• Home
  • /
  • Meldungen
  • /
  • MDAX schlägt DAX: MDAX-Aufsichtsräte internationaler, agiler und günstiger als DAX-Gremien

01.10.2019

MDAX schlägt DAX: MDAX-Aufsichtsräte internationaler, agiler und günstiger als DAX-Gremien

Beitrag mit Bild

Corporate Finance

Die im Aktienindex MDAX zusammengefassten 60 Unternehmen haben dieses Jahr bei der Diversität ihrer Aufsichtsräte große Fortschritte gemacht und den DAX zum Teil sogar überholt. So sind die Aufsichtsräte des MDAX mit einer Quote nicht-deutschsprachiger Mitglieder von 27% bereits internationaler als der DAX mit 20%. Auch hat der MDAX dieses Jahr zum ersten Mal die gesetzliche Frauenquote von 30% überschritten; der Frauenanteil in MDAX-Aufsichtsräten (Kapitalseite) liegt jetzt bei 30,6%, auf die gesamten Gremien bezogen (inkl. Arbeitnehmervertretung) bei 32%. Das geht aus einer Erhebung der Personalberatung Russell Reynolds Associates hervor.

Zwar hat der DAX die Frauenquote schon vor zwei Jahren erreicht, doch verlief die Entwicklung beim MDAX seit 2013 steiler, denn beim MDAX lag der Frauenanteil vor sechs Jahren erst bei 14%. Auch liegt der Frauenanteil der dieses Jahr neu gewählten Aufsichtsräte beim MDAX mit 33% deutlich höher als beim DAX (22%). Zudem gibt es erstmals drei weibliche Aufsichtsratsvorsitzende (gegenüber zwei Frauen an der Spitze von Aufsichtsräten im DAX). Das auf die Besetzung von Spitzenpositionen spezialisierte Unternehmen untersucht dazu seit 2015 die Zusammensetzung der Aufsichtsräte der MDAX-Unternehmen.

MDAX holt bei Diversität der Aufsichtsräte schnell auf

Der MDAX steht oft im Schatten des großen Bruders DAX. Doch mittlerweile ist der MDAX nach Aussage der Studienautoren zum Teil agiler und dynamischer als der DAX, wenn es um die Besetzung der Aufsichtsräte geht, Veränderungen verlaufen schneller. Das ist auch bei der Frauenquote zu sehen. Auch bei der Internationalisierung ist der MDAX laut der Analyse weiter als der DAX.

Anteil der Digitalisierungsexperten steigt

Die Zahl der Digitalisierungsexperten in MDAX-Aufsichtsräten stieg in den vergangenen beiden Jahren um 74%, und damit schneller als beim DAX. Aktuell verfügen 43% der Unternehmen über Digitalkompetenz, 20% haben zwei oder mehr Digitalisierungsexperten an Bord; 12% aller Aufsichtsräte (Aktionärsvertreter) verfügen über Expertise in Digitalisierungsfragen. Allerdings ist dieses Wissen noch nicht gleichmäßig verteilt; der Anteil der Unternehmen, die noch gar keinen Experten für Digitalisierung in den Aufsichtsrat berufen haben, ist höher als beim DAX.

Nachholbedarf bei der Frauenquote

Großen Nachholbedarf gibt es jedoch – ähnlich wie beim DAX – beim Frauenanteil auf Vorstandsebene. So haben zwei Drittel der MDAX-Unternehmen (40 von 60 Firmen) immer noch einen rein männlichen Vorstand. Im DAX gibt es noch sieben Unternehmen (von 30), die keine Frau im Vorstand haben.

MDAX-Aufsichtsräte verursachen nur die Hälfte der Kosten von DAX-Aufsichtsräten

Beim Vergleich der Vergütungen kommt die Untersuchung von Russell Reynolds zu dem Ergebnis, dass die Aufsichtsräte der MDAX-Unternehmen sehr viel günstiger arbeiten als die vergleichbaren Gremien des DAX. Die Aufsichtsräte kommen mit weniger Personal aus und die Vergütung liegt mit durchschnittlich 100.000 € pro Jahr fast 50% unter der Bezahlung der DAX-Kollegen und -Kolleginnen. Die höchste durchschnittliche Bezahlung gibt es bei Axel Springer (mehr als 300.000 €), die niedrigste bei Telefonica Deutschland (weniger als 25.000 €). Das Gehaltsgefälle zwischen Aufsichtsräten und Vorständen ist beim MDAX – ähnlich wie im DAX – hoch: Vorstandsvorsitzende verdienen 13 Mal mehr als ihre Aufsichtsratsvorsitzenden (im Durchschnitt rund 2,4 Mio. €).

Verflechtung der MDAX-Unternehmen über Aufsichtsräte geringer als beim DAX

Weiter kommt die Russell Reynolds-Studie zu dem Ergebnis, dass die Verflechtung der MDAX-Unternehmen untereinander durch Aufsichtsräte mit mehreren Mandaten weiter abnimmt und insgesamt gering ausfällt. Nur 22 Unternehmen sind auf diese Weise miteinander verbunden. 38 Unternehmen (63%) haben keine einzige Verbindung innerhalb des Indexes. Die Verflechtung ist damit geringer als beim DAX (7 Unternehmen oder 23% haben keinerlei Verbindung untereinander).

Die Studie bewertet die Zusammensetzung der MDAX-Aufsichtsräte nach den Kriterien Geschlechteranteil, Nationalitäten, Auslandserfahrung, Altersverteilung und Verweildauer, und vergibt dafür eine Gesamtnote. Die durchschnittliche Bewertung verbessert sich 2019 auf 2,3 (deutsches Schulnotensystem). Das Ranking führen dieses Jahr Evonik, Metro und Telefonica Deutschland an.

Die vollständige Studie kann hier herunterladen werden.

(Pressemitteilung Russell Reynolds Associates vom 30.09.2019)


Redaktion

Weitere Meldungen


Meldung

© bakhtiarzein/fotolia.com

29.01.2026

Ohne ESG kein Kapital: Wie Fintechs unter Druck geraten

Was lange als Thema klassischer Industrien galt, erreicht nun die Fintech-Szene: ESG-Anforderungen aus CSRD, Investorenlogiken und strenger Governance. Prof. Dr. Oliver Roll, Managing Partner bei Prof. Roll & Pastuch und Professor an der Hochschule Osnabrück, und Dr. Johann Thieme, Senior Director Financial Services, diagnostizieren einen klaren Paradigmenwechsel. Nachhaltigkeit wird vom „Nice-to-have“ zum Bewertungsmaßstab und zum

Ohne ESG kein Kapital: Wie Fintechs unter Druck geraten
Meldung

©pitinan/123rf.com

29.01.2026

Bankenregulierung: Eigenkapitalregeln blockieren Milliarden für die Transformation

Für den klimaneutralen Umbau der Wirtschaft müssen private Unternehmen bis 2045 hohe Milliardensummen investieren. Doch in einer Studie warnen Wissenschaftler am Institut der deutschen Wirtschaft (IW): Die Finanzierung droht an den Eigenkapitalgrenzen der Banken zu scheitern. 867 Milliarden Euro Eigenkapital benötigt Um die zusätzliche Kreditnachfrage für den klimaneutralen Umbau der Wirtschaft abzusichern, müssten europäische Kreditinstitute

Bankenregulierung: Eigenkapitalregeln blockieren Milliarden für die Transformation
Meldung

©ra2 studio/fotolia.com

27.01.2026

Deutsche Innovationsausgaben so hoch wie nie

Die Innovationsausgaben der deutschen Wirtschaft sind im Jahr 2024 auf 213,3 Milliarden Euro gestiegen. Das entspricht einem Plus von 4,9 % im Vergleich zum Vorjahr. Angesichts einer Inflationsrate von 3,1 % bedeutet dies einen leichten realen Zuwachs. Die Innovationsplanung für die kommenden Jahre bleibt auf einem konstanten Niveau, wie der neue Bericht zur Innovationserhebung 2025 des ZEW

Deutsche Innovationsausgaben so hoch wie nie
CORPORATE FINANCE Beratermodul

Haben wir Ihr Interesse für CORPORATE FINANCE geweckt?

Sichern Sie sich das Beratermodul CORPORATE FINANCE im 3 Monate Start-Abo (1 Monat gratis)