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22.03.2021

M&A-Geschäft trotzt der Pandemie: Firmenkäufer zahlen höhere Multiples als 2019

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© kritchanut/fotolia.com

Das globale M&A-Geschäft hat sich 2020 von dem tiefen Einbruch zu Jahresbeginn vergleichsweise schnell erholt. Nachdem es im ersten Halbjahr nur wenige Übernahmen gab, nahm das Dealvolumen im dritten und vierten Quartal um jeweils mehr als 30% zu. Im Gesamtjahr lag es mit rund 2,8 Billionen USD zwar noch 15% unter dem Niveau von 2019 – bei der Anzahl der Deals waren es mit 28.500 gut 11% weniger –, doch hat sich das M&A-Geschäft als wesentlich stabiler erwiesen, als dies zu Beginn der Corona-Pandemie erwartet worden war, so der „Global M&A Report 2021“ der Unternehmensberatung Bain & Company, der das weltweite Fusions- und Übernahmegeschehen analysiert.

Das robuste M&A-Geschäft inmitten der Corona-Krise unterstreicht die strategische Bedeutung, die Fusionen und Übernahmen für Unternehmen haben, stellen die Autoren der Studie fest. Die weltweite Befragung von rund 300 M&A-Verantwortlichen im Rahmen der Studie hat gezeigt, dass 45% der Befragten Firmenkäufe als Treiber für künftige Umsatzzuwächse ansehen, vor drei Jahren waren es 30%. Fusionen und Übernahmen sind in zunehmendem Maße unverzichtbar, erklären die M&A-Experten von Bain. In komplexen wirtschaftlichen Ökosystemen müssten Unternehmen immer mehr Partnerschaften eingehen oder erfolgskritische Fähigkeiten zukaufen. Das sei auch einer der Gründe, warum der Anteil an sog. Scope-Deals wachse. Scope-Deals schließen Lücken im Kerngeschäft oder helfen, in neue Geschäftsbereiche zu expandieren.

Anteil der Scope-Deals legt auf 56% zu

Tatsächlich zielten 2020 bereits 56% aller Transaktionen über 1 Mrd. USD auf die Erweiterung des Geschäfts, den Erwerb neuer Kompetenzen oder den Vorstoß in neue Geschäftsfelder ab. In Deutschland zählte dazu unter anderem die Zusammenarbeit von BMW und Volkswagen mit dem schwedischen Batteriespezialisten Northvolt. Im Gegenzug sank der Anteil kostengetriebener Scale-Deals auf 44%. Solche Transaktionen bleiben aber laut der Studienautoren speziell für Branchen wichtig, in denen die Corona-Krise den disruptiven Wandel beschleunigt hat. Dazu gehören Einzelhandel, Medien und Telekommunikation sowie Banken.

Europas Bankenbranche vor Konsolidierung

Die M&A-Experten stehen in Europa insbesondere im Finanzsektor ein erhebliches Potenzial für Übernahmen. Eine Konsolidierungswelle bei Kreditinstituten sei absehbar, denn im internationalen Vergleich sei der Konzentrationsgrad in europäischen Ländern, allen voran Deutschland, gering. Bewegung gebe es zudem bei den Anbietern von Finanzmarktinfrastrukturen, da die traditionellen Wertschöpfungsketten im Finanzwesen zunehmend aufbrechen. So entstehe nicht nur Raum für Expansion, sondern auch für neue Geschäftsmodelle z.B. im Daten- und Informationssektor sowie im Bereich Kryptowährungen und Digital Assets.

Trotz der Krise wurden höhere Multiples als 2019 erzielt

Je nach Übernahmeziel müssen sich Unternehmen allerdings auf hohe Kaufpreise einstellen. Anders als in der globalen Finanzkrise 2008/2009 sind die Bewertungen 2020 der Studie zufolge nicht gesunken. Vielmehr stieg das EBITDA-Multiple auf den Unternehmenswert weltweit auf durchschnittlich 14 – nach 13 im Jahr zuvor. Allerdings unterscheiden sich die Werte je nach Branche deutlich, stellen die Studienautoren fest. So sind z.B. im Handel und im Energiesektor die Bewertungen zuletzt zurückgegangen, während sie für Technologieunternehmen und Healthcare-Anbieter stiegen. Diese Zweiteilung dürfte sich nach Einschätzung der Studienautoren fortsetzen. Wer in zukunftsträchtige Märkte einsteigen oder seine Position dort ausbauen wolle, müsse einen Aufpreis zahlen, denn die Verkäufer wüssten um ihren Wert.

Regionale Deals im Fokus

Ihre Kauflust werden die Unternehmen dadurch nicht verlieren. Laut Bain-Befragung erwartet jeder Zweite, dass sich die Zahl der M&A-Deals in seiner jeweiligen Branche 2021 erhöht. Dabei dürfte sich der seit Längerem erkennbare Trend fortsetzen, dass regionale Deals interkontinentalen Transaktionen vorgezogen werden. So sehen 60% die Lokalisierung der Lieferkette als wichtiges Thema bei künftigen Zukäufen an.

M&A-Geschäft wird 2021 an Dynamik gewinnen

Das M&A-Geschäft wird 2021 an Dynamik gewinnen, prognostiziert der Global M&A Report 2021. Wollen Unternehmen in dem wettbewerbsintensiveren Umfeld bestehen, müssen sie ihre M&A-Strategie weiterentwickeln und dabei sämtliche Optionen berücksichtigen, so die Autoren der Studie. Diese reichten von Partnerschaften über Minderheitsbeteiligungen bis hin zu einem eigenen Corporate Venture-Fund. Zudem werde die Digitalisierung des M&A-Prozesses selbst immer wichtiger. Die Corona-Krise beschleunigt auch im M&A-Geschäft bestehende Trends wie Digitalisierung und Regionalisierung. Zugleich werden Übernahmen und Fusionen über alle Branchen hinweg zu einem integralen Bestandteil der Unternehmensstrategie, so das Fazit der Studie.

Die Studie „Global M&A Report 2021“ finden Sie hier zum Download.

(Pressemitteilung Bain & Company vom 19.03.2021)


Redaktion

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