzes in Deutschland. Mehr als 3,5 Millionen Unternehmen in Deutschland zählen gemäß der KMU-Definition der Europäischen Kommission zu den kleinen und mittleren Unternehmen.

Volkswirtschaftliche Bedeutung der KMU bleibt hoch
CORPORATE FINANCE Beratermodul

Haben wir Ihr Interesse für CORPORATE FINANCE geweckt?

Sichern Sie sich das Beratermodul CORPORATE FINANCE im 3 Monate Start-Abo (1 Monat gratis)