• Home
  • /
  • Meldungen
  • /
  • Kreditnachfrage der Unternehmen im Rückwärtsgang

05.06.2023

Kreditnachfrage der Unternehmen im Rückwärtsgang

Im vierten Quartal 2022 legte die Neukreditvergabe an Unternehmen und Selbstständige noch stark zu. Das Tempo des Zuwachses sank nun jedoch deutlich. Hohe Kreditkosten und die lahmende Konjunktur dämpfen die Investitionsneigung.

Beitrag mit Bild

© sakkmesterke/fotolia.com

Das Kreditneugeschäft der Banken und Sparkassen in Deutschland mit Unternehmen und Selbstständigen ist im vierten Quartal 2022 um 19 % gestiegen, wie der neue KfW-Kreditmarktausblick von KfW Research zeigt. Das Wachstum neuer Kredite fällt zwar weiter kräftig aus – gegenüber dem Rekordwert des Vorquartals (36,1 %) hat es jedoch um die Hälfte an Dynamik verloren. Im Frühjahr dürfte das Wachstum neuer Unternehmensdarlehen im Vorjahresvergleich zum Stillstand kommen. Dabei bleibt das Niveau der Neukreditvergabe vergleichsweise hoch.

Unternehmen halten sich zurück

Die Gründe für die Abkühlung liegen vor allem auf der Nachfrageseite. Die Unternehmen halten sich bei der Aufnahme neuer Bankdarlehen zunehmend zurück. Dahinter verbergen sich auch positive Aspekte. Nach der Zuspitzung der Energiekrise im Sommer mit Rekordpreisen für Strom und Gas an den Großhandelsmärkten hat sich die Lage ab dem Herbst deutlich entspannt. Zugleich sind die Schwierigkeiten bei den Lieferketten zurückgegangen. Entsprechend weniger Finanzierungen benötigen die Unternehmen, um die daraus resultierenden Mittelbedarfe abzufedern.

Aber auch die Auswirkungen der Zinswende werden immer deutlicher und wirken sich auf die Kreditnachfrage aus: Die durchschnittlichen Kreditkosten erreichten im Februar 3,86 %. Zuletzt lagen die Zinsen Anfang 2009 auf einem vergleichbaren Niveau. Eine mehr als 10 Jahre dauernde Phase sinkender Zinsen ist damit neutralisiert worden. Zusammen mit den zwar leicht aufgehellten, aber noch immer trüben Konjunkturaussichten reduziert dies die Bereitschaft der Unternehmen, Investitionsprojekte zu realisieren und sich dafür zu verschulden. Partiell kompensierend auf das Kreditneugeschäft wirkt allerdings die hohe Teuerung, die den Finanzierungsumfang für Investitionsvorhaben nach oben treibt.

Zugang zu Darlehen bleibt schwierig

Was die Angebotsseite des Kreditmarkts angeht, so bleibt der Zugang zu Darlehen überdurchschnittlich schwierig. Die Banken haben seit dem Kriegsausbruch und dem damit verbundenen Beginn der Energiekrise ihre Kreditvergabepolitik verschärft, überdurchschnittlich viele Unternehmen stufen das Bankverhalten als restriktiv ein.

„Ich gehe davon aus, dass die bremsenden Impulse auf der Angebots- und Nachfrageseite des Kreditmarkts im ersten Halbjahr 2023 weiter anhalten. Das Darlehenswachstum mit Unternehmenskunden dürfte im Frühling zum Erliegen kommen. Es wäre damit aber immer noch ein vergleichsweise hohes Kreditvergabeniveau verbunden“, sagt Dr. Fritzi Köhler-Geib, Chefvolkswirtin der KfW. „Die Prognose unterliegt dem Risiko, dass die Ereignisse in den Bankensektoren in den USA und in der Schweiz in den vergangenen Wochen noch Nachwirkungen zeigen könnten. Die deutschen Banken sind solide kapitalisiert. Für den Fall, dass der gesamte Bankensektor in Folge von höherem Kapitalbedarf und verteuerter Refinanzierung betroffen wäre, könnte eine zusätzliche Straffung der Kreditstandards und -konditionen resultieren, was den Kreditkanal zusätzlich verengen würde“.

(KfW vom 31.05.2023 / Viola C. Didier, RES JURA Redaktionsbüro)


Weitere Meldungen


Meldung

© kevers/fotolia.com

20.05.2026

Immer weniger Mittelständler suchen eine Bankfiliale auf

Mittelständische Unternehmerinnen und Unternehmer in Deutschland suchen immer seltener eine Bankfiliale auf. Im Jahr 2024 nahmen erstmals weniger als die Hälfte der Unternehmen, nämlich 47 %, mindestens einen Geschäftstermin in einer Bank- oder Sparkassenfiliale wahr. Drei Jahre zuvor waren es 50 %, im Jahr 2017 noch 65 %. Der Rückgang der Filialbesuche geht somit weiter, die Dynamik hat

Immer weniger Mittelständler suchen eine Bankfiliale auf
Meldung

© pichetw/fotolia.com

19.05.2026

Stimmung der Finanzverantwortlichen verdüstert sich weiter

Die Folgen der anhaltenden geopolitischen Konflikte werden für Unternehmen immer spürbarer, wie der aktuelle CFO Survey zeigt. So sind geopolitische Risiken der stärkste Risikofaktor für das eigene Unternehmen – fast zwei Drittel (63 %) der CFOs sehen dies so (+ 11 Prozentpunkte). Finanzvorstände nehmen zudem Rohstoff- und Energiekosten als deutlich bedrohlicher wahr als noch vor

Stimmung der Finanzverantwortlichen verdüstert sich weiter
Meldung

©interstid/fotolia.com

19.05.2026

DAX-Konzerne: Umsatz und Beschäftigung sinken

Die DAX-Konzerne sind mit deutlichen Umsatzeinbußen in das Jahr 2026 gestartet: Der Gesamtumsatz der 40 Unternehmen schrumpfte gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 3,7 %. Der Gesamtgewinn stieg hingegen um 4,4 %, was vor allem auf die starke Entwicklung der Finanzbranche zurückzuführen ist, deren Gewinn sogar um 15,9 % stieg und einen neuen Rekordwert für ein erstes Quartal erreichte. Die

DAX-Konzerne: Umsatz und Beschäftigung sinken
CORPORATE FINANCE Beratermodul

Haben wir Ihr Interesse für CORPORATE FINANCE geweckt?

Sichern Sie sich das Beratermodul CORPORATE FINANCE im 3 Monate Start-Abo (1 Monat gratis)