Engpässe bei kritischen Rohstoffen bedrohen zunehmend die Industrieproduktion. Laut Boston Consulting Group (BCG) unterschätzen viele Unternehmen ihre Abhängigkeiten und verpassen zugleich Chancen auf staatliche Finanzierungshilfen.
Nachfrage übersteigt das Angebot deutlich
Nach Berechnungen der BCG könnte die Nachfrage nach kritischen Rohstoffen wie Seltenen Erden, Lithium, Kupfer und Graphit bis 2040 bei 120 bis 250 % des prognostizierten Angebots liegen. Treiber sind Elektromobilität, künstliche Intelligenz und steigende Verteidigungsausgaben. Besonders gefährlich sind Rohstoffe, die nur geringe Kosten verursachen, aber für die Produktion unverzichtbar sind. So hängt laut BCG die Herstellung von Endprodukten im Wert von rund 3,5 Billionen US-Dollar von Gallium ab, obwohl dessen Weltmarkt lediglich 350 Millionen Dollar umfasst.
Versteckte Risiken in den Lieferketten
Viele Unternehmen bewerten ihre Risiken anhand direkter Zulieferer und Einkaufsvolumina. Kritische Abhängigkeiten entstehen jedoch häufig bei Vorprodukten, Fertigungsprozessen und Maschinen. Hinzu kommen geopolitische Konzentrationen: China verarbeitet rund 90 % der Seltenen Erden sowie etwa 65 bis 70 % des Lithiums und Kobalts. Entscheidend sei deshalb nicht allein der Förderort, sondern auch, wer Raffinerien und Produktionsanlagen kontrolliert.
65 Milliarden Dollar an staatlichen Mitteln
Gleichzeitig entstehen neue Finanzierungsmöglichkeiten. In Industrieländern erreichten die staatlichen Finanzierungszusagen für kritische Rohstoffe 2025 rund 65 Milliarden US-Dollar; mehr als viermal so viel wie 2023. Bis Mitte 2026 war davon laut BCG erst ein kleiner Teil abgerufen.
Unternehmen können durch langfristige Abnahmeverträge und Investitionspartnerschaften Zugang zu diesen Mitteln erhalten. Siemens Gamesa sicherte sich beispielsweise Seltene Erden aus Australien und unterstützte damit die Finanzierung eines Rohstoffprojekts.
Fünf Maßnahmen für mehr Versorgungssicherheit
BCG empfiehlt, Lieferketten vollständig zu analysieren, Bezugsquellen zu diversifizieren, Ersatzmaterialien zu entwickeln, Recycling auszubauen und strategisch wichtige Rohstoffe durch langfristige Verträge oder Beteiligungen abzusichern.
(BCG vom 27.10.2026 / RES JURA Redaktionsbüro – vcd)

