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01.02.2024

M&A in der Industrie: Viele kleine und familiengeführte Unternehmen auf dem Markt

Vor allem kleine und familiengeführte Unternehmen drängen auf den Markt und führen zu reger Transaktionsaktivität bei Konzernen.

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©designer491/fotolia.com

Obwohl große Unsicherheiten in Sachen Wirtschaftspolitik, Lieferketten oder Zinsentwicklung bestehen, nehmen Verantwortliche aus der Industrie den M&A-Markt in ihrer Branche aktuell als dynamisch wahr, zeigt eine aktuelle Befragung der Managementberatung Horváth. Vor allem kleine und familiengeführte Unternehmen drängen auf den Markt und führen zu reger Transaktionsaktivität bei Konzernen. „Unsicherheiten sind aus Sicht der Unternehmen zum ,New Normal‘ geworden und daher kein Grund, sich zurückzuhalten“, so Philipp Duwald, Studienleiter und M&A-Experte bei Horváth. Eher im Gegenteil: Die Marktdynamiken zwingen die Unternehmen, anpassungsfähiger und agiler zu werden. „Strategische Zukäufe können dabei helfen, beispielsweise im Bereich neuer Technologien und Digitalisierung voranzukommen“, sagt Duwald.

Transaktionen aus technologischem Zugzwang

Auch zeigt die Studie, dass Zukäufe vor allem technologisch getrieben sind. „Von neuen elektrischen Antriebsformen bis hin zur KI-gestützten Automatisierung – aus eigener Kraft schaffen es viele Unternehmen nicht, die notwendigen Transformationen in gebotener Geschwindigkeit umzusetzen. Zukäufe von Know-how sind somit unumgänglich“, erklärt Duwald. Eine weitere Horváth-Befragung aus Januar unter mehr als 150 Unternehmen zeigt zudem, dass etwa sechs von zehn Unternehmen gerade gezielt Ausschau halten und Firmen mit KI-Expertise suchen, sowohl branchenübergreifend als auch innerhalb der Industrie. „Es ist aber auch schlicht Größe und Marktrelevanz, die gerade in der aktuellen Situation entscheidende Faktoren sind, um sich zu behaupten und Zukunftsfähigkeit zu sichern.“

Zukäufe sollen strategisch sein – sind aber doch meist opportunistisch

Gerade aufgrund der bestehenden Unsicherheiten und hohen Marktdynamiken halten neun von zehn Teilnehmenden es für wichtig, das Portfolio intensiver zu hinterfragen und strategisch anzupassen. Hier besteht allerdings noch eine Lücke zwischen Wunsch und Wirklichkeit. Nur jedes fünfte Unternehmen tätigt Transaktionen die ganz klar aus  der Unternehmensstrategie abgeleitet sind. Bei weiteren 40 % spielen strategische Überlegungen mit ein, der Rest agiert opportunistisch und nimmt sich ergebene Chancen wahr.

Hop oder top – wie erfolgreich war die Transaktion?

Die Käufer messen den Erfolg einer Transaktion nach Abschluss mehrheitlich sehr akribisch. Vor allem wird analysiert, ob die strategische Wettbewerbssituation nachhaltig gestärkt wurde. Dieses Kriterium steht an erster Stelle der Nachbetrachtung. Weiter wird gemessen, ob Synergieeffekte wie erwartet realisiert wurden (Rang zwei). Inwiefern der Kaufpreis optimiert werden konnte, spielt ebenfalls stark in die Bewertung mit ein. Für die Verkaufsseite, die in der Regel ebenfalls eine umfangreiche Nachbetrachtung durchführt, ist der erzielte Verkaufspreis neben der Vermeidung von Buchverlusten der entscheidende Erfolgsfaktor. Auch die Umsetzungsgeschwindigkeit ist für viele ein wichtiger Leistungsmaßstab. Gilt es, sich zwischen zwei ähnlich attraktiven Bietern zu entscheiden, geben weiche Faktoren wie Transaktionssicherheit den Ausschlag. Darüber hinaus spielen die Fortführungsprognose sowie Arbeitsplatzsicherheit eine große Rolle.

Schlüsselfaktoren für erfolgreiche Transaktionen

Wie die Studie zeigt, werden sowohl für den Kauf als auch für den Verkauf kritische Schlüsselfaktoren gesehen, die für einen positiv verlaufenden M&A-Prozess wichtig sind. „Es gibt bei den Unternehmen in der Regel allerdings keine standardisierten Lessons-Learned-Prozesse, auch wenn die Befragten das grundsätzlich für sinnvoll halten würden“, so Duwald. Auf der Käuferseite (Buy-Side) ist beispielsweise eine gute so genannte Why-us-Story unabdingbar. Auf der Verkäuferseite (Sell-Side) zählt noch immer ein solider Businessplan mit nachvollziehbarer Geschäftsentwicklung zu den wichtigsten Faktoren. „Unternehmensverflechtungen sind oft komplex. Realistisch umsetzbare Carve-Out-Konzepte, also konkrete Modelle für Neustrukturierungen, sind definitiv ein großer Pluspunkt“, sagt Duwald.

Um angestrebte Synergieeffekte zu erreichen, sehen 80 % der Befragten zudem eine frühzeitige Planung der Post-Merger-Integration (PMI) als wesentlichen Erfolgsfaktor. Das hat Folgen: Viele große Unternehmen bauen derzeit eigene PMI-Teams auf, die Integrationsthemen standardisiert und effizient umsetzen sollen. „Wer einen Blick auf Familienunternehmen geworfen hat, braucht eine klare Vorstellung zur Fortführung und zukünftigen Ausrichtung des Geschäfts. Außerdem spielen Aspekte wie der „Cultural Fit“ eine wichtige Rolle um sich als Best Owner zu positionieren“, weiß der M&A-Experte.

(Horváth vom 01.02.2024 / RES JURA Redaktionsbüro)


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