• Home
  • /
  • Meldungen
  • /
  • Mehr als acht von zehn Investoren in Deutschland halten ESG-Reporting für unzuverlässig

06.12.2022

Mehr als acht von zehn Investoren in Deutschland halten ESG-Reporting für unzuverlässig

Aus Sicht von Investoren sind in den kommenden zwölf Monaten die Inflation und die gesamtwirtschaftliche Volatilität die größten Herausforderungen für Unternehmen. Der Klimaschutz sollte aus Sicht der Investoren eines der Top-5-Themen für Unternehmensentscheider bleiben. Und: Insgesamt 82% halten das Reporting von Unternehmen über ihre Nachhaltigkeitsperformance für nicht ausreichend belegt. Dies sind drei der Kernergebnisse des aktuellen „Global Investor Survey 2022“ der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC. Für die Studie hat PwC 227 Asset Manager und Analysten von Investmentgesellschaften, Investmentbanken und Maklerunternehmen in 43 Ländern befragt, davon 99 aus Deutschland. Unter den Befragten waren hauptsächlich institutionelle Anleger mit einem breiten Spektrum an Assetklassen, Investitionsansätzen und Zeithorizonten. Das verwaltete Vermögen (Assets under Management) liegt zwischen 500 Mio. und einer Billion USD oder mehr.

Beitrag mit Bild

©Elnur Amikishiyev/123rf.com

Die Top-5-Risiken für Portfoliounternehmen

Gefragt nach den wichtigsten potenziellen Bedrohungen für ihre Portfoliounternehmen in den kommenden zwölf Monaten nannten die Investoren in Deutschland an erster Stelle die Inflation (insgesamt 67% stark bzw. extrem betroffen), gefolgt von der makroökonomischen Volatilität (57%), geopolitischen Konflikten (39%) und Cyberrisiken (38%). Der Klimawandel ist mit 19% der Nennungen eines der Top-5-Themen, die Unternehmensentscheider nach Meinung der Investor en im Fokus behalten sollten. Mit Blick auf die kommenden fünf Jahre waren die genannten Themen dieselben, allerdings mit etwas anderer Gewichtung: Die Top-5-Bedrohungen werden aus Sicht der Investoren makroökonomische Volatilität, Cyberrisiken, Inflation, Klimawandel und geopolitische Konflikte sein.

Unabhängige Abschlussprüfung könnte das Vertrauen der Investoren erhöhen

Die Berichterstattung der Unternehmen über ESG-Themen (Environmental, Social, Governance) halten 82% der Befragten in Deutschland für nicht durch verlässliche Zahlen gestützt (davon 21% zu einem sehr hohen, 26% zu einem hohen und 35% zu einem mittleren Grad). Das waren mehr als im weltweiten Durchschnitt (77%). Nur jeweils zwei% bewerteten die veröffentlichten Informationen als zuverlässig.

Dass rund acht von zehn Investoren ‚Greenwashing‘ vermuten, sollte Unternehmen und Regulatoren aufhorchen lassen, erklären die Studienautoren. Das fehlende Vertrauen sei vor allem deshalb besorgniserregend, weil Nachhaltigkeitsinformationen immer häufiger die Entscheidungen von Anlegern und anderen Stakeholdern beeinflussen.

Als wichtigste Maßnahmen, um das Vertrauen in die veröffentlichten Nachhaltigkeitsinformationen zu erhöhen, nannten die Befragten unabhängige Prüfungen der Berichterstattung (46% hoher oder sehr hoher Grad) und externe Zertifizierung/Validierung (42%).

Dass veröffentlichte Nachhaltigkeitsinformationen unabhängig geprüft werden, hat laut der Studienautoren für alle Stakeholder einen sehr hohen Stellenwert. Diese Prüfungen sollten qualitativ hochwertig und aussagekräftig sein.

Handeln Unternehmen nachhaltig, sind Investoren zu Renditeverzicht bereit

Wichtig bzw. sehr wichtig für ihre Investmentanalysen seien insbesondere die Kosten, die Unternehmen entstehen, um die gesetzten Nachhaltigkeitsziele zu erreichen (44 bzw. 29%). Auch die Auswirkungen von Nachhaltigkeitsrisiken und -chancen auf die finanzielle Entwicklung eines Unternehmens seien bedeutsam (46 bzw. 26%). Die Investoren wünschen sich außerdem Informationen darüber, wie relevant Nachhaltigkeitsfaktoren für das Geschäftsmodell der jeweiligen Unternehmen sind (52 bzw. 22%).

Gefragt hat PwC die Investoren außerdem danach, welche Maßnahmen der Unternehmen sie für die wirkungsvollsten halten, um Klimarisiken zu verringern. Neue, klimafreundliche Produkte oder Prozesse nannten insgesamt 78% als (sehr) wirkungsvoll; Initiativen, um Emissionen zu senken, kamen auf 75%, und eine datengestützte Unternehmensstrategie, um Emissionen zu reduzieren und Klimarisiken zu verringern, gaben 71% der Befragten aus Deutschland an.

Der PwC Global Investor Survey 2022 kann hier heruntergeladen werden.

(Pressemitteilung PwC vom 06.12.2022)


Weitere Meldungen


Meldung

© anyaberkut/fotolia.com

25.06.2026

Der deutsche Mittelstand überschätzt seine Cyber-Abwehrkräfte

Mittelständische Unternehmen bewerten ihre Widerstandsfähigkeit gegen Cyberangriffe deutlich positiver als objektive Prüfungen. In vielen Fällen sind zudem die Investitionen in IT-Sicherheit zu niedrig, um die Komplexität aktueller IT-Landschaften und regulatorischer Anforderungen angemessen zu berücksichtigen. Zu diesem Ergebnis kommt die PwC-Studie „Trügerische Sicherheit: der Mittelstand überschätzt seine Cyber-Resilienz“, der eine Befragung von 400 Führungskräften aus mittelständischen

Der deutsche Mittelstand überschätzt seine Cyber-Abwehrkräfte
Meldung

©fotomek/fotolia.com

24.06.2026

EU-Stresstest 2027: Mehr Proportionalität, neue Klimarisiken

Die Europäische Bankenaufsicht (European Banking Authority – EBA) konsultiert den überarbeiteten EU-weiten Stresstest. Dieser ist stärker risikoorientiert. Bei der Methodik, den Templates und Anleitungen, die bei dem Stresstest 2027 angewendet werden sollen, sind zum Beispiel die Datenanforderungen an die beaufsichtigten Unternehmen gesunken. Zudem sollen die Anforderungen des Stresstests mit aufsichtlichen Standards harmonisiert werden. Dadurch sinkt

EU-Stresstest 2027: Mehr Proportionalität, neue Klimarisiken
Meldung

©7razer/fotolia.com

23.06.2026

10 Jahre Brexit bremst britische Wirtschaft und deutschen Export

Zehn Jahre nach dem Brexit zeigt sich die britische Wirtschaft insgesamt robust, bleibt aber deutlich hinter ihrem Potenzial zurück. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie des weltweit führenden Kreditversicherers Allianz Trade. Das hat auch Folgen für Deutschland und die Europäische Union (EU), die mit einer dauerhaft geringeren Handelsdynamik, stärkerem Wettbewerb und hoher Unsicherheit durch

10 Jahre Brexit bremst britische Wirtschaft und deutschen Export
CORPORATE FINANCE Beratermodul

Haben wir Ihr Interesse für CORPORATE FINANCE geweckt?

Sichern Sie sich das Beratermodul CORPORATE FINANCE im 3 Monate Start-Abo (1 Monat gratis)