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03.02.2021

Mittelstand plant zunächst weniger Investitionen und Neueinstellungen

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© v.poth/fotolia.com

Die Mittelständler in Deutschland sind trotz Corona-Pandemie mehrheitlich nach wie vor positiv gestimmt: So bewerten aktuell 87 Prozent ihre aktuelle Geschäftslage eher oder durchweg positiv. Allerdings ist der Anteil derer, die uneingeschränkt zufrieden sind, von 57 Prozent im Vorjahr auf 49 Prozent gesunken – den niedrigsten Wert seit 2015.

Auch mit Blick auf die kommenden sechs Monate erwarten immerhin 45 Prozent der Mittelständler, dass sich ihre Geschäftslage verbessert. Eine große Mehrheit von 93 Prozent sieht das eigene Unternehmen in einem eher stabilen oder sogar sehr stabilen Zustand.

Allerdings ergeben sich zwischen den Branchen erhebliche Unterschiede: In der chemisch-pharmazeutischen Industrie bewerten 74 Prozent der Befragten ihre Geschäftslage als gut, auch die Mittelständler in der Elektrotechnik und in der Ernährungsindustrie sind mit einem Anteil von 67 beziehungsweise 63 Prozent positiv gestimmt. Beim Ausblick auf die nächsten sechs Monate bleiben die Befragten aus der chemisch-pharmazeutischen Industrie optimistisch: 51 Prozent von ihnen erwarten eine Verbesserung.

Viele Unternehmen im Kraftfahrzeugbau stehen hingegen vor großen Herausforderungen: Nur 30 Prozent bewerten die aktuelle Geschäftslage als gut und 32 Prozent erwarten eine Verbesserung in den kommenden Monaten, während 26 Prozent sogar eine Verschlechterung erwarten – die schlechtesten Werte aller Branchen. 23 Prozent der Unternehmen im Kraftfahrzeugbau sehen sich in einer kritischen Lage. Elf Prozent der Befragten kämpfen nach eigenen Angaben ums Überleben.

Das sind Ergebnisse des Mittelstandsbarometers der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY (Ernst & Young). Für die Studie wurden deutschlandweit 1.150 nicht kapitalmarktorientierte mittelständische Unternehmen mit mindestens zehn Millionen Euro Umsatz befragt. Die Studie wird seit dem Jahr 2004 jährlich durchgeführt.

„Insgesamt zeigt sich der deutsche Mittelstand auch in Krisenzeiten gut aufgestellt“, kommentiert Hubert Barth, Vorsitzender der Geschäftsführung von EY Deutschland, die Ergebnisse. „Den Unternehmen kam zugute, dass sie schon vor Ausbruch der Corona-Pandemie aufgrund der zunehmenden Digitalisierung einiges auf den Prüfstand gestellt hatten: Viele haben bereits frühzeitig ihr Produktportfolio an die sich immer rascher ändernden Kundenbedürfnisse angepasst und ihre Lieferketten optimiert. Von diesen Umstellungen und ihrer hohen Flexibilität profitieren viele Mittelständler in der noch andauernden Krise.“

43 Prozent der Mittelständler mussten Unterstützung in Anspruch nehmen

Dennoch hat die Dimension der Krise viele Mittelständler so stark belastet, dass sie Unterstützung brauchten: 38 Prozent haben 2020 Kurzarbeitergeld in Anspruch genommen. Acht Prozent bezogen Corona-Überbrückungshilfen und sieben Prozent erhielten steuerliche Hilfsmaßnahmen, etwa die Stundung von Steuerzahlungen. Immerhin: Eine Mehrheit von 57 Prozent der Unternehmen kam ohne Unterstützung durch das Jahr.

„Trotz der außergewöhnlichen Belastung durch die Corona-Pandemie mussten die meisten Unternehmen keine Hilfe in Anspruch nehmen“, kommentiert Michael Marbler, Partner bei EY und verantwortlich für den Bereich Mittelstand. „Grundsätzlich ist der deutsche Mittelstand finanziell gut aufgestellt und hat in den vergangenen Jahren Eigenkapital aufgebaut, das ihn auch durch Krisenzeiten tragen kann. Allerdings hat die Corona-Krise ganz unterschiedliche Auswirkungen auf die Branchen. Während etwa die pharmazeutische Industrie von der verstärkten Nachfrage nach Gesundheitsprodukten profitiert und die Ernährungsindustrie als systemrelevante Branche relativ glimpflich durch die Krise kommt, kämpfen viele Unternehmen im Kraftfahrzeugbau um ihre Existenz. Die Branche litt bereits vor Corona unter den hohen Investitionskosten in neue Antriebe. 2020 kamen noch die Einschränkung der Mobilität sowie die Zurückhaltung der Verbraucher bei teuren Anschaffungen hinzu.“

Zurückhaltung bei Investitionen und Neueinstellungen

Im ersten Halbjahr 2021 halten sich die Mittelständler angesichts der Unsicherheit bei Investitionen und Neueinstellungen zurück. Die Investitionsdynamik – also das Saldo aus den Unternehmen, die ihre Investitionen steigern wollen und denen, die sie senken wollen – ist mit zehn Prozentpunkten so niedrig wie seit 2013 nicht mehr. So planen nur noch 16 Prozent der Mittelständler, ihre Investitionen auszuweiten – der niedrigste Wert seit 2007. Wenn investiert wird, dann vor allem in den stärkeren Einsatz von Home-Office (32 Prozent der Befragten) oder Investitionen in digitale Kommunikationsmittel (15 Prozent).

Nicht nur bei den Investitionen halten sich die Mittelständler insgesamt zurück – auch bei den Neueinstellungen ist in der ersten Jahreshälfte 2021 wenig Dynamik zu erwarten: Nur 16 Prozent der Mittelständler wollen die Zahl der Mitarbeiter steigern – der niedrigste Wert seit 2010.

„Die Zurückhaltung bei Investitionen und Neueinstellungen ist angesichts der unklaren Aussichten verständlich“, betont Marbler. „Auf der anderen Seite besteht die Gefahr, dass damit  die Wettbewerbsfähigkeit mittelfristig gefährdet wird. Weniger Investitionen bedeuten in der Regel auch weniger Innovationen. Auch die Zurückhaltung bei Neueinstellungen kann den Unternehmen schnell auf die Füße fallen – denn mehr als die Hälfte beklagt nach wie vor den Fachkräftemangel als größtes Problem für die eigene Unternehmensentwicklung – daran ändert auch Corona nichts.“

(Pressemitteilung EY vom 01.02.2021)


Redaktion

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