Der globale M&A-Markt dürfte im Jahr 2026 deutlich an Dynamik gewinnen. Vor allem Private-Equity-Investoren zeigen sich optimistisch und treiben die Erwartungen an die Transaktionsaktivität. Gleichzeitig verschieben sich die Schwerpunkte: Unternehmen passen ihre Portfolios gezielter an, insbesondere durch Carve-outs, und nutzen zunehmend neue Technologien wie Künstliche Intelligenz zur Unterstützung von Transaktionen. Das zeigt der aktuelle KPMG Global M&A Outlook, für die weltweit rund 700 Entscheider aus Unternehmen und Private-Equity-Häusern in 20 Ländern befragt wurden.
„Wir sehen, dass Private Equity den Markt aktuell klar treibt, denn der Handlungsdruck steigt – Kapital muss investiert werden. Gleichzeitig agieren Investoren deutlich selektiver als noch vor einigen Jahren. Im Fokus stehen qualitativ hochwertigere Transaktionen – insbesondere Carve-outs gewinnen dabei stark an Bedeutung. Für viele Unternehmen sind sie ein zentrales Instrument, um Portfolios zu schärfen und Kapital effizienter einzusetzen – für Private Equity bieten sie erhebliches Potenzial Operational Alpha durch eine klare Value-Creation-Agenda zu realisieren“, erklärt Tilman Ost, Partner, Deal Advisory, Private Equity, Global Private Equity Advisory Leader KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft.
Private Equity treibt die Marktdynamik
Private Equity gibt den Takt im M&A-Markt vor. 37 % der befragten Investoren erwarten, im Jahr 2026 mehr als fünf Transaktionen durchzuführen – deutlich mehr als Unternehmen, von denen dies nur 20 % angeben. Besonders hoch ist die Zuversicht in den USA, wo Unternehmen eine überdurchschnittliche Transaktionsbereitschaft zeigen. Gleichzeitig bleiben Investoren bei der Größe der Deals zurückhaltend. 95 % der Private-Equity-Deals und 83 % der Corporate-Transaktionen bleiben voraussichtlich unter 1 Milliarde US-Dollar. Am häufigsten erwarten Dealverantwortliche Transaktionswerte zwischen 250 und 500 Millionen US-Dollar. Strategisch stehen vor allem Wachstum und Transformation im Fokus. Die wichtigsten Treiber für Transaktionen sind der Eintritt in neue Märkte (58 %), das Wachstum des Kerngeschäfts (57 %) sowie der Zugang zu Technologien und Talenten (46 %).
Carve-outs rücken in den Mittelpunkt der M&A-Strategie
Ein besonders klarer Trend zeigt sich bei sogenannten Carve-outs – also dem Verkauf oder der Abspaltung einzelner Geschäftsbereiche. Die Studie sieht 2026 als mögliches „Jahr der Carve-outs“. 71 % der Private-Equity-Investoren sind offen für oder arbeiten aktiv an solchen Transaktionen, 55 % haben bereits konkrete Vorhaben in Planung – bei Unternehmen sind es lediglich 21 %. Hinter dieser Entwicklung stehen vor allem strategische Überlegungen. Unternehmen trennen sich gezielt von Geschäftsbereichen, die nicht mehr zum Kerngeschäft passen, um ihre Organisation effizienter aufzustellen (52 %), den Wert der verbleibenden Einheiten zu steigern (42 %), Risiken zu reduzieren (35 %) und Kapital für neue Investitionen freizusetzen (33 %).
KI verändert M&A-Prozesse grundlegend
Künstliche Intelligenz wird zunehmend entlang des gesamten M&A-Prozesses eingesetzt. Unternehmen nutzen KI insbesondere in der Due Diligence und Bewertung (56 %), im Deal Sourcing und in der Strategie (53 %) sowie in der Post-Merger-Integration (45 %) und der Umsetzung von Transaktionen (40 %). Dabei geht es nicht nur um Geschwindigkeit. KI ermöglicht vor allem Analysen, die bisher mit vertretbarem Aufwand kaum möglich waren – etwa bei der Auswertung großer Vertragsmengen, der kontinuierlichen Überwachung von Integrationsrisiken oder der systematischen Analyse von Markt- und Wettbewerbsdaten.
Die Effekte sind messbar: 17 % der Befragten berichten von Effizienzgewinnen von mehr als 25 % in Modellierungs- und Planungsprozessen, in einzelnen Fällen sogar von über 50 %. In der Markt- und Wettbewerbsanalyse sehen 59 % Verbesserungen von mehr als 10 %.
Komplexität erhöht Anforderungen an die Umsetzung
Mit zunehmender Transaktionsaktivität rücken die Herausforderungen in der Umsetzung stärker in den Fokus. Insbesondere komplexe Transaktionsformen wie Carve-outs, Joint Ventures oder gestufte Transaktionen stellen Unternehmen vor deutlich höhere Anforderungen als klassische Übernahmen. Als größte Risiken nennen die Befragten die operative Entflechtung von Geschäftsbereichen (52 %), komplexe Bewertungsfragen (43 %), die Trennung von IT- und Datenstrukturen (40 %) sowie die Sicherung von Schlüsselpersonal (32 %). Auch regulatorische Anforderungen werden von 25 % der Befragten als zusätzlicher Risikofaktor genannt.
(KPMG vom 26.03.2026 / RES JURA Redaktionsbüro – vcd)

