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21.10.2024

Krise in der Industrie verstärkt sich, Dienstleistungssektor stabil

Deutsche Finanzvorstände blicken laut Deloitte CFO Survey pessimistischer auf die Geschäftsaussichten – der Indexwert rutschte massiv ab.

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©vizafoto/fotolia.com

Die Stimmung unter deutschen Finanzvorständen sinkt. Das zeigen die Ergebnisse des halbjährlich stattfindenden Deloitte CFO Survey. Mehr als ein Drittel der Befragten schätzt demnach die wirtschaftlichen Aussichten schlechter ein als noch vor drei Monaten. Der Indexwert, die Differenz zwischen positiven und negativen Einschätzungen, fällt drastisch von 9 % im Frühjahr auf -17 %. An der Erhebung nahmen zwischen dem 12.09.-02.10.2024 185 Finanzvorstände deutscher Großunternehmen teil.

Die Schere zwischen Industrie und Dienstleistungen geht weiter auf

Massive Branchenunterschiede prägen das Bild der wirtschaftlichen Stimmungslage. Insbesondere das verarbeitende Gewerbe, allen voran die Chemieindustrie (Indexwert: -42%), kämpft mit schwacher Nachfrage und leidet unter geopolitischen Risiken. Der Maschinenbau und die Automobilindustrie sind mit Indexwerten von -19 % und -23 % stark betroffen. Nach einem positiven Ausblick im Frühjahr verschlechtern sich die Erwartungen im Handel drastisch (Indexwert: -67%). Nicht ganz so gravierend, aber immer noch im stark negativen Bereich entwickelt sich die Konsumgüterindustrie (Indexwert: -32%).

Im Dienstleistungssektor bleibt der Indexwert mit 2 % noch im positiven Bereich und ist damit deutlich besser als der Durchschnitt aller Branchen. „Dienstleistungsunternehmen profitieren nach wie vor von Nachholeffekten im Zuge der Corona-Pandemie oder auch von der Zinswende“, sagt Dr. Alexander Börsch, Chefvolkswirt und Leiter Research bei Deloitte. „Wenn sich die Spaltung in der deutschen Wirtschaft jedoch weiter vertieft, wird der Dienstleistungssektor die schwächelnde Industrie langfristig nicht ausgleichen können.“

Investitions- und Beschäftigungsplanungen bleiben leicht rückläufig

Trotz der negativen Geschäftsaussichten fallen die Unternehmensplanungen für die kommenden zwölf Monate gemäßigter aus. Die Unternehmen erwarten steigende Umsätze (Indexwert: 22%). Der Anstieg fällt damit etwas moderater aus als noch im Frühjahr (Indexwert: 27%). Gleichzeitig rechnen die CFOs mit sinkenden operativen Margen (Indexwert: -10%, Frühjahr: -2%).

Die Planungen für Investitionen und Beschäftigung stagnieren im Durchschnitt aller Branchen im leicht negativen Bereich (Indexwerte: -1% und -5%, Frühjahr: -1% und -4%). Insbesondere das verarbeitende Gewerbe geht von einem Beschäftigungsabbau und weniger Investitionen aus. Vor allem unter den befragten CFOs aus der Automobilindustrie plant ein Großteil mit einem Abbau von Arbeitsplätzen (Indexwert: -92%). Einen positiven Ausblick liefert der Dienstleistungssektor. Mehr als die Hälfte der Befragten möchte in den nächsten zwölf Monaten stärker investieren und mehr Beschäftigte einstellen.

Nachfrageschwäche ist für CFOs das größte Risiko, Kapitalkosten verlieren an Relevanz

Im Vergleich zur Frühjahrserhebung legt die schwache Inlandsnachfrage als Risiko noch einmal deutlich an Bedeutung zu (von 59% auf 67%) und stellt damit nach wie vor das größte Risiko für die befragten Finanzvorstände dar. Zunehmende Regulierung in Deutschland und geopolitische Risiken tragen für mehr als die Hälfte der Teilnehmenden (55% und 52%) ebenfalls zur wirtschaftlichen Unsicherheit bei.

Im gleichen Zug verlieren steigende Kapitalkosten für die CFOs an Relevanz. Der Wert sinkt um 12 Prozentpunkte auf 10 %. Auch befürchten die CFOs aktuell keine großen Preissteigerungen mehr: Sie erwarten einen Rückgang der Inflation auf 2,8 % in den kommenden zwölf Monaten. „Die fallende Inflation und weitere Zinssenkungen dürften Konsum und Investitionen ankurbeln“, sagt Dr. Alexander Börsch. „Auch wenn geopolitische Unsicherheiten das nächste Jahr weiterhin stark prägen werden und die wirtschaftliche Stagnation in Deutschland deutlich länger dauert als erwartet, sind die Voraussetzungen für eine konsumgetriebene Erholung intakt.“

Weitere Ergebnisse der Studie finden Sie hier.

(Deloitte vom 16.10.2024 / RES JURA Redaktionsbüro)


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